Nelly-Sachs-Gymnasium Neuss/Lyrik im thematischen Längsschnitt: Unterschied zwischen den Versionen

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an andrer Raisenart ist gar nicht viel gelegen.
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Quelle: [https://www.zgedichte.de/gedichte/sibylla-schwarz/auff-die-so-durch-reisen-wollen-beruehmet-werden.html. www.zgedichte.de/gedichte/sibylla-schwarz/auff-die-so-durch-reisen-wollen-beruehmet-werden.html.]
Quelle: [https://www.zgedichte.de/gedichte/sibylla-schwarz/auff-die-so-durch-reisen-wollen-beruehmet-werden.html. www.zgedichte.de/gedichte/sibylla-schwarz/auff-die-so-durch-reisen-wollen-beruehmet-werden.html.][[File:Sibylla Schwarz 1650.jpg|thumb|Sibylla Schwarz (Frontispiz-Detail: Deutsche Poëtische Gedichte, 1650)]]<p>
 
 
 
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<p><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sibylla_Schwarz_1650.jpg#/media/Datei:Sibylla_Schwarz_1650.jpg"><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5a/Sibylla_Schwarz_1650.jpg" alt="Sibylla Schwarz 1650.jpg" height="583" width="430"></a><br>Von Autor/-in unbekannt - &lt;a rel="nofollow" class="external free" href="http://diglib.hab.de/drucke/229-2-quod-5/start.htm"&gt;http://diglib.hab.de/drucke/229-2-quod-5/start.htm&lt;/a&gt;, Gemeinfrei, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28917528">Link</a></p>





Version vom 12. April 2024, 09:20 Uhr

Bertolt Brecht: Über das Zerpflücken von Gedichten (ca. 1935): Der Laie hat für gewöhnlich, sofern er ein Liebhaber von Gedichten ist, einen lebhaften Widerwillen gegen das, was man das Zerpflücken von Gedichten nennt, ein Heranführen kalter Logik, Herausreißen von Wörtern und Bildern aus diesen zarten blütenhaften Gebilden. Demgegenüber muss gesagt werden, daß nicht einmal Blumen welken, wenn man in sie hineinsticht. Gedichte sind, wenn sie überhaupt lebensfähig sind, ganz besonders lebensfähig und können die eingreifendsten Operationen überstehen. [...] Der Laie vergißt, wenn er Gedichte für unnahbar hält, daß der Lyriker zwar mit ihm jene leichten Stimmungen, die er haben kann, teilen mag, daß aber ihre Formulierung in einem Gedicht ein Arbeitsvorgang ist und das Gedicht eben etwas zum Verweilen gebrachtes Flüchtiges ist, also etwas verhältnismäßig Massives, Materielles. Wer das Gedicht für unnahbar hält, kommt ihm nicht wirklich nahe. In der Anwendung von Kriterien liegt ein Hauptteil des Genusses. Zerpflücke eine Rose und jedes Blatt ist schön.[1]


Was ist Lyrik?

Das verrät dir dieses kleine Lied:

Marie Ebner-Eschenbach (1830-1916)

Ein kleines Lied

Ein Kleines Lied, wie geht's nur an,

dass man so lieb es haben kann?

Was liegt darin? erzähle!


Es liegt darin ein wenig Klang,

ein wenig Wohllaut und Gesang

und eine ganze Seele.


www.lyrikmond.de

Wie interpretiere ich ein Gedicht?

Eine Anleitung zur schrittweisen, vollständigen Gedichtinterpretation findest du hier.

Rebellion - ein Lyrikprojekt der Jahrgangsstufe 10

Heinrich Heine: Die schlesischen Weber (1844)
Georg Weerth: Das Hungerlied (1845)
Emma Döltz: Hoffnung (1910)
Mascha Kaléko: Heimweh, wonach? (ca. 1938)
Ingeborg Bachmann: Alle Tage (1952)
Ernst Jandl: My own song (1966)
Udo Jürgens: Das ehrenwerte Haus (1974)
Karat: Über sieben Brücken musst du gehen
Martina Sens: der schrei nach führung (2019)
Samira Schogofa: Das war‘s dann (aktuell)


Naturlyrik im Spiegel der Zeit

Naturlyrik. Aus: Weidemann/Weidemann: 75 Bildkarten für Coaching und Beratung. Beltz 2013

Im Schuljahr 21/22 beschäftigen sich Lernenden der Einführungsphase (EF) mit dem Thema Naturlyrik.

Wir werden uns mit Gedichten verschiedener Epochen beschäftigen, die im weitesten Sinne das Thema „Natur“ behandeln, dabei wollen wir herausfinden, warum ein Motiv über die Jahrhunderte hinweg aktuell geblieben ist, und wie es sich in dieser Zeit aber verändert hat.

Leitfragen unserer Arbeit werden sein:

- Was ist überhaupt Naturlyrik?

- Wie hat sich die Lyrik im Laufe der Zeit verändert? Unterschiede zwischen dem 17. Jh. und heute

- Wie finde ich die Emotionen des Schriftstellers im Gedicht wieder?

- Welche Folgen hat Lyrik für die heutige Zeit?

- Wie formuliert man eine Gedichtanalyse?


Aus den folgenden Gedichten gilt es, exemplarisch zwei - aus verschiedenen Zeiten - vergleichend zu interpretieren.

Andreas Gryphius: Einsamkeit (1663) - Barock

Andreas Gryphius: Einsamkeit

Johann Wolfgang v. Goethe: Über den Gipfeln ist Ruh’ (1780) - Klassik

J. W. v. Goethe: Über den Gipfeln ist Ruh'

Anette v. Droste- Hülshoff: Der Knabe im Moor (1844)

Anette v. Droste- Hülshoff: Der Knabe im Moor

Joseph v. Eichendorff: Mondnacht (1873) - Romantik

Joseph v. Eichendorff: Mondnacht

Christian Morgenstern: Novembertag (ça. 1900) - Jahrhundertwende

Christian Morgenstern: Novembertag

Georg Trakl: Sommersonate (1909-1912) - Expressionismus

Georg Trakl: Sommersonate

Ernst Jandl: Auf dem Land (1963) - Konkrete Poesie - Experimentelles

Ernst Jandl: Auf dem Land

Ulla Hahn: Schöne Landschaft (1985) - Moderne

Ulla Hahn: Schöne Landschaft

Jürgen Drews: Ein Bett im Kornfeld (1976) - Exkurs über Kitsch

Jürgen Drews: Ein Bett im Kornfeld


Politische Lyrik im Wandel der Zeit

Ausgehend von dem historischen Ereignis des Jahres 2020, 30 Jahre Wiedervereinigung, werden deutschsprachige, politische Gedichte und Songtexte unterschiedlicher Dekaden zusammengetragen und analysiert.

Tagesschau vom 9.11.1989: https://www.youtube.com

Tagesschau vom 3.10.1990: https://www.youtube.com


Politische Lyrik ist kommunikative Lyrik:

Was wird wann wie von wem wozu vorgetragen?
Inhalt/

Thema

historisch-sozialer Zusammenhang, auf den sich das Gedicht bezieht inhaltlich,

sprachlich,

formal

Bedingungen der Autorin/des Autors Intention

(Absicht)


Aufgabe: Erprobe das abgebildete Analyseschema an einem der von dir ausgewählten Gedichte.

Mascha Kaléko: Der kleine Unterschied

Mascha Kaléko: Der kleine Unterschied

Das Gedicht "Der kleine Unterschied" von Mascha Kaléko aus dem Jahr 1940 behandelt das Sprach- und damit Existenzproblem deutscher Emigranten im englischsprachigen Exil. Als Folge des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland (1933 - 1945) mussten auch jüdische Dichterinnen wie Mascha Kaléko das Land verlassen und versuchten, im Exil eine neue Existenz aufzubauen. Auch wenn deutsche Wörter aufgrund ihrer lautlichen Ähnlichkeit vordergründig leicht ins Englische übersetzbar scheinen, so offenbart eine genauere Betrachtung von Wörtern wie "Land, Heimat, Gedicht" die fehlende emotionale Verbindung zum übersetzen Wort. Lyrik ist nicht übersetzbar, könnte man als Kerngedanken dieses Gedichtes annehmen. Damit wäre den geflüchteten Dichterinnen und Dichtern ihre Kunst im Exil nicht mehr möglich. Die politische Aussage dieses Gedichtes wäre, dass eine Emigration die Künstler*innen zwar körperlich rettet, nicht aber geistig.

Paul Celan: Todesfuge

Paul Celan: Todesfuge

Die "Todesfuge" von Paul Celan aus letzten Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs beschreibt den Alltag der Menschen in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten. Die "schwarze Milch", die die Lagerinsassen täglich trinken, ist zum Symbol für die menschenverachtende Tötungs- und Verbrennungsmaschinerie der Deutschen geworden: Die Milch als lebensspendender Saft, der den Menschen in den Lagern vorenthalten wurde, ist schwarz von der Asche Krematorien, in denen die Leichen der Verhungerten und Vergasten verbrannt wurden. Celan beschrieb mit diesem Gedicht das Schicksal seiner eigenen jüdischen Familie wie auch das von Millionen weiterer Menschen, die im Holocaust getötet worden sind. Die politische Intention dieses Gedichtes sind Gedenken, Mahnung, Warnung.

Nelly Sachs: Gebete für den toten Bräutigam

Nelly Sachs: Gebete für den toten Bräutigam

Nelly Sachs schreibt ein Gedicht über einen, vermutlich von den Nazis ermordeten Bräutigam. Es wird deutlich, dass das lyrische Ich um ihn trauert und versucht, sich den Schmerz aus der Seele zu schreiben. Auf politischer Ebene beschreibt das Gedicht das Leiden der Juden die zurzeit des Nationalsozialismus'.

Reiner Kunze: Die Antenne

Reiner Kunze: Die Antenne
In dem Gedicht "Die Antenne" von Reiner Kunze steht die Antenne als Metapher für einen Menschen, welcher seine Gedanken nicht frei ausleben kann, da dieses von einer Regierung oder auch einer Diktatur abgelehnt wird und dieser Mensch somit in seinem Denken und Handeln eingeschränkt wird.

Udo Jürgens: Griechischer Wein

Udo Jürgens: Griechischer Wein

Das Lied beschreibt die Sehnsucht griechischer Gastarbeiter nach ihrer Heimat im Deutschland der frühen Siebziger Jahre. Der Schlager-Charakter des Liedes täuscht darüber hinweg, dass es sich hierbei um einen sozial-kritischen Text handelt.

Karat: Über sieben Brücken musst du gehn

Karat: Über sieben Brücken musst du gehen:

Das Lied thematisiert die Überbrückung schlechter Phasen im Leben eines jenen Menschen. Die sieben Brücken oder die sieben dunklen Jahre stehen für die schlechten Zeiten, die Jeder von uns überwinden muss. Gleichfalls stehen sie in verschlüsselter Form für das Leben der Menschen in der DDR der Siebziger Jahre.

Marius Müller-Westernhagen: Freiheit

Marius Müller-Westernhagen: Freiheit

Obwohl bereits 1987 zum ersten Mal veröffentlicht, wurde der Song zu einem Symbol des Mauerfalls und Untergangs der DDR. Das lyrische Ich entlarvt die wirtschaftliche und politische Freiheit nach "gemacht[en] Verträgen" als "naiv" und propagiert an dessen Stelle eine persönliche, fast anarchische Freiheit in der Metapher des Feierns.

Eva Strasser: Die Welt steht still

Eva Strasser: Die Welt steht still

Eva Strasser beschreibt in ihrem Tagebuch-Gedicht die Auswirkungen des ersten Corona-Lockdowns auf unsere Welt. Die Covid-19-Pandemie hatte drastische Änderungen auf unser normales Leben: Die Straßen sind leer, ruhig und düster. Menschen meiden die Außenwelt und bleiben zu Hause um sich und andere zu schützen. Eine depressive und bedrückte Atmosphäre herrscht über der Welt. Nicht nur wir Menschen werden von dem Virus beeinflusst, auch Tiere und Pflanzen leiden unter ihm. Das Corona- Virus bringt drastische Veränderungen mit sich.

Lyrik im Expressionismus:

Gottfried Benn: Ophelia

Gottfried Benn: Ophelia

Gottfried Benn (1886 - 1956) nimmt in seinem Gedicht Ophelia Bezug auf die literarische Figur der Ophelia von William Shakespeare. Ophelia ertrinkt, nachdem ihre Liebesbeziehung zu Prinz Hamlet gescheitert ist.

Benn verarbeitet das Motiv des tragischen Todes aufgrund eines gebrochenen Herzens - vermutet wird Selbstmord - auf seine ganz eigene Weise: morbide, zynisch, expressionistisch. Man spricht in der Literaturgeschichte in Bezug auf Benn auch von seinem "medizynischen Blick".



„Der Luftschiffer" von Karoline von Günderode

erstellt von PhONSG

Reiselyrik vom Barock zum Gegenwart: Unterwegs sein

Was ist eigentlich ein Gedicht, was macht ein Gedicht aus? Bertolt Brecht vergleicht ein Gedicht mit einer Rose und beschreibt es als "etwas zum Verweilen gebrachtes Flüchtiges ..., also etwas verhältnismäßig Massives, Materielles" (In: Über das Zerpflücken von Gedichten (ca. 1935).[1]

Er fordert: "Zerpflücke eine Rose und jedes Blatt ist schön" und weiter: "In der Anwendung von Kriterien liegt ein Hauptteil des Genusses." (s.o.)

Wir probieren es aus! Zur „Anwendung von Kriterien“ bietet uns das Wiki eine methodische Anleitung unter: Wie interpretiere ich ein Gedicht?

"Zerpflücke eine Rose und jedes Blatt ist schön!" - J. Ringelnatz´ “Die Ameisen“

Abb.: Ameisen-Kalender 1897; Verlag Friedrich Geißler. Gemeinfrei (2019).


In Hamburg lebten zwei Ameisen,

Die wollten nach Australien reisen.

Bei Altona auf der Chaussee

Da taten ihnen die Beine weh,

Und da verzichteten sie weise

Denn auf den letzten Teil der Reise.

So will man oft und kann doch nicht

Und leistet dann recht gern Verzicht.



In: https://www.projekt-gutenberg.org/ringelnz/gedichte/chap005.html

1.) Erster Eindruck:

Zwei Ameisen auf Abenteuerreise

Wirkung: groß, aufregend, anstrengend, fröhlich, unernst, ironisch/übertrieben, lustig ; mit ernstem/traurigem Fazit am Ende -

Erste Aussageideen:

  • • schlicht aufgrund der schlichten Form; Deutungshypothese: Vermeintlich Einfaches entpuppt sich später als durchaus schwierig.
  • • verwirrend: Ameisen auf Weltreise - Was hat das mit meinem Leben zu tun?
  • • Überheblich: größenwahnsinnige Ameisen - Übertragung auf den Menschen: Sind wir eigentlich auch nur Ameisen?
2.) Inhalt:

Zwei Ameisen wollen von Hamburg aus nach Australien reisen, geben aber schon in Altona erschöpft auf. In der Folge verzichten sie auf „den Rest der Reise“. Es wird ein Fazit formuliert: Man verzichtet gerne auf Dinge, die man nicht realisieren konnte.

3.) Analyse:
3a.) inhaltlich:

V1.: Funktion: Vorstellung der Szenerie:

  • • zwei Ameisen leben in Hamburg: klein, fleißig, Kolonie-Tiere in Hamburg als Hafen- /Handels-Stadt; Startpunkt vieler Auswanderer
  • • Wirkung: ironisch, übertrieben, abenteuerlich

Usw.

3b.) sprachlich:
  • • Hyperbel in V. 1/2: Ameisen auf Weltreise
  • • Antithetik: klein/groß: Ameise/Stadt; Australien/Altona, Wollen/Können

Alliterationen:

Funktionen:

auf D - Darstellung der einzelnen Schritte

auf A - Darstellung/Verknüpfung  der Figuren und Orte

  • • Verbindung mit der Antithetik

Wirkungen: schlicht/einprägsam / lustig/bedacht

Usw.


3c) formal:

Insgesamt ein kurzes Gedicht analog zur Kürze der tatsächlichen Reise (von Hamburg nach Altona); bestehend aus zwei Strophen -mit einmal sechs Versen und einmal zwei Versen analog zum Abbruch der Reise bereits in Altona.

Das Strophenarrangement wirkt so, als wäre es nur eine Strophe, da die zweite wie ein Anhang wirkt: Die erste Strophe enthält die Geschichte von den Ameisen, die zweite formuliert eine Moral/Lehre aus der Geschichte: Menschen geben zu schnell auf, begründen ihr Aufgeben mit vorgeschobenen Argumenten (hier: Beinschmerzen) und stellen ihr Aufgeben als Verzicht dar, um vor sich selbst und anderen nicht als Verlierer, sondern als großzügig Verzichtender dazustehen.

Kritik an der Überheblichkeit der Menschen, die sich zu viel vornehmen und das dann nicht erfüllen können.

Alternativ - weiterführende Deutungen:

- Ziele, egal wie unrealistisch, sollten dennoch verfolgt werden. Verzichten ist besser, als es gar nicht probiert zu haben (hier: Altona ist nicht Australien, aber auch eine Reise wert).

- Menschen verzichten auch gerne aus angeblich altruistischen Gründen (Selbstlosigkeit), die aber oftmals Garn ich so selbstlos sind, sondern eher eigennützig.


Reime und Kadenzen:

  • Paarreim ( die letzten Wörter, der jeweiligen Verse reimen sich auf die danach folgenden ,,weise'' -> ,,Reise'' )
  • Kadenzen-> w,w,m,w,w,m,m -> ausschließlich weibliche Kadenzen (diese sind am Ende des Wortes unbetont)

- Reime und Kadenzen:

Durchgängiger Paarreim — Funktion: zwei Verse gehören immer Inhaltlich zusammen: Ameisenreise; Scheitern; Weisheit des Reiseabbruchs, Verzicht.

Alternierende Kadenzen: Vers 1 und 2 - klingende Kadenzen („Ameisen/reisen“), Vers 3 und 4 - stumpfe Kadenz, Vers 5 und 6 - klingende Kadenz, Vers 7 und 8 stumpfe Kadenz

Deutung: Hin und Her oder Höhen und Tiefen der Ameisenbewegung;

Stumpfe Kadenzen treten beim Wehleiden auf und im Fazit (Verzicht), Abbruch unterstreicht eher negative Wirkung; im Kontrast zur offenen, klingenden Wirkung bei der Reise.

- Metrum: 4-hebiger Jambus mit einer metrischen Verschiebung im ersten Vers auf Ameise:

u / u / u / u / u

In Hamburg lebten zwei Ameisen,

Die wollten nach Australien reisen.

Wirkung: Dynamik der Reise-Bewegung, Fröhlichkeit/Aufbruchsstimmung der Ameisen durch auftaktischen Jambus.

Metrische Verschiebung …

- verstärkt den Reim auf „ei“ und rückt damit Ameisen und Reisen stärker zusammen. -> Absurdität des Inhalts.

- verstolpert das Vorhaben schon in der Planung bzw. in der Reisegruppe - > zwei Ameisen.

4.) Entstehungshintergrund:




https://unterrichten.zum.de/wiki/Reise-Lyrik

https://unterrichten.zum.de/wiki/Lyrik_des_Barock

Unterwegs sein ... im Barock







Interpretation von Paul Flemings Lebenserfahrungen in seinem Gedicht "An Deutschland" (1546)

Paul Fleming: An Deutschland

Ja Mutter es ist war. Ich habe diese Zeit

die Jugend mehr als faul und übel angewendet.

Ich hab' es nicht gethan/wie ich mich dir verpfändet.

So lange bin ich aus/und dencke noch so weit.

Ach Mutter zürne nicht; es ist mir mehr als leid/

der Vorwitz dieser Muth hat mich zu sehr verblendet.

Nun hab' ich allzuweit von dir/Trost/abgeländet/

und kan es endern nicht/wie hoch es mir auch reut.


Ich bin ein schwaches Both ans große Schiff gehangen/

muß folgen/wie/und wenn/und wo man denckt hinaus.

Ich will gleich/oder nicht. Es wird nichts anders draus.


Indessen meyne nicht/O du mein schweer Verlangen/

Ich dencke nicht auff dich/und was mir frommen bringt.

Der wohnet überall/der nach der Tugend ringt.[2]

Inhalt:

Das Gedicht "An Deutschland" von Paul Fleming aus der Barockzeit reflektiert die Themen Reue, Selbstreflexion und Tugend. In dem Gedicht drückt das lyrische Ich seine Reue und sein Bedauern gegenüber Deutschland aus, gesteht, seine Jugendzeit verschwendet zu haben und nicht so gehandelt zu haben, wie es versprochen hatte. Es erkennt an, dass sein Übermut und seine Unbesonnenheit es von Deutschland entfernt haben und dass es nun die Konsequenzen tragen muss, ohne die Vergangenheit ändern zu können.

Das lyrische Ich beschreibt sich als schwaches Boot, das an das große Schiff (die Welt) angehängt ist und dem Schicksal folgen muss, wohin es auch führen mag. Es akzeptiert, dass es keine andere Wahl hat, als den Konsequenzen seines Handelns zu begegnen.

Obwohl das lyrische Ich seine Fehler bereut und sich Deutschland gegenüber reuig zeigt, betont es, dass es nicht nur an sich selbst denkt, sondern auch an die Tugend und das Streben danach. Es erkennt an, dass Tugend überall vorhanden ist und dass es wichtig ist, danach zu streben, unabhängig von den eigenen Fehlern und dem Bedauern über vergangene Handlungen.

Die letzten Verse reflektieren somit die Idee, dass wahre Tugend und moralisches Handeln nicht durch egoistische Motive getrübt werden sollten, sondern dass sie universell und unabhängig von persönlichen Interessen angestrebt werden sollten.

Insgesamt vermittelt das Gedicht "An Deutschland" von Paul Fleming eine Mischung aus Reue, Selbstreflexion und dem Streben nach Tugend, wobei das lyrische Ich sich seiner Fehler bewusst ist, aber auch den Wert der Tugend und des moralischen Handelns anerkennt.

Form:
  • Metrum: Das Metrum des Gedichts ist überwiegend jambisch, da die meisten Verse aus einer unbetonten und einer betonten Silbe bestehen (z.B. "Ja Mutter es ist war"; V.1). Es gibt jedoch auch einige Variationen im Metrum, wie z.B. der erste Vers, der trochäisch ist.Das variierende Metrum spiegelt die innere Zerissenheit und das Bedauern des lyrischen Ichs wider, während es über vergangene Fehler reflektiert.
  • Reim: Das Reimschema des Gedichts ist abwechslungsreich. Es gibt Paarreime (z.B. "angewendet" und "verpfändet", V.1-2), Kreuzreime und umarmende Reime (z.B. "gehangen''und "verlangen", V.7 und V. 10). Diese Vielfalt an Reimen trägt zur Lebendigkeit des Gedichts bei. Seine Paarreime erzeugen eine direkte Verbindung zwischen den Gedanken. Die umarmenden Reime, bei denen sich das erste und das vierte sowie das zweite und das dritte Wort der Strophe reimen, verleihen dem Gedicht eine gewisse Abrundung, die den Leser dazu bringt über die Botschaft des Gedichts nachzudenken.
  • Kadenzen: Die Kadenzen in diesem Gedicht sind überwiegend stumpf, da die letzten Silben der Reime betont sind (z.B. "angewendet" und "verpfändet", V. 2-3). Dies verleiht dem Gedicht eine kraftvolle und energische Klangqualität, die den emotionalen Inhalt des Gedichts widerspiegelt.

Diese Analyse zeigt, wie das Metrum, der Reim und die Kadenzen in Paul Flemings Gedicht "An Deutschland" dazu beitragen, den Rhythmus, die Struktur und den Klang des Gedichts zu formen und zu verstärken.

Die strukturellen Elemente des Gedichts, wie das Metrum, der Reim und die Kadenzen, tragen dazu bei, die inhaltliche Deutung des Gedichts "An Deutschland" von Paul Fleming zu verstärken. Das jambische Metrum verleiht dem Gedicht einen fließenden und rhythmischen Ton, der die Reue und das Bedauern des lyrischen Ichs betont. Die abwechslungsreichen Reimschemata spiegeln die Vielschichtigkeit der Themen wider, während die männlichen Kadenzen eine kraftvolle und entschiedene Stimmung erzeugen, die die Selbstreflexion und das Streben nach Tugend unterstreichen.

Die Struktur des Gedichts, die durch Metrum, Reim und Kadenzen geformt wird, harmoniert somit mit den inhaltlichen Aspekten des Bedauerns, der Reue und des Tugendstrebens. Durch die Verbindung von Form und Inhalt gelingt es dem Gedicht, eine tiefgreifende Botschaft über die menschliche Natur, die Fehler und die Hoffnung auf moralische Erneuerung zu vermitteln.


Das vorliegende Gedicht ist ein Sonett. Das Sonett (von lat. sonore: ,, tönen") ist ein 14-zeiliges Gedicht, bestehend aus zwei Vierzeilern (Quartetten) und zwei Dreizeilern (Terzetten). Das klassische Reimschema, das aber häufig variiert wird, lautet: abba abba cdc dcd. Charakteristisch ist außerdem der Alexandriner, ein sechshebiger jambischer Vers mit einer Zäsur (einem Einschnitt) nach der dritten Hebung. Meist stellen die Quartette in These und Antithese das Thema des Gedichtes vor, die Terzette führen das ange­ sprochene Thema dann zueinem Ergebnis bzw. zu einer endgültigen Aussage (Synthese).

Sprache:

In dem Gedicht "An Deutschland" von Paul Fleming werden verschiedene sprachliche Mittel verwendet, um die Themen Reue, Selbstreflexion und Tugend zu verstärken und zu vermitteln.

  1. Metaphern und bildhafte Sprache: Das lyrische Ich beschreibt sich selbst als ein schwaches Boot, das an das große Schiff (die Welt) angehängt ist (V.9). Diese Metapher verdeutlicht die Hilflosigkeit und das Gefühl der Ohnmacht, das das lyrische Ich empfindet, da es den Konsequenzen seines Handelns ausgeliefert ist. Die bildhafte Sprache verstärkt die emotionale Tiefe des Gedichts und macht die Abstraktion der Themen greifbar.
  1. Personifikation: Die Personifikation von Deutschland als Empfänger der Reue und des Bedauerns des lyrischen Ichs verleiht dem Land menschliche Eigenschaften und macht die emotionale Bindung zwischen dem Ich und seinem Heimatland deutlich (V.7-8). Deutschland wird als lebendiges Wesen dargestellt, das die Konsequenzen des Handelns des Ichs spürt (V.1-5).
  1. Kontrastive Sprache: Durch den Kontrast zwischen der Reue des lyrischen Ichs und dem Streben nach Tugend wird die innere Zerrissenheit und der moralische Konflikt des Ichs verdeutlicht. Der Einsatz von gegensätzlichen Begriffen und Gedanken verdeutlicht die Ambivalenz und die Komplexität der Themen, die im Gedicht behandelt werden.
  1. Alliteration und Assonanz: Die Verwendung von wiederkehrenden Anfangslauten (Alliteration) und Vokallauten (Assonanz) verstärkt den Klang und die Melodie des Gedichts. Dies trägt dazu bei, die emotionale Intensität und die Bedeutung der Worte zu betonen, indem sie hervorgehoben und verstärkt werden.

Durch die geschickte Verwendung dieser sprachlichen Mittel gelingt es Paul Fleming, die Themen Reue, Selbstreflexion und Tugend auf eine eindringliche und kraftvolle Weise zu vermitteln. Die Sprache des Gedichts unterstützt und verstärkt die inhaltliche Deutung und trägt dazu bei, eine tiefgreifende Botschaft über menschliche Schwächen, moralische Werte und die Hoffnung auf Erneuerung zu vermitteln.

5.negative Konnotationen: Die zahreiche Verwendung von negativ konnotierten Wörtern, wie bespielsweise ,, zürne"  Vers 5, sowie ,,faul und übel" Vers 2, haben eine bedrückende und selbstklagende Wirkung auf den Leser. Dies verdeutlicht die Reue des Lyrischen Ichs im Bezug auf seinen Lebensstil und die negativen Erinnerungen die es damit assoziiert. Außerdem ist anzumerken, dass sich das lyrische Ich selbstreflextiert äußert, was durch die negativen Konnotationen besonders hervorgehoben wird.

Paul Fleming (Frontispiz zu Teütsche Poemata, 1642)

Entstehungshintergrund:

Paul Fleming (1609 - 1640), bekannt für seine vielen Lebenserfahrungen und Reisen, verband in seinem Gedicht "An Deutschland" persönliche Erlebnisse mit tiefgreifenden Themen und schuf so eine kraftvolle Dichtung. Seine Expedition nach Persien und die Vielfalt der Eindrücke von fremden Kulturen könnten seine Fähigkeit zur Verwendung metaphorischer Bilder in Gedichten beeinflusst haben. Diese Erfahrungen spiegelten sich möglicherweise in seiner tiefen Verbundenheit mit Deutschland wider, die er in seinem Werk zum Ausdruck brachte.

Als Arzt und Diplomat zeigte Fleming eine Vielseitigkeit und Selbstreflexion, die sich auch im Gedicht manifestieren könnte. Die inneren Konflikte und moralischen Dilemmata, die er thematisierte, spiegelten möglicherweise seine eigene Reflektiertheit wider. Sein früher Tod auf dem Rückweg von einer Reise könnte als tragisches Ende eines ereignisreichen Lebens gesehen werden, was die Hoffnung auf Erneuerung in seinem Gedicht verstärkt.

In "An Deutschland" nutzte Fleming verschiedene sprachliche Mittel, um Themen wie Reue, Selbstreflexion und Tugend zu verstärken. Metaphern und bildhafte Sprache verliehen dem Gedicht eine emotionale Tiefe, während die Personifikation von Deutschland die Bindung zwischen dem lyrischen Ich und dem Heimatland verdeutlichte. Der Kontrast zwischen Reue und Tugend zeigte die innere Zerrissenheit des Ichs, unterstützt durch Alliteration und Assonanz, die den Klang und die Melodie des Gedichts verstärkten.

Durch die geschickte Verwendung dieser sprachlichen Mittel gelang es Fleming, eine eindringliche Botschaft über menschliche Schwächen, moralische Werte und die Hoffnung auf Erneuerung zu vermitteln. Die Verbindung zwischen seinen Lebenserfahrungen und seinem literarischen Schaffen zeigt, wie persönliche Erlebnisse und äußere Einflüsse in der Dichtung eines Autors miteinander verschmelzen können, um eine kohärente und tiefgründige Interpretation zu schaffen.

Entstehungshintergrund Barock und Dreißigjähriger Krieg
PPN663958342 Bildnis von Paul Flemming
Paul Fleming (Frontispiz zu Teütsche Poemata, 1642)

Paul Fleming war einer der bedeutendsten Dichter während des Dreißigjähigen Krieges (1618 bis 1648) und prägte diese Zeit mit seinen Werken.

Das Gedicht zeigt typische Merkmale aus dem Barock, typisch ist die metaphorische Sprache und Bildsprache (schwaches Boot). Es lässt sich ebenfalls sagen, dass der Dreißigjährige Krieg Einfluss auf ihn hatte und seine persönlichen Erfahrungen und Denkweise davon beeinflusst wurden.

Zudem ist es es erwähnenswert, dass das analysierte Gedicht aus der Epoche Barock stammt.Einige Merkmale lassen sich im Gedicht wiederspiegeln. Beispielsweise ist es ein Merkmal des Barocks, dass in den Gedichten zahlreiche rhetorische Stilmittel wie Symbole, Vergleiche und Personifikation verwendet wurden. Diese hat auch Flemming in sein Gedicht oftmals benutz ,wie beispielsweise die Personifikation Deutschlandes oder die metaphorische Darstellung des Lyrischen Ichs ,als ,,schwaches Both'' welches hinter großen Schiffe hinterhergezogen wurde. Ein weiteres Merkmal in der Lyrik des Barocks ist die  Erwähnung der Tugend. Laut dem lyrsichen Ich ist der tugenhafte Mensch überall zu Hause.(V. 14).

Der Barock ist geprägt von zentralen Leitmotiven wie "Carpe Diem", "Vanitas" und "Memento Mori". Flemming nutzt das Motiv "Memento Mori" (gedenke dem Tag), indem er darüber klagt, wie er seine Jugendzeit verschwendet habe. Diese Motive verfolgen das selbe Ziel: sie erinnern den Menschen an die eigene Vergänglichkeit und rufen zur Selbstreflektion auf, wie es hier auch deutlich wird, indem Flemming seine Jugend reflektiert. Eine oft vorkommende lyrische Form des Barocks ist das Sonett. Die Quartetten zeigen dabei die Seite des Widerspruchs, hier Flemmings Reue, die folgenden Terzetten beschreiben die andere Seite, also Flemmings Selbstreflektion und Trost.

Zudem wurde die Epoche des Barocks geprägt durch den 30-jährigen Krieg und noch vielen weiteren Religions- und Machtkonflikten. Daraus kann man entnehmen, dass diese zahlreichen Kriege die Gründe sind, weshalb das lyrische Ich sich nutzlos und faul fühlt und Deutschland während dieser Krisen im ,,Stich ''gelassen und aus dem Grund auch seine Taten bereut.


Vorgängerversion:

Inhalt:

Das Gedicht "An Deutschland" von Paul Fleming aus der Barockzeit reflektiert die Themen Reue, Selbstreflexion und Tugend. In dem Gedicht drückt das lyrische Ich seine Reue und sein Bedauern gegenüber Deutschland aus, gesteht, seine Jugendzeit verschwendet zu haben und nicht so gehandelt zu haben, wie es versprochen hatte. Es erkennt an, dass sein Übermut und seine Unbesonnenheit es von Deutschland entfernt haben und dass es nun die Konsequenzen tragen muss, ohne die Vergangenheit ändern zu können.

Das lyrische Ich beschreibt sich als schwaches Boot, das an das große Schiff (die Welt) angehängt ist und dem Schicksal folgen muss, wohin es auch führen mag. Es akzeptiert, dass es keine andere Wahl hat, als den Konsequenzen seines Handelns zu begegnen.

Obwohl das lyrische Ich seine Fehler bereut und sich Deutschland gegenüber reuig zeigt, betont es, dass es nicht nur an sich selbst denkt, sondern auch an die Tugend und das Streben danach. Es erkennt an, dass Tugend überall vorhanden ist und dass es wichtig ist, danach zu streben, unabhängig von den eigenen Fehlern und dem Bedauern über vergangene Handlungen.

Die letzten Verse reflektieren somit die Idee, dass wahre Tugend und moralisches Handeln nicht durch egoistische Motive getrübt werden sollten, sondern dass sie universell und unabhängig von persönlichen Interessen angestrebt werden sollten.

Insgesamt vermittelt das Gedicht "An Deutschland" von Paul Fleming eine Mischung aus Reue, Selbstreflexion und dem Streben nach Tugend, wobei das lyrische Ich sich seiner Fehler bewusst ist, aber auch den Wert der Tugend und des moralischen Handelns anerkennt.


Wiederholungen reduzieren: Reue, Selbstreflexion!


Form:

  • Metrum: Das Metrum des Gedichts ist überwiegend jambisch, da die meisten Verse aus einer unbetonten und einer betonten Silbe bestehen (z.B. "Ja Mutter es ist war"). Es gibt jedoch auch einige Variationen im Metrum, wie z.B. der erste Vers, der trochäisch ist.
  • Reim: Das Reimschema des Gedichts ist abwechslungsreich. Es gibt Paarreime (z.B. "angewendet" und "verpfändet"), Kreuzreime (z.B. "leid" und "verblendet") und umarmende Reime (z.B. "reut" und "bringt"). Diese Vielfalt an Reimen verleiht dem Gedicht eine interessante Struktur.
  • Kadenzen: Die Kadenzen in diesem Gedicht sind überwiegend männlich, da die letzten Silben der Reime betont sind (z.B. "angewendet" und "verpfändet"). Dies verleiht dem Gedicht eine kraftvolle und energische Klangqualität, die gut zu den emotionalen Inhalten des Gedichts passt.

Wertungen durch Wirkungen ersetzen! …

Diese Analyse zeigt, wie das Metrum, der Reim und die Kadenzen in Paul Flemings Gedicht "An Deutschland" dazu beitragen, den Rhythmus, die Struktur und den Klang des Gedichts zu formen und zu verstärken.

Die strukturellen Elemente des Gedichts, wie das Metrum, der Reim und die Kadenzen, tragen dazu bei, die inhaltliche Deutung des Gedichts "An Deutschland" von Paul Fleming zu verstärken. Das jambische Metrum verleiht dem Gedicht einen fließenden und rhythmischen Ton, der die Reue und das Bedauern des lyrischen Ichs betont. Die abwechslungsreichen Reimschemata spiegeln die Vielschichtigkeit der Themen wider, während die männlichen Kadenzen eine kraftvolle und entschiedene Stimmung erzeugen, die die Selbstreflexion und das Streben nach Tugend unterstreichen.

Die Struktur des Gedichts, die durch Metrum, Reim und Kadenzen geformt wird, harmoniert somit mit den inhaltlichen Aspekten des Bedauerns, der Reue und des Tugendstrebens. Durch die Verbindung von Form und Inhalt gelingt es dem Gedicht, eine tiefgreifende Botschaft über die menschliche Natur, die Fehler und die Hoffnung auf moralische Erneuerung zu vermitteln.

Vorausdeutung auf Rousseau einfügen!


Das vorliegende Gedicht ist ein Sonett. Das Sonett (von lat. sonore: ,, tönen") ist ein 14-zeiliges Gedicht, bestehend aus zwei Vierzeilern (Quartetten) und zwei Dreizeilern (Terzetten). Das klassische Reimschema, das aber häufig variiert wird, lautet: abba abba cdc dcd. Charakteristisch ist außerdem derAlexandriner, ein sechshebiger jambischer Vers mit einer Zäsur (einem Einschnitt) nach der dritten Hebung.

Meist stellen die Quartette in These und Antithese das Thema des Gedichtes vor, die Terzette führen das ange­ sprochene Thema dann zueinem Ergebnis bzw. zu einer endgültigen Aussage (Synthese).

Sprache:

In dem Gedicht "An Deutschland" von Paul Fleming werden verschiedene sprachliche Mittel verwendet, um die Themen Reue, Selbstreflexion und Tugend zu verstärken und zu vermitteln.

  1. Metaphern und bildhafte Sprache: Das lyrische Ich beschreibt sich selbst als ein schwaches Boot, das an das große Schiff (die Welt) angehängt ist. Diese Metapher verdeutlicht die Hilflosigkeit und das Gefühl der Ohnmacht, das das lyrische Ich empfindet, da es den Konsequenzen seines Handelns ausgeliefert ist. Die bildhafte Sprache verstärkt die emotionale Tiefe des Gedichts und macht die Abstraktion der Themen greifbar.
  2. Personifikation: Die Personifikation von Deutschland als Empfänger der Reue und des Bedauerns des lyrischen Ichs verleiht dem Land menschliche Eigenschaften und macht die emotionale Bindung zwischen dem Ich und seinem Heimatland deutlich. Deutschland wird als lebendiges Wesen dargestellt, das die Konsequenzen des Handelns des Ichs spürt.
  3. Kontrastive Sprache: Durch den Kontrast zwischen der Reue des lyrischen Ichs und dem Streben nach Tugend wird die innere Zerrissenheit und der moralische Konflikt des Ichs verdeutlicht. Der Einsatz von gegensätzlichen Begriffen und Gedanken verdeutlicht die Ambivalenz und die Komplexität der Themen, die im Gedicht behandelt werden.
  4. Alliteration und Assonanz: Die Verwendung von wiederkehrenden Anfangslauten (Alliteration) und Vokallauten (Assonanz) verstärkt den Klang und die Melodie des Gedichts (Welchen? Welche?). Dies trägt dazu bei, die emotionale Intensität und die Bedeutung der Worte zu betonen, indem sie hervorgehoben und verstärkt werden.
  5. negative Konnotationen: …

Durch die geschickte Verwendung dieser sprachlichen Mittel gelingt es Paul Fleming, die Themen Reue, Selbstreflexion und Tugend auf eine eindringliche und kraftvolle Weise zu vermitteln. Die Sprache des Gedichts unterstützt und verstärkt die inhaltliche Deutung und trägt dazu bei, eine tiefgreifende Botschaft über menschliche Schwächen, moralische Werte und die Hoffnung auf Erneuerung zu vermitteln.

PPN663958342 Bildnis von Paul Flemming
Paul Fleming (Frontispiz zu Teütsche Poemata, 1642)

Entstehungshintergrund:


Paul Fleming (1609 - 1640), bekannt für seine ungewöhnlichen Lebenserfahrungen und Reisen, verband in seinem Gedicht "An Deutschland" persönliche Erlebnisse mit tiefgreifenden Themen und schuf so eine kraftvolle Dichtung. Seine Expedition nach Persien und die Vielfalt der Eindrücke von fremden Kulturen könnten seine Fähigkeit zur Verwendung metaphorischer Bilder in Gedichten beeinflusst haben. Diese Erfahrungen spiegelten sich möglicherweise in seiner tiefen Verbundenheit mit Deutschland wider, die er in seinem Werk zum Ausdruck brachte.

Als Arzt und Diplomat zeigte Fleming eine Vielseitigkeit und Selbstreflexion, die sich auch im Gedicht manifestieren könnte. Die inneren Konflikte und moralischen Dilemmata, die er thematisierte, spiegelten möglicherweise seine eigene Reflektiertheit wider. Sein früher Tod auf dem Rückweg von einer Reise könnte als tragisches Ende eines ereignisreichen Lebens gesehen werden, was die Hoffnung auf Erneuerung in seinem Gedicht verstärkt.

In "An Deutschland" nutzte Fleming verschiedene sprachliche Mittel, um Themen wie Reue, Selbstreflexion und Tugend zu verstärken. Metaphern und bildhafte Sprache verliehen dem Gedicht eine emotionale Tiefe, während die Personifikation von Deutschland die Bindung zwischen dem lyrischen Ich und dem Heimatland verdeutlichte. Der Kontrast zwischen Reue und Tugend zeigte die innere Zerrissenheit des Ichs, unterstützt durch Alliteration und Assonanz, die den Klang und die Melodie des Gedichts verstärkten.

Durch die geschickte Verwendung dieser sprachlichen Mittel gelang es Fleming, eine eindringliche Botschaft über menschliche Schwächen, moralische Werte und die Hoffnung auf Erneuerung zu vermitteln. Die Verbindung zwischen seinen Lebenserfahrungen und seinem literarischen Schaffen zeigt, wie persönliche Erlebnisse und äußere Einflüsse in der Dichtung eines Autors miteinander verschmelzen können, um eine kohärente und tiefgründige Interpretation zu schaffen.

Epochenbezug: Barock; Dreißigjähriger Krieg: …


Sibylla Schwarz: Auff die, so durch Reisen wollen berühmet werden (ca. 1650)

Wer weit verreisen wir / der reise weit und breit

die Heilge Schrift hierdurch / das hilfft zur Seeigkeit;

wer weit verraisen wil / der schaw die Bücher an /

darin er recht wohl die Welt beschawen kan;

der hat ein freyen Pas / der geht Auff Gottes Wegen /

an andrer Raisenart ist gar nicht viel gelegen.

Quelle: www.zgedichte.de/gedichte/sibylla-schwarz/auff-die-so-durch-reisen-wollen-beruehmet-werden.html.

Sibylla Schwarz (Frontispiz-Detail: Deutsche Poëtische Gedichte, 1650)








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Aufgabe 3
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  1. 1,0 1,1 Bertolt Brecht: Über Lyrik. Frankfurt/M. 1977, S. 123
  2. Paul Fleming: An Deutschland. In: http://gutenberg.spiegel.de/buch/gedichte-9601+/66+(22.06.2018);+Bild:+bpk