Generationenkonflikt und Klimakrise/Social Media I: Raus aus der Filterblase

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Hausarbeit: Social Media I: "Raus aus der Filterblase"

Abstract

Die weltweite Nutzung von Social Media ist in den letzten Jahren enorm angestiegen und neben vielen Vorteilen zur Vernetzung von Usern und dem Austausch durch Gleichgesinnte, haben die sozialen Netzwerke auch einige Probleme mit sich gebracht. Digitale soziale Medien dienen der Unterhaltung und der Kommunikation untereinander. Social Media Nutzern wird eine Menge an Inhalten, Fotos, Videos, Nachrichten und Werbung angezeigt. User können selbst bestimmen, wem sie folgen und welche Inhalte sie interessant finden und welche dementsprechend in deren Feed angezeigt werden. Aufgrund der Vielzahl der verbreiteten Informationen wird es für Nutzer der sozialen Netzwerke immer schwieriger, alle Inhalte zu verarbeiten, weshalb sie zunehmend eine Vorauswahl treffen. Diese selektive Auswahl an Content wird auch „Selective Exposure“ genannt (Knobloch-Westerwick 2015). [1]Dabei geht es um die Relevanz der Inhalte für die Mediennutzer und um das Vermeiden von kognitiven Dissonanzen (Meinungsverschiedenheiten). Anhand dieser selektiven Auswahl werden dem User Informationen und Beiträge suggeriert, die in sein Weltbild passen und die dementsprechend seine Meinungen und Ansichten widerspiegeln. Diese Vorschläge werden anhand technischer Algorithmen generiert, die das Nutzerverhalten analysieren und vorhersagen (Pariser, 2011).[2] Dieses Verfahren wird dann als sog. Filterblasen bezeichnet (Echokammern). Die Auswirkungen von Filterblasen zeigen sich bereits in der Politik. Sobald sich Nutzer dauerhaft in einer bestimmten Blase befinden und daher nur noch eingeschränkt mit anderen Meinungen in Kontakt kommen, werden sie in ihrer bereits bestehenden Meinung durch die Echokammer eher verstärkt. Somit kann es sogar zu Radikalisierungen kommen.

Ziel der Untersuchung ist es deshalb herauszufinden, inwiefern das Weltbild von Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch Social Media verzerrt ist und ob es tatsächlich zu Filterblasen in den sozialen Netzwerken, insbesondere auf der Plattform Instagram kommt. Dazu werden in der vorliegenden Arbeit zwei Probandengruppen voneinander unterschieden. Zum Einen wurden Aktivisten von Fridays for Future befragt und zum Vergleich wurden Personen herangezogen, welche sich nicht bei der Bewegung Fridays for Future engagieren.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Filterblase tatsächlich existiert. Ein Aspekt der Untersuchung ist der Unterschied zwischen den Interessen der Probanden und der entsprechenden Anzeigen im Feed. Hier zeigt sich, dass die Interessen der Teilnehmer von Fridays for Future eher im Bereich Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Politik liegen. Im Gegensatz dazu werden den Probanden der Kontrollgruppe passend zu deren Interessen eher Beiträge zu Musik, Reisen oder Humor angezeigt. Auch eine der zentralen Thesen der Forschungsarbeit „Viele Menschen denen ich folge, posten regelmäßig etwas über den Klimawandel“ verdeutlicht die Existenz einer Filterblase, denn dieser Aussage wird von den Probanden von FFF größtenteils zugestimmt, hingegen von der Kontrollgruppe eher abgelehnt. Anhand dieser Studie möchten wir einerseits auf die Folgen der Filterblase aufmerksam machen, andererseits aber auch Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der Filterblase thematisieren.

1. Einleitung

1.1 Definition und Auswirkungen der "Filterblase"

Die sog. Filterblase oder auch Informationsblase ist ein Begriff der durch den Internetaktivisten Eli Pariser geprägt wurde.

Nach seiner Definition basiert die Blase auf Algorithmen anhand welcher Webseiten versuchen, vorherzusagen, welche Inhalte für unterschiedliche User interessant sein könnten. [2]Diese Algorithmen sind auf das jeweilige Nutzerverhalten zurückzuführen. Das heißt die Suchhistorie, das Klickverhalten und der Standort eines Users veranlassen Webseiten dazu, bestimmte Inhalte für ihn relevant einzuschätzen und an ihn anzupassen. Andere Inhalte werden kategorisch ausgeklammert.

Was auf den ersten Blick den Vorteil hat, nicht mit irrelevanten Posts und Artikeln bombadiert zu werden, resultiert für den User jedoch gleichzeitig in einer Isolation gegenüber Informationen, die für ihn als relevant eingeschätzt werden. Die Folge: das selektive Ausspielen von Inhalten führt automatisch dazu, dass ein bestimmter Standpunkt, eine politische Einstellung etc. des Users bestätigt wird. Inhalte, die diesen kritisch gegenüberstehen, werden dem User nur bedingt angezeigt. Der User fühlt sich in seinem Weltbild bestätigt.[3]

1.2 Fragestellung und Hypothese

Aufgrund der vorherigen Recherche in Bezug auf die Filterblase und deren Auswirkungen, stellt sich die Vermutung auf, dass vor allem Jugendliche häufig ein verzerrtes Weltbild in den sozialen Medien entwickeln. Jugendliche können die Inhalte oftmals noch nicht mit einem kritischen Denken betrachten und wenn sie sich in einer Echokammer befinden, in denen sie nur die Inhalte entsprechend ihrer eigenen Vorstellung angezeigt bekommen, entwickeln sie somit vermutlich ihre Realität von der Welt. Wenn z.B. eine 15-Jährige Jugendliche einem 24-Jährigen Influencer auf Instagram folgt und dessen Inhalte sich häufig um Themen wie Reisen, Fashion und Lifestyle drehen und dem Jugendlichen dann vermehrt solche Influencer vorgeschlagen werden, dessen Inhalte dieselben Themengebiete aufgreifen, so tut sich das vermeintliche Bild von einer Lifestyle-Realität auf, welche nur aus Reisen und Fashion besteht. Eine Welt in der es keine Probleme gibt und in der man jeden Tag an einem sonnigen Strand voller Palmen liegt oder in einer Großstadt wie New York shoppen gehen kann. Dass auch Influencer deren Inhalte sich auf diese Themen beziehen Probleme haben, darüber wird oft nicht berichtet. Der Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram geht zwar inzwischen genau aufgrund dieser Thematik durchs Netz, dennoch befinden sich viele Menschen in dieser sog. Filterblase. Sie kann unter anderem zu negativen Selbstwertgefühlen und psychischen Problemen führen, wenn vor allem Jugendliche nur Reisen und Fashion angezeigt bekommen und sie das Gefühl entwickeln, ähnliches erleben oder machen zu wollen. Somit lautet die Fragestellung unserer Forschungsarbeit „Inwiefern ist das Weltbild der Jugendlichen durch die Filterblase in den Sozialen Medien verzerrt?“.

Um auf diese Forschungsfrage eine Antwort zu erhalten, wird in der Forschungsarbeit zwischen zwei verschiedenen Gruppen unterschieden, um zu prüfen, ob diese Personengruppen auf Instagram in einer Filterblase leben und ob sich dementsprechend ihr Blick auf die Welt unterscheidet. Wir möchten wissen, inwiefern sich die Ansicht zur Klimathematik bei Klimaaktivisten und anderen Jugendlichen unterscheidet. Lässt sich anhand dieser beiden Gruppen eine Filterblase erkennen und existiert somit eine „Lifestyle-Filterblase“ und eine „Klima-Filterblase“? Daran anknüpfend leiten wir folgende Hypothesen ab:

H1: „Zwischen den Gruppen Fridays for Future und denen, die nicht bei Fridays for Future sind, gibt es Unterschiede im Erleben und Verhalten.“

H2: „Alle, die sich für Lifestyle interessieren, werden keine Inhalte zum Thema Klima erhalten.“

H3: „Die meisten Jugendlichen kennen die Filterblase nicht.“

2. Theoretische Fundierung

Das Marktforschungsunternehmen Ipsos MORI aus Großbritannien hat bereits 2018 eine Studie mit dem Titel "Fake News, filter bubbles, post-truth and trust"[4] durchgeführt. Die Onlineumfrage fand zwischen dem 22.Juni.2018 und dem 6.Juli.2018 statt und die Altersspanne in den USA und Kanada betrug 18 - 64 Jahre, in allen anderen Ländern 16 - 64 Jahre.[4] In der Studie wurden insgesamt 13.000 Erwachsene aus 26 verschiedenen Ländern befragt. In jedem Land wurden zwischen 500 und 1000 Personen zu den verschiedenen Themen befragt. Sie wurden unter anderem befragt, ob sie denken, dass die Mehrheit der Menschen in einer Filterblase leben und dadurch nur in Kontakt mit Personen stehen, die ihnen ähneln und die gleiche Meinung vertreten. Die Frage sollte dann auch im Bezug auf sie selbst beantwortet werden. Außerdem werden die Testpersonen danach gefragt, ob sie selbst ihrer Meinung nach Fake News erkennen und ob die Mehrheit der Menschen aus den anderen Ländern ebenfalls falsche Nachrichten erkennen können. Es wird danach gefragt, ob sie schonmal eine Geschichte für wahr empfunden haben, die sich aber im Nachhinein als falsch herausgestellt hat. Zum Schluss wird nach den Assoziationen zu Fake News gefragt und nach Gründen, warum Menschen falsch über ihr Land informiert sind, zum Beispiel in Bezug auf den Anteil von Immigranten in der Bevölkerung. Dabei gibt es verschiedene Antwortmöglichkeiten unter denen die Testpersonen entscheiden sollen, ob diese Gründe zutreffen oder nicht.

Das Ergebnis der Umfrage zeigt, dass 65 % der Testpersonen der Meinung sind, die Mehrheit der Menschen leben in einer Filterblase und nur 34 % behaupten dies von sich selbst. In Deutschland sind es sogar nur 22 %, die sagen, dass sie sich selbst in einer Blase befinden und sich hauptsächlich mit Menschen austauschen, die die gleiche Meinung haben. Man kann insgesamt sagen, dass wir Menschen eher dazu neigen, über andere die Behauptung zu treffen, als über uns selbst. Die Testpersonen gehen also bei den meisten Aussagen davon aus, dass sie weniger angreifbar sind, als andere Menschen und besser im Umgang mit der Filterblase agieren. Wir urteilen viel schneller über andere, als über uns selbst. Der durchschnittliche Wert, der vergleicht, was die Testpersonen über anderen im Vergleich zu sich selbst gesagt haben, liegt bei 31 % und in Deutschland bei 33 %. In Schweden ist der Vergleich mit einem Wert von 45 % am höchsten.

48 % der Befragten gaben, an schonmal eine Geschichte geglaubt zu haben, die sich im Nachhinein als falsch herausgestellt hat, in Deutschland sind es 45 %. Der meistgewählte Grund dafür, dass wir über manche Dinge in unserem Land falsch informiert sind, ist mit 52 % ,dass Politiker uns in die Irre führen, direkt gefolgt von dem Grund, dass Medien uns in die Irre führen mit 49 %. 41 % der Befragten gaben an, dass Social Media uns täuscht. Wenn man diese Ergebnisse auf die Filterblase bezieht, dann kann man schlussfolgern, dass wir Menschen zwar von uns selber überzeugt sind, nicht in einer Blase zu leben und alle Fake News zu erkennen, jedoch lassen wir uns auch häufig durch Medien irreführen, manchmal sogar ohne das wir es merken.

Erkenntnisse von Sicherheitsbehörden verdeutlichen, dass Algorithmen der sozialen Medien zu selbstbestätigenden Radikalisierungen führen können. Auf eine solche Form der Kommunikation, die sich ausschließlich innerhalb der Filterblasen abspielt, haben Behörden nur einen eingeschränkten Zugriff. Zudem können sich in den sozialen Medien Menschen Gleichgesinnte suchen, die deren Werte widerspiegeln und die gleichen Überzeugungen, Themen und Interessen haben. Nutzer bewegen sich also dauerhaft in der bestimmten Blase und kommen daher nur noch wenig mit anderen Meinungen in Berührung, sondern werden eher in ihrer bereits bestehenden Meinung bestärkt.[5]

Im Bezug auf die Präsidentenwahl in den USA im Jahr 2016 war es durch diese Algorithmen möglich, Facebook gezielt zur Manipulation des Wahlverhaltens einzusetzen. [6]Somit wurde eine bestimmte Bürgergruppe per Facebook daran erinnert, dass sie ihre Stimme abgeben sollen. Unterdessen erhielt eine andere ausgewählte Gruppe die Nachricht, dass deren Freunde bereits an der Wahl teilgenommen haben. Somit stieg ein enormer sozialer Druck an, sodass die zweite Gruppe vermehrt an der Wahl teilgenommen hat. Was sich zunächst als positives Ergebnis zeigte, dass nun mehr Menschen an der Wahl teilgenommen haben, stellte sich allerdings im Nachhinein als falsch heraus, denn im Vorfeld wurden anhand Algorithmen genau die Personen herausgesucht, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit die eigene Partei wählen würden.

Zudem zeigt sich die Filterblase in Bezug auf die Europawahl 2019. Die Facebook-Aktivitäten der AfD standen in einem großen Ungleichgewicht zur Größe der Partei und deren Parteianhängern. [7]Seit Oktober 2018 wurden 85 % der Beiträge auf Facebook deutscher Parteien von der AfD gepostet, die restlichen 15 % entsprechen den Posts von SPD, Grüne, Linke, FDP und Union. Von der AfD wurde vermehrt auf emotionsstarke Themen gesetzt, wie Flüchtlinge, Migration und Kriminalität, um somit eine hohe Aktivitätsrate zu erzielen. Hiermit wird deutlich, welche Gefahr Echokammern bzw. Filterblasen für die Demokratie bedeuten. Der Sinn dieser Filterblasen ist es demnach, dass User immer häufiger Inhalte angezeigt bekommen, die denen gleichen, die sie bereits angeklickt haben. So werden beispielsweise in extremeren Fällen vermehrt links- oder rechtsradikale Inhalte angezeigt, wenn die Person in der Vergangenheit auch häufig nach ähnlichen Inhalten gegoogelt hat bzw. solche Posts geliked, kommentiert oder geteilt hat.

Anhand dieser Studien ist das Ausmaß der Konsequenzen der Filterblase zu erkennen. Daher ist es wichtig mehr darüber zu erfahren und weitere Studien zu dem Thema durchzuführen, um so Maßnahmen zu finden, den Folgen entgegenzuwirken.

3. Methode

3.2 Versuchsplanung

Die Vorgabe durch das Thema: "Social Media1: Raus aus der Filterblase" gab einen guten Rahmen für mögliche Fragestellungen des Projektes. Zu dem Thema "Filterblase" war sehr schnell die Plattform Instagram [8] eine Assoziation, weil dort das Phänomen der Filterblase vermutlich stark zu erkennen ist. Auffällig ist, dass im Feed eines jeden Users individuell angepasste Beiträge angezeigt werden und nicht jeder User, dieselben Beiträge sieht. Dabei kommt es natürlich darauf an, welchen Personen man folgt und welche Beiträge geliked werden. Da sich die Filterblase vor allen Dingen auf Websites und Sozialen Netzwerkes [9] im Internet zeigt, sollte sich die Befragung auf die Social Media Plattform Instagram beziehen.

Die Stichprobe sollte eine Altersbegrenzung haben, weil Jugendliche möglicherweise weniger aufgeklärt sind, was die Filterblase betrifft und dadurch die Theorie besser in den Ergebnissen ersichtlich ist. Viele junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren, die Instagram nutzen, wissen vielleicht gar nicht, wie die Filterblase ihre Nutzung beeinflusst. Die Überlegung war außerdem, dass viele Probanden in der gesuchten Altersbegrenzung Instagram nutzen und wir dadurch viele Datensätze sammeln können. Um die Klimathematik noch mit einzubringen, gibt es die zwei verschiedenen Gruppen zum Vergleich. In der Befragung sollen Jugendliche bei Fridays for Future und Jugendliche, die nicht bei Fridays for Future sind miteinander verglichen werden.

Aus diesen Vorüberlegungen wurde dann die Forschungsfrage entwickelt.

Um unsere Forschungsfrage zu beantworten, wurden mögliche Fragen bzw. Möglichkeiten besprochen. So entstand die Idee einen Thesenkatalog mit verschiedenen Aussagen anzulegen und den Probanden eine fünfstufige Antwortskala über die Zustimmung zu der jeweiligen Aussage zu geben. Außerdem war die Überlegung Instagram-Beiträge mit einzubinden und nach Interessen und Beiträgen aus dem Feed der Testpersonen zu Fragen, um diese Ergebnisse zu vergleichen und daraus zu erkennen, ob die Filterblase wirklich existiert.

Alle Items wurden bei Soscisurvey gesammelt und zu einem Fragebogen zusammengestellt, der die Forschungsfrage und einige Hypothesen vermutlich am besten erfassen kann.

3.3 Versuchsablauf

Der Fragebogen wurde mit Hilfe von Soscisurvey veröffentlicht. Zur Probe wurde der Fragebogen an eine Testperson geschickt, die dann kurze Rückmeldung geben konnte, ob alles verständlich ist und es keine technischen Probleme gibt. Dabei wurde darauf geachtet, dass alle Fragen und vor allem die Instagram-Beiträge sowohl am Laptop als auch am Handy gut zu sehen sind und man sie einfach auswählen kann. Der Link wurde dann an Jugendliche, die sich bei FFF engagieren weitergeleitet, sowie an Jugendliche, die sich dort nicht engagieren. Insgesamt lief die Befragung vom 18.05.2020 bis zum 08.06.2020. In dieser Zeit wurden kurze Stichproben der erhobenen Daten gemacht, um zu überprüfen, ob alle Teilnehmer den Fragebogen bis zum Ende ausgefüllt haben und keine Datensätze gelöscht werden müssen. Außerdem musste darauf geachtet werde, dass beide Gruppen gleich groß werden, um sie gut miteinander vergleichen zu können.

Als der Befragungszeitraum abgeschlossen war, wurden die Daten mit Hilfe von PSPP ausgewertet und analysiert. Zunächst wurden die Daten aussortiert, die für die Auswertung nicht ausreichend ausgefüllt wurden.

3.4 Messinstrumente und Fragebogenverfahren

Bei dem Messinstrument fiel die Entscheidung auf einen Fragebogen, der mit Hilfe von Soscisurvey erstellt wurde. Der Fragebogen besteht insgesamt aus 42 Items, darunter 5 soziodemographische Fragen, 5 Fragen zur Nutzung von Medien, 30 Aussagen und abschließend zwei weitere Fragen allgemein zur Filterblase.

Bei den soziodemographischen Fragen werden die Probanden nach ihrem Geburtsjahr, ihrem Geschlecht und der Bildung gefragt. Bei den Geburtsjahren können die Jahre 1997 bis 2012 ausgewählt werden. Bei der Bildung wurde die Frage passend zum Alter der Zielgruppe gestellt. Auf diese Frage "Auf welcher Schule bist du?" konnte eine Antwort aus diesen fünf Möglichkeiten gewählt werden: Realschule, Berufsschule/ Berufskolleg, Gymnasium, Gesamtschule oder Andere. Außerdem wird dort abgefragt, ob sich die Probanden in einer Bewegung oder Organisation engagieren und falls dies der Fall ist, was sie dazu motiviert. Sie haben die Wahl zwischen drei Antworten: "Keine", "Fridays for Future" und "Andere". Wenn sie die zweite Antwort auswählen wird nach der Motivation gefragt und wenn die dritte Möglichkeit ausgewählt wurde, soll auch angegeben werden, um welche Bewegung es sich dabei handelt.

Als nächstes wird der Proband gefragt, ob er oder sie Instagram nutzt. Ist dies nicht der Fall, ist die Befragung beendet, da unsere Stichprobe aus Menschen bestehen soll, die Instagram nutzen. "Welche Medien nutzt du um Nachrichten zu konsumieren?" lautet die nächste Frage, die mit folgenden Antwortmöglichkeiten beantwortet werden kann: Fernsehen, Zeitung, Internet (App), Social Media, Austausch mit Familie und Freunden, Schule. Hier kann nur eine Antwort ausgewählt werden. Ziel war es hier, einen groben Überblick zu bekommen woher sich die Zielgruppe Informationen holt und ob Social Media für viele schon genutzt wird, um Nachrichten zu konsumieren.

Den Probanden werden nun insgesamt 10 Instagram-Beiträge gezeigt. Davon sind 5 zum Thema Lifestyle und 5 zum Thema Klima. Diese Anzahl an Beiträgen wurde gewählt, damit in den Ergebnissen klare Unterschiede zu erkennen sind. Die Reihenfolge ist durchgemischt, das heißt es werden nicht zuerst alle Bilder zum Thema Klima gezeigt und danach alle zum Thema Lifestyle, damit die Probanden die zwei unterschiedlichen Themen nicht sofort erkennen und die Bilder sortieren und dann möglicherweise nach sozialer Erwünschtheit auswählen. Es dürfen maximal 3 Beiträge ausgewählt werden, die dem Teilnehmer am meisten zusagt. In den Ergebnissen (4.3 Bilder) sind die Beiträge, die gezeigt wurden zu sehen.[10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] Bei diesem Item sollte herausgefunden werden, wie die Interessen der Teilnehmer bzw. die Attraktivität der Bilder mit den beiden Gruppen zusammenpassen und ob man anhand dieser Frage auch schon die Existenz von zwei verschiedenen Filterblasen erkennen kann.

Die Probanden werden nach ihren Interessen und den Beiträgen in ihrem Feed gefragt. Bei beiden Fragen "Welche Interessen hast du?" und "Was wird dir im Feed angezeigt?" gibt es die gleichen 18 Antwortmöglichkeiten. Die Teilnehmer dürfen maximal 6 Interessen und 8 Beiträge aus dem Feed auswählen. Die Überlegung war, dass es im Feed die Möglichkeit gibt, mehr Antworten auszuwählen, da im Feed möglicherweise auch ähnliche Dinge angezeigt werden. Wenn eine Person zum Beispiel bei Interessen "Nachhaltigkeit" wählt, aber nicht "Zero waste" kann das trotzdem im Feed angezeigt werden, da die beiden Themen ähnlich sind. Bei dem Feed sollte es also noch die Möglichkeit geben mehr Antworten auszuwählen als bei den Interessen, da die Beiträge im Feed etwas breiter gefächert sind als die eigenen Interessen.

Das umfangreichste Item ist der Thesenkatalog mit insgesamt 30 verschiedenen Aussagen zu Instagram, dem Klima und der Filterblase. Diese Aussagen müssen anhand einer fünfstufigen Skala bewertet werden. Hier konnten sie auswählen „Ich stimme nicht zu“ (1), „Ich stimme eher nicht zu“ (2), „weder, noch“ (3), „Ich stimme eher zu“ (4) und „Ich stimme zu“ (5). Die Aussagen wurden von uns erstellt und mithilfe von Carla nochmal überarbeitet. Mit diesem Thesenkatalog soll herausgefunden werden, inwiefern die reale Welt bzw. die Welt auf Instagram wahrgenommen wird und ob sich die zwei Gruppen in einer "Lifestyle-Filterblase" oder "Klima-Filterblase" befinden.

4. Ergebnisse

4.1 Soziodemographische Daten

Bildung
Bildung

Insgesamt haben 43 Personen an der Umfrage teilgenommen, davon haben 11 Personen angegeben, dass sie männlich sind und 32 Personen sind weiblich. Die Altersspanne der befragten Teilnehmer befindet sich zwischen dem Jahrgang 1998 und 2008. Das Durchschnittsalter liegt bei 17,18 Jahren. Die meisten Teilnehmer sind zwischen den Jahren 2001 und 2005 geboren. Der Modalwert der Altersverteilung liegt bei 2005 mit neun Teilnehmern. Bei der Betrachtung der schulischen Bildung ist zu erkennen, dass der Großteil der Teilnehmer (25 Personen) angegeben haben, dass sie auf dem Gymnasium sind. Acht Personen geben an, dass sie auf einer Gesamtschule sind und die restlichen Teilnehmer sind entweder auf der Berufsschule, der Realschule oder auf anderen Schulen.

Unter den Fragebogenteilnehmer sind 25 Personen nicht in einer Organisation aktiv, 13 Personen sind bei Fridays for Future aktiv und fünf Personen haben angegeben, dass sie sich in anderen Organisationen engagieren, beispielsweise Greenpeace, Feuerwehr oder in der Kirche.

Aufmerksamkeit auf Fridays For Future

Nachdem die Auswahl bzgl. der Organisationen erfolgte, erhielten diejenigen, die sich bei Fridays for Future engagieren eine Filterfrage, welche lautete "Wie bist du darauf aufmerksam geworden? (z.B. Freunde, WhatsApp, Instagram, Bekannte, Schule...)". In dem dazu angefertigten "Wordle" erkennt man, dass die Teilnehmer am ehesten über Freunde auf die Bewegung aufmerksam geworden sind. Außerdem haben manche Teilnehmer die Bewegung selbst aufgebaut. Des Weiteren wurde als Auslöser für das Engagement noch Greta, Greenpeace, Schule oder Cousine genannt.

Motivation Fridays for Future

Darüber hinaus hatten die Teilnehmer von Fridays for Future zusätzlich im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern die Aufgabe, Ihre Motivation zu verdeutlichen bzgl. Ihres Engagement bei FFF. Anhand einer offenen Frage konnten sie entweder Begriffe oder ganze Sätze nennen. Am meisten wurde der Begriff „Miteinander“ oder „Spaß“ genannt. Zusätzlich kamen Begründungen wie „Welt verändern“, „Klimagerechtigkeit“, „Helfen“ oder „Zukunft“ häufiger vor. Ein Teilnehmer antwortete, dass verschiedene Umweltkatastrophen wie die Verschmutzung der Meere, Brandrodung des Regenwaldes oder die Abholzung dazu beigetragen haben, bei Fridays for Future aktiv zu sein. Auch lokale Themen wie z.B. der Hambacher Forst seien Gründe bzw. Motivation für eine Teilnahme bei Fridays for Future.

4.2 Nachrichten

Nachrichten

Bei der Auswertung der Mediennutzung bzgl. des Nachrichtenkonsums ist deutlich zu erkennen, dass die meisten Teilnehmer entweder durch Social Media (32 Personen), das Fernsehen (30 Personen) oder den Austausch mit Familie und Freunden (31 Personen) Nachrichten schauen oder aufnehmen. Hierbei war eine Mehrfachauswahl möglich. Nur wenige Teilnehmer haben angegeben, dass sie die Zeitung lesen, um Nachrichten zu konsumieren.

4.3 Bilder

Den Probanden wurden 10 Beiträge von Instagram gezeigt. Jeder Proband konnte maximal drei von diesen Beiträgen auswählen. Es wurden 33 Bilder von maximal 39 in der Gruppe FFF ausgewählt und 64 Bilder von maximal 90 in der Gruppe der Jugendlichen, die nicht bei FFF sind. Es hat also nicht jeder Teilnehmer 3 Bilder ausgewählt, sondern manche haben auch weniger ausgewählt. Durch die Mehrfachauswahl wird bei der Prozentangabe die Summe aller Angaben 100 % überschreiten.

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In dem Balkendiagramm ist zu sehen, dass durchschnittlich 6,4 Beiträge zum Thema Klima sowie 6,4 Beiträge zum Thema Lifestyle von den Jugendlichen, die nicht bei FFF sind ausgewählt. Bei der Gruppe FFF ist ein Unterschied zwischen den beiden Balken zu sehen. Es werden durchschnittlich 1,2 Beiträge zum Thema Lifestyle ausgewählt und 5,4 zum Thema Klima.

Insgesamt ist zu sehen, dass die Klimabilder häufiger von den Jugendlichen bei FFF gewählt werden, als von der anderen Gruppe. Andersherum kann man sagen, dass die Beiträge zum Thema Lifestyle häufiger von den Jugendlichen, die nicht bei FFF sind gewählt werden.

Lifestyle Lifestyle Lifestyle Lifestyle Lifestyle Klima Klima Klima Klima Klima
FFF 8% 8% 0% 8% 23% 38% 23% 38% 69% 38%
Nicht-FFF 30% 13% 10% 10% 43% 20% 20% 13% 40% 13%


4.2 Mediennutzung

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In dem Balkendiagramm zu den Interessen aller Befragten ist zu sehen, dass Musik mit 27 Stimmen am häufigsten gewählt wurde. Am zweit beliebtesten mit 21 Stimmen ist Humor, dicht gefolgt von Reisen mit 18 Stimmen. Für zero waste hingegen interessieren sich nur zwei Personen und für Nachrichten und Seenotrettung jeweils fünf.

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Bei den Beiträgen, die den Probanden im Feed angezeigt werden, kann man sehen, dass auch hier Musik mit 22 Stimmen an erster Stelle steht, gefolgt von Mode mit 19 Stimmen. Nachrichten werden den Probanden am dritt häufigsten angezeigt. Beiträge zur Seenotrettung werden nur zwei Probanden im Feed angezeigt und Beiträge zu zero waste werden insgesamt drei Personen angezeigt.

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Schaut man sich das Ergebnis in den zwei Gruppen an, dann kann man erkennen, dass für die Jugendlichen, die sich bei Fridays for Future engagieren Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Politik am interessantesten sind. 11 der 13 Probanden geben an, dass sie der Klimaschutz interessiert. Acht Personen geben Nachhaltigkeit als Interesse an und sieben geben Politik sowie Musik an. Nicht von besonders großem Interesse ist Fußball mit nur einer Stimme. Die Jugendlichen, die sich nicht bei Fridays for Future engagieren interessieren sich am meisten für Musik, Humor und Reisen. Hier liegen die Werte bei 67% für Musik, 60% für Humor und 47% für Reisen.

Top Interessen und Feed

Top 5 Interessen FFF Top 5 Feed FFF Top 5 Interessen Top 5 Feed
Klimaschutz 85% Klimaschutz 69% Musik 67% Musik 67%
Nachhaltigkeit 62% Nachhaltigkeit 69% Humor 60% Mode 57%
Politik 54% Politik 62% Reisen 47% Humor 50%
Musik 54% Feminismus 54% Fitness 43% Reisen 43%
Feminismus 38% Nachrichten 54% Kreativität 37% Fitness 40%

Die Balkendiagramme zeigen leicht entgegengesetzte Ausprägungen der einzelnen Interessen bzw. Anzeigen im Feed, das heißt hohes Interesse für bestimmte Themen in der einen Gruppe, bedeutet niedrige Werte für diese Themen in der anderen Gruppe. Zu erkennen ist das zum Beispiel bei Nachhaltigkeit und Humor. Nachhaltigkeit wählten 62% der Jugendliche von Fridays for Future als Interesse, wohingegen nur 10% der anderen Gruppe Nachhaltigkeit als Interesse wählten. Andersherum kann man bei Humor sehen, dass 60% der Jugendlichen, die nicht bei Fridays for Future sind, Humor als Interesse angaben. Für Klimaaktivisten ist Humor mit 23% eher uninteressant. Innerhalb der Gruppen gibt es eine hohe Gemeinsamkeit zwischen den Werten der Interessen und dem Feed, das heißt hohe Werte bei den Interessen bedeuten auch hohe Werte im Feed. Auch in der oben abgebildeten Tabelle ist zu sehen, dass die Top 5 Interessen in der Gruppe FFF mit den Top 5 Anzeigen im Feed fast übereinstimmen. Genauso sieht man die Übereinstimmung zwischen den Interessen und den Beiträgen im Feed durch die Prozentwerte bei der anderen Gruppe.

4.3 Thesen

Zuletzt wurden die Teilnehmer dazu aufgefordert anhand einer Likert Skala ihre Einschätzung zu 30 verschiedenen Thesen abzugeben. Die verschiedenen Aussagen bezogen sich entweder auf die Klimathematik, auf verschiedene Bewegungen wie z.B. „zero waste“, die Corona-Krise oder Lifestyle-Situationen wie z.B. Reisen oder Mode.

Anhand verschiedener Thesen lässt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Teilnehmern erkennen, die bei Fridays for Future aktiv sind und denjenigen, die dies nicht sind. Eine der gegebenen Aussagen war z.B. „Nachhaltigkeit und Klima sind Themen, über die ich mit meinen Freunden rede“. Der Mittelwert bei dieser These liegt bei den Personen von Fridays for Future bei 4,5 und bei den anderen bei 3,36. Hier erkennt man, dass keiner der Teilnehmer von Fridays for Future „Stimme nicht zu“ oder „Stimme eher nicht zu“ angegeben haben. Die Mehrheit der Gruppe FFF (84,62%) gab an, dass sie der These zustimmen, oder eher zustimmen. Bei der Kontrollgruppe, welche nicht bei Fridays for Future aktiv sind, sieht man, dass es dort sehr unterschiedliche Einstellungen zu dem Thema gibt, darunter gaben auch viele Personen (33,33%) „weder noch“ an.

Die nächste Aussage „Instagram zeigt für mich die reale Welt“ wird sowohl von den FFF-Teilnehmer, als auch von Nicht-FFF-Teilnehmern abgelehnt. Der Mittelwert der FFF-Teilnehmer liegt somit bei 1,92 und bei der Kontrollgruppe bei 2,36. Dementsprechend lehnten 38,46 % der Fridays for Future Teilnehmer die Aussage ab und 23,06 % lehnten sie eher ab. Ähnlich sieht dies bei den Teilnehmern aus, die nicht bei Fridays for Future sind. 20% gaben an, dass sie der Aussage nicht zustimmen und 30% gaben an, dass sie der These eher nicht zustimmen.

Die Mittelwerte der Thesen „Ich bin offen für neue Meinungen“ und „Wenn ich mich über etwas informiere, dann schaue ich mir verschiedene Meinungen an“ liegen bei der ersten Aussage bei der FFF-Gruppe bei 4,17 und bei der Nicht-FFF-Gruppe bei 4,64. Bei der zweiten These liegen die Mittelwerte bei der FFF-Gruppe bei 4,42 und bei der Nicht-FFF-Gruppe bei 4,07.

Thesen Onlineshop
Online Shop

Bei der Aussage „Ich bestelle regelmäßig im Onlineshop“ liegt der Mittelwert von der Fridays for Future Gruppe bei 2,08 und bei denen, die nicht bei Fridays for future sind liegt er bei 3,04. Die Mehrheit der Personen von FFF (61,54%) stimmte der These nicht oder zumindest eher nicht zu. Bei denen, die nicht bei FFF sind ist keine eindeutige Aussage zu treffen, jedoch wurde am meisten „Stimme eher zu“ genannt. Es gab aber auch mehrere Personen, die dem nicht zustimmten oder eher nicht zustimmten (36,67%).

Thesen Zero waste
Zero Waste

Die nächste These lautet „Ich habe in meinem Alltag schon versucht, nach zero waste zu leben“. Hier ist zu erkennen, dass 50 % der Personen, die nicht bei FFF sind angeben, dass sie der Aussage gar nicht zustimmen. 6,67 % gaben an, dass sie schon versucht haben nach zero waste zu leben. Bei der FFF Gruppe erkennt man, dass keine eindeutige Aussage gemacht werden kann. Jedoch gaben 15,38 % der Personen an, dass sie der Aussage zustimmen und 15,38 % gaben an, dass sie der Aussage eher zustimmen.

Thesen Streik
Streik

Die Auswertung der These „Ich bin regelmäßig bei Streiks dabei“ zeigt klare Ergebnisse, die allerdings bei den betrachteten Gruppen zu vermuten war, wenn man Aktivisten und Nicht-Aktivisten befragt. Demnach unterscheiden sich die Mittelwerte insofern voneinander, dass er bei der FFF-Gruppe bei 3,83 liegt und bei den anderen bei 1,14. Diejenigen, die nicht bei Fridays for Future aktiv sind geben zu 83,33% an, dass sie der Aussage nicht zustimmen. Bei den Teilnehmenden von Fridays for Future sieht man, dass 53,85 % angeben, dass sie der Aussage zustimmen. Die anderen Antwortmöglichkeiten sind alle mit einem Prozentanteil von 7,69 % vertreten, bis auf die Kategorie „Ich stimme nicht zu“, welche von 15,38 % der Probanden angegeben wurde.

Thesen Klimawandel Post
Klimawandel Post

Die kommende Aussage bezieht sich auf unsere zweite Hypothese. Die These lautet „Viele Menschen denen ich folge, posten regelmäßig etwas über den Klimawandel“. Hier erkennt man bei der FFF-Gruppe, dass sie dieser Aussage zu (46,15%) zustimmen. Vergleicht man diese Ergebnisse mit der Kontrollgruppe so erkennt man, dass hier das Gegenteil geantwortet wurde. Der Großteil der Teilnehmer (83,33%) gab also an, dass sie der Aussage eher nicht oder gar nicht zustimmen. Somit liegt der Mittelwert bei der FFF-Gruppe bei 3,75 und bei der anderen Gruppe bei 1,75.

Thesen Umfeld
Umfeld Klimawandel

Die nächste Aussage bezieht sich sowohl auf die Online-, als auch auf die Offlinewelt. Sie lautet „Mein Umfeld setzt sich ein, um den Klimawandel zu verhindern“. Hier sieht man auch wieder erhebliche Unterschiede bei der Betrachtung der Mittelwerte. Bei der FFF-Gruppe liegt dieser bei 4,33 und bei der Kontrollgruppe bei 2,68. Bei den Teilnehmern von Fridays for future sieht man, dass keiner der Personen angegeben hat „Ich stimme nicht zu“ oder „Ich stimme eher nicht zu“, die Mehrheit (76,92%) gab an, dass sie der Aussage zustimmen oder eher zustimmen. Bei den Teilnehmern, welche nicht bei Fridays for Future aktiv sind erkennt man, dass viele Personen angaben (60%) „weder noch“ oder „stimme eher nicht zu“.

Thesen Umwelt Flug
Reisen Umwelt

Bezüglich der These „Wenn ich reise, denke ich auch darüber nach, welche Konsequenzen die Flugreise für die Umwelt hat“ gab die Mehrheit der FFF-Gruppe hierbei an, dass sie der Aussage zustimmen. Die anderen Auswahlmöglichkeiten kommen gar nicht vor. Schaut man sich hingegen die Kontrollgruppe an, so wird deutlich, dass jede Antwortkategorie vertreten ist.

Thesen Seebrücke
Seebrücke

Um zu überprüfen, ob auch andere gesellschaftliche Bewegungen von den Teilnehmern des Fragebogens als interessant wahrgenommen werden, wurde die These „Mich interessieren Bewegungen wie die Seebrücke“ mit in den Thesenkatalog aufgenommen. Somit wollten wir feststellen, ob es Unterschiede zu erkennen gibt zwischen den beiden Gruppen und ob Personen, die sich bereits für etwas einsetzen, in diesem Fall für den Klimaschutz, auch für andere Themen Interesse zeigen. In den Ergebnissen dieser Aussage ist ebenfalls ein deutlicher Unterschied bzgl. der Mittelwerte der beiden Gruppen zu erkennen. Dieser liegt dementsprechend bei der Fridays for Future Gruppe bei 4,25, da dort die Mehrheit der Personen angegeben hat, dass sie der Aussage zustimmen. Und bei der Kontrollgruppe liegt der Mittelwert bei 2,07. Hier wurden eher die unteren Antwortkategorien ausgewählt, wie z.B. „Ich stimme nicht zu“, „Ich Stimme eher nicht zu“ oder „weder, noch“.

Mittelwerte Thesen
Mittelwerte Thesen
Mittelwerte Thesen

4.4 Filterblase

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Die Frage, "Kannst du etwas mit dem Begriff Filterblase anfangen?" haben insgesamt 39 Personen beantwortet. Insgesamt gab es drei Antwortmöglichkeiten. Wenn der Proband mit "Ja" geantwortet hat, wurde er auch dazu aufgefordert zu beschreiben, was die Filterblase ist. Es gaben 18% der Befragten an, die Filterblase zu kennen. 17 Personen haben angegeben die Filterblase nicht zu kennen und 15 Personen haben schonmal davon gehört. Insgesamt kennt die Mehrheit der Probanden die Filterblase nicht. 84% wählten Antwortmöglichkeit "Nein" oder "Schonmal gehört" aus.

4.5 Hypothesen

Um die im Vorfeld aufgestellten Hypothesen zu verifizieren oder zu falsifizieren, wurden die Hypothesen zunächst auf Normalverteilung untersucht. Dazu wurde ein Kolmogorov-Smirnov-Test erstellt. Ist der Signifikanzwert hier kleiner als 0.05 so geht man davon aus, dass die Daten nicht normalverteilt sind und somit ein signifikanter Unterschied besteht. [18]

Kolmogorov-Smirnov-Test

Die erste Hypothese (H1) lautete „Zwischen den Gruppen Fridays for Future und denen, die nicht bei Fridays for Future sind gibt es Unterschiede im Erleben und Verhalten.“. Um eine Antwort auf diese Vermutung zu erhalten, wurde anhand des Thesenkataloges ein Kolmogorov-Smirnov-Test erstellt unter Betrachtung beider Gruppen (Fridays for Future und Nicht-Fridays for Future). Anhand des Tests wurde festgestellt, dass dort größtenteils Signifikanzwerte von unter 0.05 aufzufinden sind und somit signifikante Unterschiede bestehen. Somit lässt sich in Bezug auf die aufgestellte Hypothese am Beispiel der These „Ich habe in meinem Alltag schon versucht, nach zero waste zu leben“ (Signifikanzwert = 0.006) oder anhand der These „Ich kenne die Meinung von Klimaaktivisten und Klimaleugnern.“ (Signifikanzwert = 0.008) ein signifikanter Unterschied erkennen. Dies bedeutet, dass es Unterschiede zwischen den Gruppen Fridays for Future und Nicht-Fridays for Future im Erleben und Verhalten gibt. Zusätzlich wurde festgestellt, dass die Signifikanzwerte deutlich höher sind, wenn ein Kolmogorov-Smirnov-Test beider Gruppen getrennt voneinander erstellt wurde. Damit lässt sich die Hypothese verifizieren.

Kolmogorov-Smirnov-Test
Kolmogorov-Smirnov-Test FFF

Zur Überprüfung der zweiten Hypothese (H2) „Alle, die sich für Lifestyle interessieren, werden keine Inhalte zum Thema Klima erhalten.“ Wurde ebenfalls ein Kolmogorov-Smirnov-Test unter Betrachtung beider Gruppen erstellt. Dieser wurde anhand der These „Viele Menschen denen ich folge, posten regelmäßig etwas über den Klimawandel“ geprüft, bei der ein Signifikanzwert von 0.01 herauskam. Zur Überprüfung dieses Wertes wurde anschließend ebenfalls ein Test auf Normalverteilung erstellt, jedoch nur unter Betrachtung der Gruppe Fridays for Future. Hier wurde bei der gleichen These ein Signifikanzwert von 0.294 untersucht. Dies bedeutet, dass auch die zweite Hypothese verifiziert wurde und somit diejenigen, die sich für Lifestyle interessieren auch dementsprechende Beiträge angezeigt bekommen. Den Probanden, die sich für Nachhaltigkeit und Klimawandel interessieren, wird im Feed häufig etwas über den Klimawandel angezeigt. Zusätzlich zu diesen Auswertungen kann man die Hypothese auch anhand der Ergebnisse zu den Interessen und zum Feed bestätigen. Es ist ganz deutlich zu sehen, dass die beiden Gruppen unterschiedliche Interessen haben. Diese Interessen stimmen aber mit dem was ihnen im Feed angezeigt wird sehr stark überein.

Die dritte Hypothese, dass die Mehrheit der Jugendlichen nicht über die Filterblase bescheid wissen, bestätigt sich in der vorletzten Frage. Die Mehrheit der Jugendlichen gaben an, dass sie die Filterblase nicht kennen oder schonmal davon gehört haben.

Kolmogorov-Smirnov-Test Klimawandel / Feed

Des Weiteren wurde anhand eines T-Tests überprüft, ob ein Zusammenhang besteht, zwischen Personen, die im Feed Beiträge über Themen, wie Klimawandel, zero waste und Nachhaltigkeit angezeigt bekommen und den Zustimmungen bei Thesen wie „Mein Umfeld setzt sich ein, um den Klimawandel zu verhindern.“ oder „Ich denke darüber nach, was ich tun kann, um den Klimawandel zu verhindern.“. Dabei wurde ein Signifikanzwert von 0.00 herausgefunden. Das bedeutet, dass es einen signifikanten Unterschied gibt und somit ist ein direkter Zusammenhang zwischen den klimaspezifischen Variablen im Feed und den Thesen in Bezug auf den Klimawandel erkennbar. Bei ausschließlicher Betrachtung der Fridays for Future Probanden anhand eines Kolmogorov-Smirnov-Test verdeutlicht sich dieses Ergebnis nochmal. Der Test zeigt, dass sowohl ein hoher Signifikanzwert bei der Variable „Feed-Klima“ (= 0.243), als auch Variable „Klimawandel“ (= 0.874) vorliegt. Das bedeutet innerhalb der FFF-Gruppe ist ein Zusammenhang anhand dieser beiden Variablen zu erkennen. Um zu überprüfen, ob die verwendeten Items die Messgenauigkeit erfüllen, wurde eine Reliabilitätsprüfung vorgenommen. Zum Einen wurde das Gütekriterium anhand der Items "Interessen" und "Feed" kontrolliert, dabei wurde ein Cronbach's Alpha-Wert von 0.76 festgestellt. Zusätzlich wurde geprüft, ob der Thesenkatalog reliabel ist. Dabei kam ein Cronbach's Alpha-Wert von 0.68 heraus.

Cronbachs Alpha Interessen & Feed
Cronbachs Alpha Thesen

5. Diskussion und Ausblick

Studie Motivation Fridays for Future

Eines der Ziele der Umfrage war es unter anderem herauszufinden, was Aktivisten von Fridays for Future motiviert zu streiken. Um einen Vergleich mit einer repräsentativen Studie herzustellen, wurde die Studie mit dem Titel „Fridays for Future – Entstehung und Perspektiven der Protestbewegung in Deutschland“ von den Autoren M. Sommer, D. Rucht, S. Haunss, S. Zajak vom Institut für Protest- und Bewegungsforschung ipb aus dem Jahr 2019 herangezogen. [19]Dort wurden 355 Jugendliche von Fridays for Future anhand eines Online-Surveys befragt. Unter anderem wurde dort ebenfalls die Frage nach den zentralen Motiven der Demonstrierenden gestellt welche folgendermaßen lautete „Bitte sagen Sie uns kurz, warum Sie an diesem Protest teilgenommen haben“. Das häufigste genannte Motiv ist die Sorge vor der Zukunft, darüber hinaus wurde in diesem Zusammenhang folgendes Statement genannt „Weil sich in der Politik etwas ändern muss und wenn die das nicht angehen oder merken müssen wir halt für unsere Zukunft kämpfen! Die notwendigen Maßnahmen müssen umgesetzt werden“. Hier sieht man einen Zusammenhang zwischen der herangezogenen Studie von ipb und unserer Forschungsarbeit, denn die Teilnehmer unserer Studie haben häufig ebenfalls Gründe wie die Zukunft, die Umstände bzgl. des Klimawandels und verschiedene Auswirkungen des Klimawandels als Motivation für ihr eigenes Handeln genannt. Des Weiteren wurde in der Studie „Fridays for Future“ von den Teilnehmern die besondere Rolle von Schülerinnen und Schülern verdeutlicht, die in der Bewegung Fridays for Future eine Möglichkeit sehen, Ihre Stimme zu erheben und ihre politischen Standpunkte zu äußern und damit die Zukunft ein Stück weit verändern zu können.

Bei dem Item der Auswahl von Instagram-Beiträgen ist kein Unterschied zwischen der durchschnittlichen Auswahl von Beiträgen zum Thema Klima und zum Thema Lifestyle in der Gruppe, die nicht bei FFF sind, zu sehen. Das könnte daran liegen, dass das Thema Klima momentan generell sehr präsent und wichtig ist, auch für Jugendliche, die nicht direkt bei Fridays for Future sind. Trotz das Jugendliche sich nicht bei FFF engagieren, interessieren sie sich für das Thema Klima und finden auch die Instagram-Beiträge ansprechend. Ein anderer Grund, warum kein Unterschied im Durchschnitt zu sehen ist, könnte die soziale Erwünschtheit sein. Man möchte vielleicht nicht "zugeben", dass man in einer Lifestyle-Filterblase lebt indem man 3 Beiträge nur zum Thema Lifestyle auswählt. Es ist sehr deutlich zu sehen, dass die beiden Filterblasen existieren, weil die meisten Klimaaktivisten auch Beiträge zum Thema Klima ausgewählt haben. Im Durchschnitt wählt die andere Gruppe zwar Beiträge zu beiden Themen gleich aus, aber in den relativen Häufigkeiten zu den einzelnen Beiträgen sieht man, dass die einzelnen Lifestyle-Beiträge häufiger von Jugendlichen ausgewählt werden, die nicht bei FFF sind.

Die Existenz einer Lifestyle-Filterblase und einer Klima-Filterblase ist auch in den Ergebnissen der Frage nach Interessen und Anzeigen im Feed zu erkennen. Es übereinstimmen ganz klar die Interessen mit dem was den Probanden im Feed angezeigt wird. Außerdem sieht man die Unterschiede der beiden Gruppen in den Interessen. Zusammenfassend kann man sagen, dass innerhalb der Gruppen die Übereinstimmung mit den Interessen und dem was im Feed angezeigt wird sehr hoch ist und zwischen den beiden Gruppen die Interessen sehr unterschiedlich.

Die Unterschiede zwischen befragten Jugendlichen von Fridays for Future und denjenigen, die nicht bei FFF aktiv sind, werden mit Blick auf die als am wichtigsten erachteten These, deutlich. Die Aussage „Viele Menschen denen ich folge, posten regelmäßig etwas über den Klimawandel“ stieß bei den meisten FFF-Teilnehmern auf Zustimmung. Anders sieht dieser Aspekt bei der Kontrollgruppe aus, dort wurde diese These größtenteils abgelehnt. Vor dem Hintergrund der Annahme, alle Jugendlichen, die sich für Lifestyle interessieren erhalten keine Inhalte zum Thema Klima, zeigt sich die positive Antwort auf die Hypothese wie bereits im Ergebnisteil beschrieben. Die Befunde zu der These legen somit nahe, dass die beiden Gruppen in unterschiedlichen Filterblasen sind, aufgrund ihrer unterschiedlichen Interessengebiete. Diejenigen die sich also eher für Klimawandel, Nachhaltigkeit und zero waste interessieren, erhalten somit im Internet und vor allem in den sozialen Netzwerken aufgrund der Algorithmen verstärkt Inhalte und Beiträge, die ebenfalls diese Thematik ansprechen. Dahingegen erhalten die Personen, die sich eher für Mode, Reisen und Humor interessieren, auch eher dementsprechende Inhalte.

Die Ergebnisse der These "Mein Umfeld setzt sich ein, um den Klimawandel zu verhindern." zeigen, dass sich das Umfeld der Probanden von Fridays for Future mehr für den Klimaschutz einsetzt, als die Vergleichsprobanden. Hier erkennt man die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, denn die Personen von FFF leben oftmals durch ihr Netzwerk von anderen Aktivisten bereits in einem Umfeld von Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Anhand der Aussage „Instagram zeigt für mich die reale Welt“ wird deutlich, dass sowohl die FFF-Teilnehmer, als auch die Nicht-FFF-Teilnehmer der Meinung sind, dass dies nicht der Fall ist. Auch ein T-test zu dem genannten Item und der Frage, ob man die Filterblase kennt, zeigt kein signifikantes Ergebnis. Die Ergebnisse zeigen also, dass die Jugendlichen entgegen der zu Beginn der Forschungsarbeit erfolgten Vermutung, dass Kinder und Jugendliche noch wenig kritisch denken können und sich schneller beeinflussen lassen, dass die angesprochene Altersgruppe doch bereits weiß, dass auf Instagram nicht alles der Realität entspricht und man dort oftmals eine Scheinwelt gezeigt bekommt. Man kann also sagen, dass Jugendliche auch ohne Wissen über die Filterblase Instagram-Beiträge nicht als Darstellung der realen Welt bewerten.

Die Auswertungen der Thesen bezüglich der offenen Meinung von Probanden zeigen, dass sich die Teilnehmer auch mit anderen Standpunkten und Meinungen beschäftigen und somit ihren Horizont erweitern. Daher kann man sagen, auch wenn nicht alle Jugendlichen etwas mit dem Begriff „Filterblase“ anfangen können, so wissen sie doch, dass dieses Problem von einseitigen Meinungen existiert und dass man sich immer mehrere Meinungen einholen muss, um nicht aufgrund einseitigen Ansichten in einer Echokammer gefangen zu sein. Dennoch ist anhand der festgestellten Unterschiede z.B. in Bezug auf die Interessen und der Anzeigen im Feed noch Handlungsbedarf im Verhalten der Jugendlichen. Auch wenn sie teilweise wissen, dass es wichtig ist sich verschiedene Meinungen anzuhören, folgen sie auf Instagram teilweise möglicherweise trotzdem nur den Profilen, die ihre Interessen widerspiegeln.

Zusätzlich sind sich alle Fragebogenteilnehmer nahezu einig, dass es in den Medien nicht überwiegend positive Nachrichten gibt. Dieser Befund ist anhand der These „In den Medien gibt es überwiegend positive Nachrichten“ zu erkennen. Ähnlich sieht dies bei der Aussage „In der Welt passieren überwiegend positive Dinge“ aus. Diese Aussage wurde ebenfalls größtenteils abgelehnt. Dieser Aspekt macht einen Großteil der Motivation bei den FFF-Teilnehmern aus, sich bei Fridays for Future zu engagieren. Denn wie bereits beschrieben, handeln die Aktivisten aufgrund verschiedener Problematiken und Katastrophen heraus und hoffen bzw. bestehen darauf, die Welt zu verändern und die Zukunft zu beeinflussen.

Zusammenfassend kann die Forschungsfrage "Inwiefern ist das Weltbild der Jugendlichen durch die Filterblase in den Sozialen Medien verzerrt?“ durch diese Umfrage teilweise beantworten. Das Weltbild der Jugendlichen ist durch die Filterblase insofern verzerrt, als dass sie in Instagram nicht die vielfältigen Meinungen sehen, die es eigentlich zu verschiedenen Themen gibt. Die Welt wird durch Filterblasen anders wahrgenommen. So gehen Jugendliche, die in einer Lifestyle-Filterblase leben davon aus, dass diese Themen im Content von Influencern am meisten auf Instagram vorhanden sind. Dabei gibt es so viele andere Themen, die den Usern nur einfach nicht angezeigt werden. Übertragen auf die reale Welt und auf das Umfeld wird häufig auch nur dieser Inhalt thematisiert.

5.1 Kritik

Zunächst ist zu betonen, dass wir anhand der verschiedene Ergebnisse zwischen den beiden vorliegenden Gruppen Pauschalisierungen vornehmen, um Unterschiede festzustellen. Für ein aussagekräftigeres Ergebnis und eine allgegenwärtigere Antwort auf unsere Forschungsfrage und die vorher festgelegten Hypothesen müsste eine repräsentative Umfrage durchgeführt werden, welche einen deutlich größeren Teilnehmerumfang hätte, als die vorliegende Forschungsarbeit. Zusätzlich müsste man für eine repräsentativere Aussage gleichmäßig verteilte Gruppen voneinander unterscheiden. In der vorliegenden Forschungsarbeit wurden allerdings 13 Personen von Fridays for Future mit 25 Personen verglichen, die nicht bei Fridays for Future aktiv sind.

Daher kann man unser Forschungsergebnis und dementsprechend die Feststellung, dass die Jugendlichen in verschiedenen Filterblasen sind, nicht auf die Allgemeinheit übertragen. Mittlerweile achten auch viele Jugendliche in der angegebenen Alterspanne schon zunehmend auf Nachhaltigkeit im Alltag, auch wenn sie sich nicht an der Bewegung Fridays for Future beteiligen. Viele Kinder und Jugendliche diskutieren vermehrt mit ihren Eltern über nachhaltigeres Einkaufen oder über die vegetarische Ernährung. Die Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2015 hat anhand einer repräsentativen Stichprobe (N=2558 Jugendliche) herausgefunden, dass ein umweltbewussteres Handeln in den letzten Jahren wichtiger geworden ist.

Unsere Forschungsfrage bezieht sich auf die deutlichen Gegensätze zwischen den Jugendlichen, die noch nicht genügend kritisches Denken entwickelt haben und somit aufgrund von Werbung und ihrem Umfeld schneller in einer Lifestyle-Filterblase sind als andere. Sie bezieht sich auf Jugendliche, die aufgrund ihres Umfeldes, der Familie, der Grundeinstellung, der Schulbildung oder aufgrund ihres Wohnortes schon eher ein Interesse für Nachhaltigkeit und Klimaschutz entwickelt haben. Zudem hängt die Beteiligung bei Fridays for Future vermutlich häufig davon ab, wie die eigenen Freunde zu dem Thema stehen, d.h. wenn man Aktivisten im eigenen direkten Umfeld hat, ist die Wahrscheinlichkeit vermutlich höher sich selbst auch am Streik zu beteiligen. Außerdem ist vermutlich der eigene Wohnort von großer Bedeutung, denn wenn man in einer Stadt lebt, in der jeden Freitag der Fridays for Future Streik ist, ist es wahrscheinlich auch eher möglich, dass Jugendliche daran teilnehmen als in einem Wohnort, der mitten auf dem Land ist und wo die Kinder und Jugendlichen nicht so oft die Möglichkeit haben, sich aktiv am Streik zu beteiligen.

Des Weiteren benötigt man für eine aussagekräftigere Einschätzung eine Kontrollgruppe des Erwachsenenalters, um feststellen zu können, ob es Jugendliche wirklich schneller in einer Filterblase gefangen sind als ältere Personen. Zusätzlich kommt die soziale Erwünschtheit bei einem Thema wie Klima als Kritik zur Zuverlässigkeit dieses Projektes noch hinzu. Einige Probanden haben möglicherweise nicht immer wahrheitsgemäß geantwortet, um das Ergebnis, dass diese Person in einer Filterblase lebt zu verhindern. Außerdem ist die Klimathematik heute so wichtig, dass Testpersonen vielleicht ungerne angeben, sich nicht für das Thema zu interessieren oder engagieren.

5.2 Handlungsempfehlung

Anhand der Ergebnisse kann man sagen, dass es sehr wichtig ist alle Nutzer über das Thema Filterblase aufzuklären und gleichzeitig zu sensibilisieren. In der Umfrage wurde deutlich, dass einige die Filterblase nicht kennen und somit auch die Gefahren und Konsequenzen nicht erkennen. Mit einem gewissen Vorwissen, können Nutzer aktiv vorgehen, um nicht in einer Filterblase zu leben oder dieser zu entkommen. Dazu muss man sich vor allen Dingen sehr gut und ausgiebig mit wichtigen Themen auseinandersetzen. Wichtig ist, dass man sich bei einer Recherche auf möglichst viele unterschiedliche Quellen stützt und Informationen auf Social Media erst einmal überprüft. Vor allen Dingen Jugendliche könnten sonst die Gefahr der Radikalisierung nicht erkennen. Man sollte sich bei der Nutzung von Sozialen Medien immer wieder bewusst machen, dass die Filterblase existiert. Wenn man das macht, kann man ein achtsamer Nutzer sein und aktiv andere Seiten und Beiträge aufsuchen, die vielleicht nicht den eigenen Interessen entsprechen. Allgemein ist es von Vorteil, wenn man sehr offen für verschiedene Meinungen ist und sich diese auch anhört, um sich dann eine eigene Meinung zu bilden. Nutzer müssen sich auch eingestehen, dass man selber genauso "gefährdet" ist wie andere Menschen.

Im Bereich Marketing ist das Ergebnis natürlich für Unternehmen eine sehr gute Möglichkeit die Filterblase auszunutzen. Für Werbung eignen sich Social Media Plattformen wie Instagram immer mehr. Vor allem auch durch die Influencer ist eine wachsende und immer beliebtere Strategie entstanden, Produkte zu vermarkten, weil durch die Filterblase auch nur den Interessenten des Produktes die Werbung angezeigt wird. Man kann das Produkt dort vermarkten, wo es auch direkt die passende Zielgruppe wahrnimmt. Ein Lifestyle-Influencerin, die sehr viel reist wird wohl kaum Werbung für ein nachhaltiges Produkt machen, dadurch würde die Glaubwürdigkeit nicht gewährleistet sein. Durch Influencer werden die User mit genommen in dessen Leben. Passt ein Produkt zu dem Content, ist das ein perfekter Weg das Produkt zu zeigen. Ein Produkt oder eine Dienstleistung wird authentisch und glaubwürdig den passenden Usern beworben.

5.3 Wie entkommt man der "Filterblase"?

Neben unseren Handlungsempfehlungen gibt es zusätzlich weitere empfehlenswerte Möglichkeiten zur Vermeidung der Filterblase:

1.     Unbequeme Meinungen zulassen

Nicht alles was einem in Social Media nicht gefällt, sollte gleich ausgeblendet werden. Likt ein Freund oder Bekannter einen Beitrag oder eine Seite, die dir gegen den Strich geht, entfolge ihm nicht gleich. Denn um den Algorithmus auszutricksen, ist es besser unbequeme Kommentare, Beiträge und User zu ertragen.

2.     Sich an Diskussionen beteiligen

Eine effektive Maßnahme, sich selbst der Filterblase zu entziehen und dabei auch noch andere Filterblasen einzureißen, ist eine aktive Beteiligung an Diskussionen auf Facebook oder Instagram.

3.     Anonym surfen

Je besser ihr für Konzerne im Netz erkennbar seid, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass ihr in einer Filterblase landet. Weniger Daten preisgeben.

4.     Personalisierte Dienste mit Vorsicht genießen

Empfehlungen über Webdienste können das Surfen bequemer machen. Gleichzeitig steigt so aber auch die Gefahr in einer Filterblase zu enden. Je weniger ein Webdienst Empfehlungen macht, desto kleiner ist die Gefahr, in eine Filterblase zu geraten.

5.     Auch Offline einen Perspektivenwechsel wagen

Die Filterblase gibt es nicht nur online. Auch im realen Leben haben wir in der Regel mit „Unseresgleichen“ zu tun. Sprich: Unser Freundes- und Bekanntenkreis besteht hauptsächlich aus Leuten mit ähnlichen Einstellungen, Werten und Bildungsgrad. Dementsprechend sieht auch der Medienkonsum innerhalb dieser Gruppe ähnlich aus. Einen Perspektivenwechsel könnt ihr hier durch das Nutzen neuer Medien erreichen. Das Diskutieren neu erhaltener Perspektiven und Ideen im Freundeskreis zu besprechen, hilft auch offline der Filterblase entgegenzuwirken.

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Literaturverzeichnis

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