Nelly-Sachs-Gymnasium Neuss/Lyrik im thematischen Längsschnitt

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Bertolt Brecht: Über das Zerpflücken von Gedichten (ca. 1935): Der Laie hat für gewöhnlich, sofern er ein Liebhaber von Gedichten ist, einen lebhaften Widerwillen gegen das, was man das Zerpflücken von Gedichten nennt, ein Heranführen kalter Logik, Herausreißen von Wörtern und Bildern aus diesen zarten blütenhaften Gebilden. Demgegenüber muss gesagt werden, daß nicht einmal Blumen welken, wenn man in sie hineinsticht. Gedichte sind, wenn sie überhaupt lebensfähig sind, ganz besonders lebensfähig und können die eingreifendsten Operationen überstehen. [...] Der Laie vergißt, wenn er Gedichte für unnahbar hält, daß der Lyriker zwar mit ihm jene leichten Stimmungen, die er haben kann, teilen mag, daß aber ihre Formulierung in einem Gedicht ein Arbeitsvorgang ist und das Gedicht eben etwas zum Verweilen gebrachtes Flüchtiges ist, also etwas verhältnismäßig Massives, Materielles. Wer das Gedicht für unnahbar hält, kommt ihm nicht wirklich nahe. In der Anwendung von Kriterien liegt ein Hauptteil des Genusses. Zerpflücke eine Rose und jedes Blatt ist schön.[1]

Ausgehend von dem historischen Ereignis des Jahres 2020, 30 Jahre Wiedervereinigung, werden deutschsprachige, politische Gedichte und Songtexte unterschiedlicher Dekaden zusammengetragen und analysiert.

Tagesschau vom 9.11.1989: https://www.youtube.com

Tagesschau vom 3.10.1990: https://www.youtube.com

Politische Lyrik im Wandel der Zeit

Politische Lyrik ist kommunikative Lyrik:

Was wird wann wie von wem wozu vorgetragen?
Inhalt/

Thema

historisch-sozialer Zusammenhang, auf den sich das Gedicht bezieht inhaltlich,

sprachlich,

formal

Bedingungen der Autorin/des Autors Intention

(Absicht)


Aufgabe: Erprobe das abgebildete Analyseschema an einem der von dir ausgewählten Gedichte.

Mascha Kaléko: Der kleine Unterschied

Mascha Kaléko: Der kleine Unterschied

Das Gedicht "Der kleine Unterschied" von Mascha Kaléko aus dem Jahr 1940 behandelt das Sprach- und damit Existenzproblem deutscher Emigranten im englischsprachigen Exil. Als Folge des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland (1933 - 1945) mussten auch jüdische Dichterinnen wie Mascha Kaléko das Land verlassen und versuchten, im Exil eine neue Existenz aufzubauen. Auch wenn deutsche Wörter aufgrund ihrer lautlichen Ähnlichkeit vordergründig leicht ins Englische übersetzbar scheinen, so offenbart eine genauere Betrachtung von Wörtern wie "Land, Heimat, Gedicht" die fehlende emotionale Verbindung zum übersetzen Wort. Lyrik ist nicht übersetzbar, könnte man als Kerngedanken dieses Gedichtes annehmen. Damit wäre den geflüchteten Dichterinnen und Dichtern ihre Kunst im Exil nicht mehr möglich. Die politische Aussage dieses Gedichtes wäre, dass eine Emigration die Künstler*innen zwar körperlich rettet, nicht aber geistig.

Paul Celan: Todesfuge

Paul Celan: Todesfuge

Die "Todesfuge" von Paul Celan aus letzten Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs beschreibt den Alltag der Menschen in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten. Die "schwarze Milch", die die Lagerinsassen täglich trinken, ist zum Symbol für die menschenverachtende Tötungs- und Verbrennungsmaschinerie der Deutschen geworden: Die Milch als lebensspendender Saft, der den Menschen in den Lagern vorenthalten wurde, ist schwarz von der Asche Krematorien, in denen die Leichen der Verhungerten und Vergasten verbrannt wurden. Celan beschrieb mit diesem Gedicht das Schicksal seiner eigenen jüdischen Familie wie auch das von Millionen weiterer Menschen, die im Holocaust getötet worden sind. Die politische Intention dieses Gedichtes sind Gedenken, Mahnung, Warnung.

Nelly Sachs: Gebete für den toten Bräutigam

Nelly Sachs: Gebete für den toten Bräutigam

Nelly Sachs schreibt ein Gedicht über einen, vermutlich von den Nazis ermordeten Bräutigam. Es wird deutlich, dass das lyrische Ich um ihn trauert und versucht, sich den Schmerz aus der Seele zu schreiben. Auf politischer Ebene beschreibt das Gedicht das Leiden der Juden die zurzeit des Nationalsozialismus'.

Reiner Kunze: Die Antenne

Reiner Kunze: Die Antenne
In dem Gedicht "Die Antenne" von Reiner Kunze steht die Antenne als Metapher für einen Menschen, welcher seine Gedanken nicht frei ausleben kann, da dieses von einer Regierung oder auch einer Diktatur abgelehnt wird und dieser Mensch somit in seinem Denken und Handeln eingeschränkt wird.

Udo Jürgens: Griechischer Wein

Udo Jürgens: Griechischer Wein

Das Lied beschreibt die Sehnsucht griechischer Gastarbeiter nach ihrer Heimat im Deutschland der frühen Siebziger Jahre. Der Schlager-Charakter des Liedes täuscht darüber hinweg, dass es sich hierbei um einen sozial-kritischen Text handelt.

Karat: Über sieben Brücken musst du gehn

Karat: Über sieben Brücken musst du gehen:

Das Lied thematisiert die Überbrückung schlechter Phasen im Leben eines jenen Menschen. Die sieben Brücken oder die sieben dunklen Jahre stehen für die schlechten Zeiten, die Jeder von uns überwinden muss. Gleichfalls stehen sie in verschlüsselter Form für das Leben der Menschen in der DDR der Siebziger Jahre.

Marius Müller-Westernhagen: Freiheit

Marius Müller-Westernhagen: Freiheit

Obwohl bereits 1987 zum ersten Mal veröffentlicht, wurde der Song zu einem Symbol des Mauerfalls und Untergangs der DDR. Das lyrische Ich entlarvt die wirtschaftliche und politische Freiheit nach "gemacht[en] Verträgen" als "naiv" und propagiert an dessen Stelle eine persönliche, fast anarchische Freiheit in der Metapher des Feierns.

Eva Strasser: Die Welt steht still

Eva Strasser: Die Welt steht still

Eva Strasser beschreibt in ihrem Tagebuch-Gedicht die Auswirkungen des ersten Corona-Lockdowns auf unsere Welt. Die Covid-19-Pandemie hatte drastische Änderungen auf unser normales Leben: Die Straßen sind leer, ruhig und düster. Menschen meiden die Außenwelt und bleiben zu Hause um sich und andere zu schützen. Eine depressive und bedrückte Atmosphäre herrscht über der Welt. Nicht nur wir Menschen werden von dem Virus beeinflusst, auch Tiere und Pflanzen leiden unter ihm. Das Corona- Virus bringt drastische Veränderungen mit sich.

Teilnehmende:

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  1. Bertolt Brecht: Über Lyrik. Frankfurt/M. 1977, S. 123