Nelly-Sachs-Gymnasium Neuss/Medientheorien - Medienkritik/Medientheorien - neurowisssenschaftlich betrachtet

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Thomas Metzinger: Verändert das Internet unser Denken? (neurowissenschaftlich)

1.Formuliere mit eigenen Worten, welche Position der Verfasser in Bezug auf den gesellschaftlichen Einfluss der Medien nimmt.

Thomas Metzinger beschreibt in dem Artikel "Verändert das Internet unser Denken?" das Internet als eine Art Hilfsmittel in Bereichen wie der Kommunikation, der Informationsbeschaffung (Quelle des Lernens) und der Inspiration (vgl. Z.2f). Das Internet fungiert laut Metzinger dabei als eine kognitive Unterstützung, Steuerung der Emotionen (Emotionale Selbstregulierung) und als externes Gedächtnis (vgl. Z.11f).

Eine der zentralen Thesen Metzingers ist, dass das Internet durch seine vermehrte Nutzung ein Teil unserer Persönlichkeit, ein Teil von uns selbst geworden ist (vgl. Z.10). Die vermehrte Nutzung wirkt sich unteranderem negativ auf unsere Konzentration aus, so Thomas Metzinger (vgl. Z.58 f).

Die Aufmerksamkeitsspanne, eine kostbare und endliche Ressource, ist allerdings laut ihm erforderlich, um ein gutes Leben führen zu können. Das Internet raube den Menschen durch optimierte Methoden einen Teil dieser kostbaren Ressource (unsere Aufmerksamkeit) und in Folge dessen können die Menschen, so Metzinger, die Fähigkeit verlieren, als sogenannter Akteur ihrer Aufmerksamkeit, diese zu steuern (vgl. Z.42ff).

Dies kann wiederum möglicherweise zu einem Verlust des Selbstwertgefühls führen (vgl. Z.73 f). Vergleichbar ist dieser Kontrollverlust mit dem Verhalten während der Trunkenheit oder mit dem Verhalten eines Kleinkindes, welches unkontrolliert seine Augen durch die Weltgeschichte schweifen lässt (vgl. Z.70f).

Thomas Metzinger spricht dabei von einer neuen Art des Wachbewusstseins, dem öffentlichen Träumen, welchen die Menschen Tag täglich ausgesetzt sind (vgl. Z.79f).


2.Nimm Stellung zu der Aktualität des Textes unter Einbeziehung der Ergebnisse unserer Umfrage. Verwende Beispiele aus deinem Alltag.

Die Theorie von Thomas Metzinger ist in der heutigen Zeit wohl aktueller denn je. Auch in Schulen in Deutschland ist die Digitalisierung eines der zentralen Themen. In vielen Schulen wurden bereits viele Bücher durch digitale Medien ersetzt. Gingen die Schüler früher noch in die Bibliothek, um für Klausuren zu lernen oder Präsentationen zu gestalten, hat heutzutage fast jeder Schüler (zumindest in Deutschland) seine eigene Bibliothek in Form des Internets zu Hause.

Somit ist das Internet eines der zentralen Medien zur Informationsbeschaffung dieser Zeit und ist eine kognitive Unterstützung für viele Schüler, indem sie jeder Zeit durch das Internet auf zentrale Informationen zu einem Thema zurückgreifen können, die sie womöglich vergessen haben. Auch die Umfrage in unserem Deutsch LK zeigte, dass viele Schülerinnen und Schüler das Internet als primäres Mittel zur Beschaffung von Informationen nutzen.

Ein negativer Effekt der zunehmenden Nutzung des Internets ist zum Beispiel das Thema Bodyshaming, welches gerade durch soziale Netzwerke wie Instagram angekurbelt wurde (auch soziale Netzwerke wie Instagram werden, wie die Umfrage zeigt, häufig zur Beschaffung von Informationen genutzt). Dadurch, dass viele junge Menschen Tag täglich viele Bilder von trainierten und dünnen jungen Menschen angezeigt bekommen, wird ihre Aufmerksamkeit unbewusst vermehrt auf ihren Körper und ihre Ernährung gelenkt und es entstehen so möglicherweise Selbstzweifel und die Angst, dem Ideal nicht entsprechen zu können.

Einige gerade junge Menschen definieren sich auch häufig über ihr Auftreten in den sozialen Netzwerken, so ist die Anzahl der Abonnenten und Likes im Laufe der Zeit zu einem Indikator für den sozialen Rang geworden. Sie repräsentieren ihre Persönlichkeit im Internet mittels Beiträgen in Form von Fotos etc., sodass das Internet still und heimlich zu einem Teil ihrer Selbstdarstellung und somit für die Außenwelt und in gewisser Hinsicht auch für sie zu einem Teil ihrer Persönlichkeit geworden ist.

Häufig wird auch das Phänomen beobachtet, dass sich Jugendliche während sie sich auf den sozialen Netzwerken befinden, in eine digitale Welt voller Perfektion und Wunschvorstellungen abtauchen. Auch hier ist ein Bezug zu Metzingers Theorie herzustellen, da dieser von dem Phänomen des sogenannten "öffentlichen Träumens" spricht.

Alles in allem nimmt das Internet durch die zunehmende Verwendung immer mehr Einfluss auf unser alltägliches Leben.


Selbstregulation: beschreibt die Fähigkeit eines Menschen seine Aufmerksamkeit, Emotionen, Impulse und Handlungen zu steuern


Quelle: Thomas Metzinger: "Öffentliches Träumen" (Ausschnitt 2011). In: deutsch.kompetent Qualifikationsphase, Ausgabe Nordrhein-Westfalen (Klett-Verlag), S. 370.