Nelly-Sachs-Gymnasium Neuss/Lyrik im thematischen Längsschnitt/Udo Jürgens: Griechischer Wein

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Griechischer Wein

Es war schon dunkel

Als ich durch Vorstadtstraßen heimwärts ging

Da war ein Wirtshaus

Aus dem das Licht noch auf den Gehsteig schien

Ich hatte Zeit und mir war kalt, drum trat ich ein.

Da saßen Männer mit braunen

Augen und mit schwarzem Haar

Und aus der Jukebox erklang Musik

Die fremd und südlich war

Als man mich sah

Stand einer auf und lud mich ein.

Refrain:

Griechischer Wein ist

So wie das Blut der Erde

Komm', schenk dir ein

Und wenn ich dann traurig werde

Liegt es daran

Dass ich immer träume von daheim

Du musst verzeihen

Griechischer Wein

Und die altvertrauten Lieder

Schenk' nochmal ein

Denn ich fühl' die Sehnsucht

Wieder, in dieser Stadt

Werd' ich immer nur ein Fremder sein, und allein


Und dann erzählten sie mir von grünen Hügeln, Meer und Wind

Von alten Häusern und jungen Frauen, die alleine sind

Und von dem Kind das seinen Vater noch nie sah

Sie sagten sich immer wieder

Irgendwann geht es zurück

Und das Ersparte genügt zu

Hause für ein kleines Glück

Und bald denkt keiner mehr daran

Wie es hier war

Refrain:

Griechischer Wein ist

So wie das Blut der Erde

Komm', schenk dir ein

Und wenn ich dann traurig werde

Liegt es daran

Dass ich immer träume von daheim

Du musst verzeihen

Griechischer Wein

Und die altvertrauten Lieder

Schenk' nochmal ein,

Denn ich fühl' die Sehnsucht

Wieder, in dieser Stadt

Werd' ich immer nur ein Fremder sein, und allein


Songwriter: Donald Black / Michael Kunze / Udo Jürgens

Songtext von Griechischer Wein © BMG Rights Management

Deutungsansatz:

Das Gedicht wirkt traurig und vor allem sehr sehnsüchtig auf mich. Das Lied ist emotional und düster geschrieben. Es beschreibt die Liebe zur Heimat. [LaSNSG]

Inhaltsangabe:

Das Lied handelt von einem Einheimischen, der einige Gastarbeiter trifft, die von der Fremde des Landes erzählen. Dazu wird deren Sehnsucht zum Heimatland beschrieben. [LaSNSG]

Inhaltsanalyse:

Zu Beginn des Gedichts beschreibt das lyrische Ich seinen abendlichen Weg durch die Straßen in seinem Heimatland (V. 1-4). Dazu beschreibt es bildlich, wie diese auf es wirken (V.1: ,,Es war schon dunkel”). Des Weiteren erläutert es das Kennlernen einiger Gastarbeiter in einem Gasthaus, die es einladen, etwas zu trinken (V.5-13). Als das lyrische Ich auf die Gastarbeiter trifft, fallen ihm zunächst die Unterschiede zwischen ihnen auf (V. 8-9: ,,und aus einer Jukebox erklang Musik, die fremd und südlich war”), (V.11: ,,stand einer auf und lud mich ein”).

Im Refrain findet ein Perspektivenwechsel statt: Nun beschreiben die Gastarbeiter aus ihrer Sicht ihre Liebe, aber vor allem ihre Sehnsucht nach ihrer Heimat (V. 15-22) und ihre Angst, in dem unbekannten Land immer fremd zu bleiben (V. 23-29).

In der zweiten Strophe spricht wieder das lyrische Ich des Einheimischen, dem die Gastarbeiter von ihrer Heimat erzählen und ihre Hoffnung darauf, dass sie mit dem erwirtschafteten Geld eines Tages in ihrer Heimat ein "ein kleines Glück" erleben werden und ihre Zeit in Deutschland werden vergessen können (V. 30-33). [LaSNSG]

Sprachanalyse:

Das wohl bedeutendste sprachliche Bild des Liedes ist der griechische Wein als "wie das Blut der Erde‘‘. Er symbolisiert die Sehnsucht nach der Heimat. Dabei handelt es sich zum einen um einen Vergleich zwischen dem Wein und dem Blut der Erde. Das Blut der Erde ist zudem eine Metapher, es scheint etwas zu sein, was die Erde dringend braucht und ohne das es nicht leben kann. Dies zeigt erneut die Wichtigkeit, die das lyrische Ich für seine Heimat empfindet. Die Phrase „griechischer Wein“ stellt den Bezug zum Titel dar, da dies der Titel ist. Auch dies zeigt wieder was für eine Bedeutung die Heimat des Gastarbeiters für diesen hat.

Eine weitere Besonderheit ist der Perspektivenwechsel. Die erste Strophe wird aus der Sicht des Einheimischen berichtet, darauf der Refrain aus der Sicht der Gastarbeiter. Somit verändert sich das lyrische Ich. Dieser Wechsel führt zum einen dazu, dass der Leser beide Sichten kennen lernt. Zudem führt es dazu, dass die Perspektiven miteinander verschwimmen und dass die Gastarbeiter sich durch den Einheimischen eventuell etwas weniger abgegrenzt und ausgeschlossen fühlen. Dieses Verschwimmen verwirrt Iden Leser und gibt diesem etwas das Gefühl der Ungewissheit, was ebenfalls den Inhalt stützt, dass die Zukunft der Gastarbeiter und der ganzen Welt ungewiss ist.

Eine weitere sprachliche Auffälligkeit ist der parallele Satzbau (Parallelismus) in den ersten vier Versen. Dort wurde immer jeder zweite Vers im gleichen Satzbau geschrieben. Dies stützt erneut die inhaltliche These, dass die erste Strophe aus Sicht des Einheimischen ist. Für ihn scheint alles normal, gewohnt und mit festen Ablauf zu sein.

Zudem fällt auf, dass viele Wörter des Wortfeldes Sehnsucht vorkommen ( Sehnsucht, Heimat, Einsamkeit… ). Auch dies stützt den Inhalt, dass sich die Gastarbeiter zwar scheinbar wohlfühlen, aber trotzdem so schnell wie möglich zurück in ihrer Heimat und zu ihren Familien wollen. [LaSNSG]

Die negativ konnotierten Adjektive, wie zum Beispiel ,,dunkel" (V.1) und ,,kalt" (V.5), unterstreichen die düstere Stimmung in dem neuen Land. Der ,,griechisch[e] Wein" (V.12) steht im Kontrast zu dem fremden Land, in welchem die Wirtshausgäste keine Orientierung finden. Die Wiederholung des Symbols ,,Griechischer Wein" (V.34) verdeutlicht, dass sie sich sehr stark nach seiner Heimat sehnen. Mit der Aufzählung ,,grün[e] Hüge[l], Meer und Wind"(V.25) erwecken sie Erinnerungen an ihre Heimat, welche sie mit positiven Gefühlen verbinden, z.B. ,,Glück" (V.31). [RoNNSG]

Formanalyse:

Das Gedicht besteht aus zwei recht langen Strophen mit unterschiedlich vielen Versen. Zwischen den Strophen und danach befindet sich ein Refrain mit je elf Versen. Außerdem wechselt der Rhythmus stetig, dies zeigt, wie beliebig und chaotisch die Gedanken des Gastarbeiters sind. Es scheint alles so einfach und strukturiert, doch diese fehlende Struktur zeigt, wie durcheinander und verloren sich der Gastarbeiter fühlt. Dies wird ebenfalls durch die ständig wechselnden Kadenzen und das nicht wirklich vorhandene Reimschema verdeutlicht. Es gibt manchmal Wörter, die sich reimen (V. 14: ,,ein’‘; V. 17:,,daheim’‘;V.18:,,verzeihen’‘ ...). Diese sollen die trotzdem ähnlichen Sichtweisen unterstützen, auch wenn diese zunächst nicht erkennbar scheinen. Dieser Reim kommt in beiden Perspektiven vor und zeigt quasi „Überschneidungspunkte‘‘ dieser Perspektiven. [LaSNSG]

Es gibt umarmende Reime, Paarreime und Kreuzreime. Dadurch, dass die es viele verschiedene Reime gibt, wird die Kneipenstimmung unterstützt. Die Männer, die dort Wein trinken, sind frei und reden durcheinander, umarmen sich und bilden Paare. Es gibt kein einheitliches Metrum, es liegen freie Rhythmen vor, was die Kneipenstimmung ebenfalls unterstützt. [MiBNSG]

Entstehungshintergrund:

Das Lied von Udo Jürgens entstand in verschiedenen Etappen. Die Melodie schrieb er nach einem Urlaub auf Rhodos, den fertigen Text gab es allerdings erst zwei Jahre später. Die Idee, dass die Geschichte des Liedes in Ruhrgebiet spielen sollte, entwickelte Michael Kunze[1], der sich stark mit der damaligen Situation der Gastarbeiter aus Griechenland auseinandergesetzt hatte. [LaSNSG]