Bericht: Digitale Pioniere

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Digitale Pioniere: Förderung digitalisierungs- und fachbezogener Kompetenzen im InDiKo-Projekt

Die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass das Thema „Digitalisierung“ nicht nur im schulischen Kontext Aufholbedarf hat, sondern auch angemessen im Lehramtsstudium adressiert werden muss, um die Schüler:innen hinreichend auf ein Leben in der Mediengesellschaft vorzubereiten. Dadurch entsteht die Notwendigkeit einer medienpädagogischen Professionalisierung von (angehenden) Lehrpersonen (vgl. Schiefner-Rohs & Krein 2023).

An dieser Erkenntnis knüpfte das InDiKo-Projekt zur nachhaltigen Integration von fachdidaktischen digitalen Lehr-Lern-Konzepten an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe an. Dieser Blogbeitrag verschafft einen Überblick über die Inhalte und Ziele des Projekts und fokussiert im weiteren Verlauf insbesondere das Teilprojekt Deutsch. Abschließend werden die Ergebnisse des (Teil-)Projekts diskutiert und ein Fazit gezogen.


Die Notwendigkeit digitalisierungsbezogener Kompetenz in der Lehramtsausbildung

Um die Bedeutung und Relevanz des InDiKo-Projekts zu erfassen, ist es essenziell, einen Blick in die aktuelle Bildungslandschaft zu werfen. Laut Schiefner-Rohs und Krein (2023) sind „Prozesse der Digitalisierung [...] konstitutiv mit der aktuellen Gesellschaft verbunden und führen dazu, dass „Digitalität“ [...] Bedingungen des Aufwachsens, Lehrens und Lernens beeinflusst“, wodurch der Schule als Ort formaler Bildungsprozesse sowie den Lehrpersonen eine wesentliche Rolle im Erwerb der (digitalen) Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zukommt. Die Integration digitaler Medien ist heutzutage nicht mehr aus den Klassenzimmern wegzudenken. Im Zuge dessen wird auch die Notwendigkeit der Ausbildung von digitalisierungsbezogenen Kompetenzen im Lehramtsstudium ersichtlich. Auch seitens der Bildungspolitik und (Bildungs-)Wissenschaft gibt es Forderungen nach einer weitreichenden Verankerung medienpädagogischer Themen in der Lehramtsausbildung. Grund dafür ist, dass (zukünftige) Lehrer:innen nicht nur die neusten Apps und Plattformen kennen, sondern auch lernen sollten, diese pädagogisch sinnvoll in den (Fach-)Unterricht zu integrieren. Eine offene Haltung gegenüber digitalen Medien und Technologie sowie Reflexion und Flexibilität sind hierbei der Schlüssel zum Erfolg. Analysen studentischer Gruppendiskussionen zeigen, dass digitale Medien von Lehramtsstudierenden kaum als Inhalte des Studiums wahrgenommen, sondern sie primär für die folgenden drei Aspekte genutzt werden: (1) Praktiken des (kollaborativen) Arbeitens, (2) Praktiken der Organisation des (Studien-) Alltags, aber auch (3) didaktisch induzierten Praktiken. Diese Ergebnisse heben hervor, dass medienpädagogische Perspektiven bereits in der ersten Phase der Lehramtsausbildung implementiert und adressiert werden müssen, um zukünftige Lehrer:innen adäquat auf das Schulleben vorzubereiten (vgl. Schiefner-Rohs & Krein 2023). Diese Punkte griff das InDiKo Projekt auf und bot Lehramtsstudierenden die Möglichkeit, ihre digitalisierungsbezogenen Kompetenzen gezielt zu erweitern und somit einen zielführenden Einsatz von Medien im (späteren) Unterricht zu fördern.


InDiKo: Inhalte und Ziele des Projekts

InDiKo steht für nachhaltige Integration von fachdidaktischen digitalen Lehr-Lern-Konzepten und stellt die Weichen für eine zeitgemäße Lehrer:innenausbildung. Dabei handelte es sich um ein dreeinhalbjähriges BMBF Projekt, mit dem Ziel, die digitalisierungsbezogenen Kompetenzen der Lehramtsstudierenden der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe weiter zu stärkt. Das Projekt kam im Dezember 2023 zum Ende und wurde im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung von Bund und Länder gefördert. Dabei wurde das bereits zuvor verpflichtende Studienmodul Medienbildung und Digitale Bildung (Entwicklungsfeld 1) der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe im Laufe des Projekts mit sieben weiteren fachspezifischen Teilprojekten (Entwicklungsfeld 2) weiterentwickelt, erprobt und evaluiert sowie das Innovation Space (Entwicklungsfeld 3) ausgebaut. Um die digitalen Kompetenzen nachhaltig zu fördern, ist es laut der Website der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (2023) essenziell, dass „[...] neben einem medienbezogenen Grundlagenmodul für alle Studierenden auch auf Fachebene digitalisierungsbezogene Kompetenzen in der Lehre adressiert und durch die fächerübergreifende Entwicklung von didaktischen Entwurfsmustern sowie einer Austauschplattform – dem Innovation Space – flankiert [werden].“ Die folgende Abbildung stellt den Projektaufbau zusammenfassend dar:

Abbildung 2: Pädagogische Hochschule Karlsruhe: Organigramm der Projektebene InDiKo (eigene Darstellung; in Anlehnung an https://www.ph-karlsruhe.de/projekte/indiko, abgerufen am 12.01.2024 )

Ziel des Projekts war, durch das Integrieren von digitalen Lehr-Lern-Konzepten in diversen Lehrveranstaltungen die digitalisierungsbezogenen Kompetenzen der Studierenden auszubilden und zu vertiefen sowie überfachliche und fachspezifische Kompetenzen in diesem Rahmen aufzubauen und kontinuierlich zu fördern. Die dabei entwickelten Konzepte wurden im Innovation Space als OER zur Verfügung gestellt. Studierende, Lehrende und Forschende haben dort außerdem die Möglichkeit, in einen Austausch zu treten.


Das Teilprojekt 2: Quests im Deutschunterricht

Dieses Teilprojekt untersuchte, wie das Entwickeln von WebQuests für den Deutschunterricht die digitalisierungs- und fachbezogenen Kompetenzen von (angehenden) Lehrerpersonen fördert: "Ziel [...] ist es, Lernarrangements zu entwickeln, die es (angehenden) Lehrkräften ermöglichen, digitale und fachbezogene Kompetenzen (TPCK) durch die Auseinandersetzung mit dem (Web)Quest-Konzept zu erwerben." (Ergebnisbericht 2022).

Im Rahmen dessen wurden vom Sommersemester 2020 bis zum Wintersemester 2023/24 bisher fünf Veranstaltungen zu dem Thema WebQuests im Deutschunterricht angeboten. Dieses Angebot wird auch nach der Projektlaufzeit fortgeführt. Es richtet sich an Studierende des Masterstudiums im Lehramt Sekundarstufe I.

Diese Seminarangebote wurden im Design Based Research-Verfahren auf der Basis von Fachliteratur und einer datenbasierten Kompetenzmodellierung (vgl. Frenzke-Shim 2022) konzipiert und stetig evaluiert und weiterentwickelt. Die in den Seminaren entstandenen WebQuests wurden auf der Plattform ZUM-Projektwiki gesammelt. Die Studierenden gestalteten WebQuests zu Themen wie „Identität und Kultur“, „Goethe“, Influencer-Marketing“ oder auch „Letzte Generation – Wie weit darf Protest gehen?“. Auf der Plattform finden sich auch digitale Lernpfade, die zur Vorbereitung einiger WebQuests eingesetzt werden können, indem zum Beispiel spezifisch benötigte Schreibkompetenzen oder Inhalte schrittweise erarbeitet werden.

Um die Ergebnisse aus den Lehrveranstaltungen zu evaluieren, wurde ein entsprechendes Diagnose-Instrument erstellt und erprobt. Darüber hinaus wurden alle im Projekt akkumulierten WebQuests durch ein „internes Bewertungsraster auf die fachbezogenen Bildungsstandards hin analysiert“ (Ergebnisbericht 2022) und entsprechend überarbeitet. Die Ergebnisse der Evaluierungen finden sich zum Teil in den Lehrerhandreichungen wieder, die den WebQuests beigefügt sind. Erste Ergebnisse und Erkenntnisse des Teilprojekts stellen Anne Frenzke-Shim und Tamara Schilling (2022) im Sammelband WebQuest. Ein Handbuch für Schule und Hochschule zusammenfassend dar.


Digitale Pioniere: ein Blick in die Zukunft

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wie wirkt sich InDiKo langfristig auf die digitalisierungsbezogenen Kompetenzen und somit auf die Qualität der Lehre aus? Diese Frage ist klar zu beantworten: Die Digitalisierungskompetenzen und alles, was damit einherging, stellen nachhaltige Ressourcen für all diejenigen dar, die am InDiKo teilgenommen haben und macht sie zu digitalen Pionieren. Das wirkt sich positiv auf die Qualität der Lehramtsausbildung aus und ermöglicht einen zeitgemäßen Zugang zu Inhalten des Lehramtsstudiums.

Nach Beendigung des Projekts stellt sich jedoch die Frage: Wie geht es weiter? Sicher ist, dass die im Projekt gesammelten Daten dazu beitragen, dass die Lehrinhalte moderner gestaltet werden und sich dem Geist der Zeit anpassen. Lehrer:innen stellen den Dreh- und Angelpunkt für die Ausbildung von digitalisierungsbezogenen Kompetenzen der nächsten Generationen dar und können diese nur zu mündigen digital citizens erziehen, wenn sie selbst über das nötige Wissen verfügen und dieses pädagogisch und didaktisch sinnvoll in den Unterricht integrieren.


Fazit: InDiKo – ein erfolgreiches Projekt

Von der Stärkung der digitalen Fähigkeiten bis hin zur Förderung innovativer Lehrmethoden – das InDiKo Projekt setzt auf ganzheitliche Ansätze, um angehende Lehrer:innen optimal auf die Anforderungen der modernen Schullandschaft vorzubereiten und ist damit ein durch und durch erfolgreiches Projekt. Es markiert einen Meilenstein in der Lehrer:innenausbildung und stellt deutlich die Notwendigkeit dar, die digitalisierungsbezogenen Kompetenzen angehender Lehrkräfte adäquat und gezielt zu fördern. Durch die im Lehramtsstudium oftmals fehlende Mischung aus Theorie und Praxis ebnete das InDiKo Projekt den Weg für eine innovative und zeitgemäße Lehre im Lehramtsstudium. Es bleibt abzuwarten, welche positiven Veränderungen die Auswirkungen und Entwicklungen des Projekts mit sich bringen.

verfasst von Nicole Reinelt (2024)


Literaturverzeichnis

Frenzke-Shim, Anne: Digitalisierungsbezogene Kompetenzen von Lehrkräften: Professionalisierung am Beispiel von WebQuests. In A. Frenzke-Shim & T. Schilling (Hrsg.), WebQuests: Ein Handbuch für Schule und Hochschule (S. 54–67). Schneider.

Frenzke-Shim, Anne & Schilling, Tamara (Hrsg.): WebQuests: Ein Handbuch für Schule und Hochschule (2023). Schneider.

Indiko: Ergebnisbericht 2020.

Indiko: Ergebnisbericht 2021.

Indiko: Ergebnisbericht 2022.

Pädagogische Hochschule Karlsruhe: InDiKo, 20.06.2023, https://www.ph-karlsruhe.de/projekte/indiko, zuletzt abgerufen am 12.01.2024.

Schiefner-Rohs Mandy; Krein, Ulrike (2023): Medienbezogene Praktiken von Lehramtsstudierenden. Erkenntnisse aus Sicht von Studierenden. In: Unterrichtswiss (51), S. 623–642. Online verfügbar unter https://link.springer.com/article/10.1007/s42010-023-00187-w, zuletzt geprüft am 12.01.2024.