Generationenkonflikt und Klimakrise/Generationenkonflikt bei der Klima-Risikowahrnehmung: ein Vergleich zwischen "Boomer"-Eltern und "Boomer"-Kinderlosen

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Einleitung

Mit der folgenden Arbeit wird untersucht, inwieweit sich zur Risikowahrnehmung hinsichtlich des Klimawandels innerhalb der Gruppe der sogenannten Baby-Boomer ein generationeninterner Konflikt nachweisen lässt. Dabei werden unterschiedliche Wahrnehmungen zwischen Baby-Boomern mit Kindern und kinderlosen Angehörigen dieser Generation verglichen.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen sind Themen, die immer mehr Raum in der Gesellschaft und in den Medien einnehmen. Die Meinung der Experten unterscheidet sich von der Risikowahrnehmung der Gesellschaft (Kellstedt, et al., 2008).[1] Experten nehmen das Risiko mehr wahr als die Gesellschaft. Die Einschätzung des Risikos durch die Gesellschaft ist subjektivbedingt und stärker auf das fehlende Wissen zurückzuführen als auf die Belanglosigkeit der Thematik (Kellstedt, et al., 2008, a.a.O.). Die subjektive Identifikation von Risiken ist mit individuellen Einstellungen, Werten und Glauben verbunden. Eine starke Besorgnis basiert auf der Identifikation eines Risikos. Zudem ist ein umweltbewusstes Verhalten ein Prädiktor für die Bemühungen Risiko zu minimieren. Es wird davon ausgegangen, dass es einen Zusammenhang zwischen der persönlichen Einschätzung und der Verantwortungsübernahme für den Klimawandel gibt (Kellstedt, et al., 2008, a.a.O.). Jedoch unterscheiden sich Menschen verschiedener Generationen in der Identifikation des Klimawandels als Risiko. Dies kann zu einem Konflikt führen. Dieser gewinnt an gesellschaftlicher und politischer Bedeutung, sobald zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Zuerst ist es notwendig, dass verschiedene (politische) Ansichten innerhalb der Konfliktgruppen vorhanden sind. Unter diese Konfliktgruppen fallen auch Generationen. Darauf aufbauend ist aber auch erforderlich, dass innerhalb der jeweiligen Konfliktgruppen ein kollektives Interesse besteht. Denn dieses kollektive Interesse formt ein gemeinsames Ziel, für das sich politisch eingesetzt wird (Naumann, Hess & Steinkopf, 2015).[2]

Ausgehend von den Erkenntnissen von Naumann, Hess und Steinkopf (2015) kann ein Konflikt zwischen zwei Generationen auf drei Ursachen zurückgeführt werden. Allgemein wird zwischen dem Alters- und Kohorteneffekt differenziert. Mit dem Alterseffekt ist gemeint, dass die Generationen sich in ihrem jeweiligen Lebensabschnitt unterscheiden. Sie gehen verschiedenen Foki und Aufgaben in ihrem Leben nach und variieren in ihren politischen Einstellungen und Ansichten. Der Kohorteneffekt beschreibt die Unterschiede, welche daraus resultieren, dass Generationen unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt sind. Außerdem können sich die sozioökonomischen Rahmenbedingungen verändern.  Diese Veränderungen können sich auf dem Arbeitsmarkt, der wirtschaftlichen Situation als auch auf den demographischen Wandel übertragen (Naumann, Hess & Steinkopf, 2015, a.a.O.).

Es wird davon ausgegangen, dass die Generationen X und Y Unterschiede in ihrer Motivation, ihrem Umweltbewusstsein und umweltfreundlichen Verhalten aufweisen (Severo et al., 2019).[3] Dies ist laut Severo, Ferro de Guimaraes, Dellarmelin & Parizotto Ribeiro (2019) auf die unterschiedliche Mediennutzung zurückzuführen. Soziale Medien sind ein großer Bestandteil des Alltags der Jugendlichen. Die Aktionsgruppen und Bewegungen wie Fridays For Future machen auf den Plattformen, die die Jugendlichen nutzen, auf die Notwendigkeit einer Veränderung des eigenen Verhaltens aufmerksam. Dies führt zu einer Anpassung der eigenen Handlungen. Orientiert an der Initiatorin und der Leitfigur Greta Thunberg setzen sich, mit wachsender Tendenz, tausende Jugendliche für klimaschonende Maßnahmen ein (Fridays For Future, 2020).[4] Baby-Boomer können durch ihre Kinder (Generation X und Generation Y) in ihren Einstellungen und ihrem Verhalten beeinflusst werden (Severo et al., 2019). Ausgehend von diesen Informationen lässt sich ableiten, dass Baby-Boomer mit Kindern ein stärkeres Interesse an umweltbewussten Verhalten aufweisen, als Baby-Boomer ohne Kinder.

Zudem stellen die Autoren Naumann, Hess und Steinkopf (2015) heraus, dass es noch keine Hinweise auf einen Generationenkonflikt gibt, vielmehr sollte bei einem Konflikt, von einem Konflikt zwischen verschiedenen politischen Einstellungen gesprochen werden.

Deshalb hat sich die Studiengruppe zum Ziel gesetzt, mögliche Konflikt innerhalb einer Generation zu untersuchen. Hierbei liegt der Fokus auf der Generation der Baby-Boomer, es wird zwischen Baby-Boomer-Eltern und Baby-Boomern-Kinderlosen differenziert.

Zunächst wird ein theoretischer Hintergrund bezogen auf den Klimawandel, Risiko, Risikowahrnehmung und Generationen skizziert. Darauf aufbauend werden Fragestellungen und Hypothesen formuliert. Im Anschluss wird das Vorgehen der Arbeit erläutert. Daraufhin folgt die Darstellung der Ergebnisse und die darauf aufbauende Diskussion. Zuletzt werden die Erkenntnisse zusammengefasst und ein Ausblick auf zukünftige Forschungen gegeben.

Theorie und vorhandene Studien

Im Folgenden wird nun ein theoretischer Einstieg ins Thema hergestellt, welcher dazu dient, den Klimawandel, die Risikowahrnehmung sowie den Generationsbegriff zu definieren und zu erklären. Außerdem werden Studien dargestellt, die als Forschungsgrundlage und Ausgangspunkt der Untersuchung dienen. Des Weiteren wird die Generation `Baby-Boomer` vorgestellt und es werden Baby-Boomer-Eltern mit kinderlosen Baby-Boomern gegenübergestellt.

Klimawandel

Unter dem Begriff Klimawandel wird in allgemeiner Verwendung die kulturell verursachte Veränderung des Klimas auf der Erde verstanden (Günther, 2020). [5]

Das sich wandelnde Klima birgt erhebliche und vermehrte Risiken für die Ernährungssicherheit, die Wasserverfügbarkeit, die Gesundheit, das Wohnen, die Infrastruktur, die Landwirtschaft und die natürlichen Ökosysteme. Derzeit sind sich 97 % der Klimawissenschaftler einig, dass der Klimawandel durch menschliches Verhalten verursacht wird (Sanson, Burke & Van Hoorn, 2018).[6] Der Anstieg der Temperatur birgt nachhaltige Folgen in Form von extremen Wetterereignissen. Beispiele hierfür wären Waldbrände, Überschwemmungen, Stürme oder Hitzewellen. Darüber hinaus sind der Anstieg des Meeresspiegels sowie die Beeinträchtigung des Lebensraumes Folgen des Klimawandels. Nicht nur die unmittelbaren, sondern auch die langfristigen Auswirkungen beeinflussen Menschen und ihre Umgebung. Eine wachsende wirtschaftliche Not, eine höhere Krankheitsprävalenz, eine erhöhte Sterblichkeit, eine erzwungene Migration und das Aussterben von Arten gehen ebenfalls mit dem Klimawandel einher (Sanson, Burke & Van Hoorn, 2018). Daraus resultieren psychische Beeinträchtigungen wie post-traumatische Belastungsstörungen, Stress, Wut, Identitätsverlust oder auch Hilflosigkeit (Clayton, 2017 nach Sanson, Burke & Van Hoorn, 2018 & Kollmuss & Agyeman, 2010, S.240).[7] Vielmehr bedeutet dies für Kinder Depressionen, Schlaf- und Angststörungen, kognitive Defizite und Lernprobleme zu erfahren (Sanson, Burke & Van Hoorn, 2018, a.a.O.).

Umweltbewusstes Verhalten und Nachhaltigkeit

Ausgehend von dieser Datengrundlage, leitet sich für viele Menschen ein umweltbewusstes Verhalten als Konsequenz ab. Dieses wird als eine bewusste Handlung definiert, die versucht, negative Auswirkungen zu minimieren. Exemplarisch versuchen Menschen ihren Ressourcen- und Energieverbrauch zu minimieren. Dieses Verhalten wird von verschiedenen Faktoren wie kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und umweltbezogenen Kenntnissen oder Einstellungen beeinflusst (Kollmuss & Agyeman, 2010, S.240, a.a.O.).

Dabei hat der Begriff der Nachhaltigkeit an Bedeutung gewonnen. Die Nachhaltigkeit ist die Entwicklung, die dazu führt, dass die Notwendigkeiten der Gegenwart mit den Bedürfnissen der zukünftigen Generation vereinbart werden, ohne diese zu benachteiligen (Kapferer & Michaut- Denizeau, 2019, a.a.O.).

Die Studie von Bradley, G. L., Babutsidze, Z., Chai, A. und Reser, J. P. (2020) setzt sich damit auseinander, zu welchem Ausmaß Einstellungen zum Klimawandel ein umweltfreundliches Verhalten vorhersagen können. Die drei untersuchten Faktoren waren die Risikowahrnehmung bezüglich des Klimawandels , der Grad, zu welchem die wirksamen Handlungen diese Risiken mindern als auch die psychologische Anpassung an den Klimawandel. Es wird davon ausgegangen, dass, wenn alle diese drei Faktoren bei den Probanden hoch ausgeprägt sind, dieser Mensch mehr dazu bereit ist, ein nachhaltiges Verhalten anzunehmen.

Allgemein wurden diese Faktoren für die französische und australische Bevölkerung untersucht und gegenübergestellt. Es wurde herausgefunden, dass in beiden Stichproben kein Zusammenhang zwischen der Risikowahrnehmung und einem umweltbewussten Verhalten besteht. Es wurde bestätigt, dass dieses Verhalten durch die oben genannten Faktoren bestimmt wird. Zudem ergab sich, dass sich die Variablen "ökologisches Selbstbild" und "Naturverbundenheit" direkt auf die "Risikowahrnehmung", die "Wirksamkeit der Handlungen" und die "Psychologische Anpassung" der Menschen auswirken. Das "ökologische Selbstbild" ist nicht nur ein Prädiktor für umweltfreundliche Handlungen und Lebensstile, sondern auch Teil der Selbstdarstellung. Die Studie zeigte, dass insbesondere das "ökologische Selbstbild" und die "Psychologische Anpassung" wichtige Prädiktoren für umweltschonendes Verhalten sind. Aus der Studie können keine allgemeingültigen Aussagen abgeleitet werden, da sich die Ergebnisse stark auf länderspezifische und kulturelle Hintergründe beziehen.

In dieser Hausarbeit wird nicht tiefgehend auf die Ergebnisse der Studie eingegangen, da nur zwischen der französichen und australischen Stichprobe differenziert wird und somit keine allgemeingültigen Aussagen abgeleitet werden könnnen.


Auswirkungen auf die Erziehung

Das Gehirn und der Körper von Kindern entwickeln sich sehr schnell und sind deshalb sehr empfänglich für den Kontakt mit der Umgebung und die dadurch entstehenden gesundheitlichen Folgen (Garcia & Sheehan, 2016 nach Sanson, Burke & Van Hoorn, 2018, a.a.O.). Viele junge Menschen glauben daran, dass die Welt durch die Folgen des Klimawandels endet (Sanson, Burke & Van Hoorn, 2018. a.a.O.). Eltern haben die Pflicht, sich für kollektive Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an den Klimawandel zu organisieren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Kinder und Enkelkinder durch den Klimawandel ernsthaft bedroht werden. Weiter wird argumentiert, dass Eltern für ihre entfernten Nachkommen eine Verantwortung tragen, weshalb sie an der Milderung des Klimawandels beitragen sollten. Es kann insgesamt von einer moralischen Pflicht den Kindern gegenüber gesprochen werden, welche die Eltern in die Verantwortung zieht (Cripps, 2017).[8] Über die moralische Pflicht hinaus, ist es für Eltern wichtig, ihre Erziehung und Kommunikation hinsichtlich des Klimawandels anzupassen. Allgemein empfiehlt es sich, gemeinsame Aktivitäten wie Recycling und Gemüseanbau in den Alltag zu integrieren. Diese gemeinsamen Aktivitäten können bei der Entwicklung bestimmter Fähigkeiten wie Kooperation, geteilte Werte, ziviles Engagement und Gesellschaftsorientierung unterstützend wirken. Zudem sollte das Mitgefühl, das Vertrauen und die Toleranz gefördert werden. Dadurch entwickelt sich zwischen Eltern und Kind ein Vertrauensverhältnis, indem die Kinder den Eltern von ihren Sorgen berichten können. Die Eltern dienen dabei als psychologische und pragmatische Unterstützung. In der frühen Entwicklung der Kinder ist es wichtig, eine Affinität zur Natur aufzubauen und den Kindern Raum für den Ausdruck von Gefühlen, Ideen und Gedanken zu geben. Dabei ist das aktive und bewusste Zuhören der Eltern eine Grundlage des Vertrauensverhältnisses. Darunter fällt, Fehleinschätzungen zu korrigieren und für Probleme, der Kinder, Lösungen darbieten zu können. In der Jugend wird die Thematik über die Familie hinaus auch in der Schule, in den Medien und durch die Gesellschaft behandelt. Dennoch sollten die Familienwerte bewahrt und ein umweltfreundliches Verhalten gefördert werden (Sanson, Burke & Van Hoorn, 2018, a.a.O.).

Insgesamt ist es in der Kommunikation von hoher Bedeutung, die psychologischen Phänomene wie Vermeidung und Verleugnung, zu minimieren. Dies kann beispielsweise durch eine adäquate Medienkommunikation erreicht werden. Es sollte ein Bewusstsein für die Aktualität der Klimakrise geschaffen werden, das zur Handlung aufruft. Ferner sollten die Probleme dargelegt und Lösungsansätze aufgezeigt werden. Unterstützend können Bilder und Geschichten implementiert werden, die zu einer Identifikation der Rezipienten mit den Inhalten führen. Die Einnahme verschiedener Perspektiven und das Hervorrufen von Mitgefühl können dazu führen, diese psychologischen Phänomene einzudämmen (Sanson, Burke & Van Hoorn, 2018, a.a.O.).

Risiko und Risikowahrnehmung

Im Folgenden wird der Begriff Risiko definiert. Es wird zwischen objektivem und subjektivem Risiko differenziert. Darüber hinaus wird der Begriff Risikowahrnehmung von Entscheidungen unter Unsicherheit abgegrenzt.

Erläuterung von Begriff und Theorie

Der Begriff „Risiko“ beschreibt die Unsicherheit der Konsequenzen bei Entscheidungen. Ein Risiko kann negative Folgen implizieren. Risikowahrnehmung bedeutet, wie Menschen im Alltag Risiken wahrnehmen und mit ihnen umgehen (Jungermann, Pfister, Fischer, 2017).[9] Hierbei werden jedoch sowohl individuelle als auch soziale oder politische Entscheidungen betrachtet. Demzufolge kann die Risikowahrnehmung nicht als affektiv neutral eingeordnet werden (Jungermann, Pfister, Fischer, 2017). Sie umfasst nach Sjöberg (1998)[10] stets Reaktionen der Furcht, Sorge oder Bedrohung. Die affektive Stimmung beeinflusst die Urteile und Einschätzungen von Risiken. In dem Zusammenhang wird auch von der Risk- as feelings Hypothese gesprochen (Löwenstein, et al., 2001).[11] Es wird davon ausgegangen, dass Menschen ihre Stimmungslage als Ausgangsinformation für Urteile und Entscheidungen nehmen. Ferner können Emotionen als Reaktionen auf ein wahrgenommenes Risiko verstanden werden. Generell wird zwischen verschiedenen affektbasierten Stimmungen unterschieden, die unterschiedliche Verhaltensweisen zur Folge haben: Das Gefühl der Furcht oder Trauer wird mit einem Hilfeverhalten in Verbindung gebracht. Ärger hingegen führt zu einer Handlung, die sich gegen den Auslöser dieser Gefühle richtet (Jungermann, Pfister, Fischer, 2017, a.a.O.).

Im Gegensatz dazu stehen "Entscheidungen unter Unsicherheit", wo Risiko nur bedeutet, dass eine bestimmte Konsequenz mit einer entsprechenden Wahrscheinlichkeit eintritt. "Entscheidungen finden oft unter Unsicherheit statt." (Jungermann, Pfister, Fischer, 2017, S.171, a.a.O.). Allgemein wird unterschieden zwischen Entscheidungen unter Risiko und Entscheidungen unter Unsicherheit. Unter Entscheidungen in Unsicherheit wird verstanden, dass der Entscheider die damit verbundenen Konsequenzen nicht kontrollieren kann und diese abwägt (Jungermann, Pfister, Fischer, 2017, a.a.O.). Kellstedt, et al. (2008) fanden heraus, dass Menschen mit höherem Einkommen das Risiko als größer wahrnehmen als Menschen mit geringerem Einkommen.

In der Literatur wird zwischen subjektivem und objektivem Risiko unterschieden. In subjektiven Risikourteilen sind zwei Indikatoren vorherrschend: die emotionalen Reaktionen und die moralischen Urteile (Jungermann, Pfister, Fischer, 2017, a.a.O.). Hierbei steht das Ausmaß der Konsequenz von Risikourteilen im Vordergrund. Weniger wichtig hingegen wird die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Konsequenz erachtet (Jungermann, Pfister, Fischer, 2017, a.a.O.).

G.F. Böl [12] hat darüber hinaus soziokulturelle Faktoren für die subjektive Risikowahrnehmung definiert. Hierbei wird der Begriff der subjektiven Risikowahrnehmung durch die persönliche Betroffenheit abgegrenzt. Dies bedeutet, dass der Mensch involviert und von dem Ausmaß der Folgen unterschiedlich stark betroffen ist. Zudem besteht eine Wahlmöglichkeit zwischen einer freiwilligen oder erzwungenen Risikoübernahme. Um eine Kontrollierbarkeit der Situation zu schaffen, nutzt der Mensch Handlungsoptionen, um das Eintreten des Risikos zu vermeiden (Böl, 2011, a.a.O.).

Das objektive Risiko, auch als das messbare Risiko zu bezeichnen, beschreibt eine Form des Risikos, welche auf naturwissenschaftlichen und quantifizierbaren Risikokriterien aufbaut. Es gilt zwischen den klassischen und sonstigen Kriterien zu unterschieden. Die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Schadens wie auch der Schadensumfang zählen zu den klassischen Kriterien. Unter Schadensumfang kann die räumliche Verbreitung sowie die zeitliche Ausdehnung des Schadens und die Wiederherstellbarkeit des vorherigen Zustandes verstanden werden (Böl, 2011, a.a.O.).

Generationen

Im folgenden Kapitel wird der Begriff Generation definiert und von dem Begriff Kohorten abgegrenzt. Außerdem wird speziell auf die Generation der Baby-Boomer eingegangen.

Kohorten und Generationen

Unter dem Begriff Kohorten sind die Gruppen von Geburtsjahrgängen gemeint. Menschen einer Kohorte erleben aufgrund des gemeinsamen Geburtszeitraums die gleichen historischen oder gesellschaftlichen Ereignisse (Menning & Hoffmann, 2009).[13]

Der Begriff Generation beschreibt die Gesamtheit von Menschen des gleichen oder zeitlich nahen Geburtsjahres, die vergleichbare soziale Ansichten und Einstellungen ihrem Leben gegenüber haben. Allgemein kann die genaue Generation nicht zeitlich präzise gefasst werden, da aus der Literatur unterschiedliche Meinungen hervorgehen. Es wird häufig von dem Zeitraum der Jugend gesprochen, in dem sich junge Menschen mit der Umgebung auseinandersetzen und diese hinterfragen. In diesem Abschnitt des Lebens entwickeln Heranwachsende ihre Werte. Ferner wird betont, dass es um die gemeinsamen Erfahrungen, die in dieser Zeit gemacht werden, geht und dass diese Erfahrungen verschiedene Jahrgänge zusammenbringen. Allgemein wird von einem fließenden Übergang zwischen den Jahren gesprochen, in denen die Rahmenbedingungen vergleichbar waren (Mangelsdorf, 2020).[14]

Die Begriffe Kohorten und Generation lassen sich dadurch abgrenzen, dass Kohorten sich nur auf die Geburtsjahrgänge beziehen. Der Generationsbegriff bezieht sich auf die Werte und Einstellungen der Menschen, die zu einem ähnlichen Zeitpunkt geboren wurden.

Baby-Boomer

In der Literatur wird bis heute keine genaue Angabe eines Jahresintervalls für die Generation Baby-Boomer definiert. Es wird oft von einem Zeitraum für das Geburtsjahr von Baby-Boomern zwischen 1946 - 1964 gesprochen. In der vorliegenden Arbeit wird dieser Zeitrahmen von 1942 bis 1982 gefasst. Baby-Boomer wurden nach dem 2.Weltkrieg geboren und waren die erste Generation, die die Internationalisierung und Globalisierung von Handel, Ernährung und Kultur erlebte (Parment, 2013).[15] Außerdem wird diese Generation als individualistisch angesehen, die sich auf Selbstdarstellung und persönliche Erfüllung konzentriert. Zudem verfolgen sie eine hohe moralische Lebensweise, zu der das umweltbewusste Verhalten gehört. Sie beginnen als erste Generation, sich Gedanken über die Auswirkungen ihrer Handlungen auf die nachfolgenden Generationen zu machen (Fajersson & Macarena, 2013).[16]

Die Studie von Severo, Ferro de Guimaraes, Dellarmelin & Parizotto Ribeiro (2019) hat sich mit dem Einfluss von sozialen Netzwerken auf das Umweltbewusstsein und die Soziale Verantwortung von Generationen auseinandergesetzt. Die Stichprobe umfasst 2692 valide Fälle. (Das Cronbachs Alpha hat einen Wert über .7 und kann somit als gut eingeordnet werden.) Die Studie untersucht die folgenden vier Konstrukte: „Soziale und Umweltnetzwerke“, „Soziale Netwerke und Soziale Verantwortung“, „Umweltbewusstsein“ und „Bewusstsein für Soziale Verantwortung“. Aus der Studie ergab sich, dass die meisten Menschen nicht aktiv nach Informationen über Nachhaltigkeit suchen. Die Forscher differenzierten zwischen Baby-Boomern, Generation Y und Generation X. Bei der Betrachtung der Baby-Boomer wurde herausgearbeitet, dass sie mehr Informationen zu Umweltthemen suchen und dies folglich Einfluss auf die Bildung von Umweltbewusstsein hat. Zudem reagieren sie sensibel auf soziale Fragen und haben somit ein ausgeprägtes Bewusstsein für soziale Verantwortung. Das Umweltbewusstsein korreliert mit Praktiken, die unter das Konstrukt „Bewusstsein für Soziale Verantwortung“ fallen. Daraus lässt sich ableiten, dass Personen mit einem „Umweltbewusstein“ auch sozial verantwortlich sind. Severo et al. (2019) beziehen sich in dem Zusammenhang darüber hinaus auf Forschungsergebnisse von Schroeder und Anantharaman (2017).[17] Aus diesen geht hervor, dass ein höheres Maß an Wissen über Umweltfragen mit einer nachhaltigen Einstellung einhergeht. Es wurde eine Untersuchung durchgeführt, inwieweit soziale Netzwerke die Meinungsbildung beeinflussen. Diese ergab, dass Personen, die Informationen (Videos, Fotos, Texte) in Bezug auf soziale Verantwortung und Umweltverträglichkeit ausgesetzt sind, bei der Bildung des Umweltbewusstseins positiv beeinflusst werden. Ferner besteht eine hohe Korrelation zwischen „Sozialen und Umweltnetzwerken“ und „Sozialen Netzwerken und Sozialer Verantwortung“. Dies deutet darauf hin, dass es einen starken Trend gibt, dass Personen, die Informationen über soziale Verantwortung suchen, auch Informationen über ökologische Nachhaltigkeit recherchieren. Diese Ergebnisse zeigen, dass soziale Netzwerke die Interaktion zwischen ihren Mitgliedern, den Austausch von Informationen sowie die Vereinigung von Ideen über gemeinsame Werte und Interessen ermöglichen (Severo et al., 2019, a.a.O.).

Generationenbezeichnungen (Baby-Boomer, Gen X, Gen Y, Gen Z)

Der Fokus dieser Studiengruppe beschränkt sich auf die Generation der Baby-Boomer. Die übergeordnete Forschung im Rahmen eines Praxismoduls wurde untergliedert in verschiedene Arbeitsgruppen, die zusätzlich auch die Generationen X, Y und Z untersuchen.

Die Arbeitsgruppe verweist auf die Gruppe, welche sich mit dem Vergleich der Generation der Baby-Boomer und Generation Z beschäftigt: "Generationenkonflikt?" 2 Risikowahrnehmung: Unterschiede zwischen "Boomern" und "Gen Z"

Ferner hat eine weitere Arbeitsgruppe sich damit auseinandergesetzt, wie sich Baby-Boomer von ihren eigenen Gen Z-Kindern unterscheiden: "Generationenkonflikt?" 3 Risikowahrnehmung: Unterschiede zwischen "Boomern" und ihren eigenen "Gen Z"-Kindern

Fragestellung und Hypothesen

Auf Basis der vorgestellten Theorien und Studien lassen sich folgende Hypothesen ableiten.

H1: Baby-Boomer ohne Kinder fühlen sich weniger verantwortlich für die Bekämpfung des Klimawandels als Baby-Boomer mit Kindern.

H2: Baby-Boomer ohne Kinder haben eine geringere Risikowahrnehmung als Baby-Boomer mit Kindern.

H0: Es gibt keinen Unterschied zwischen Baby-Boomer ohne Kinder und Baby-Boomer mit Kindern sowohl in der Risikowahrnehmung als auch in der Übernahme von Verantwortung zur Bekämpfung des Klimawandels.

Die aufgestellten Hypothesen werden untersucht und anhand der Ergebnisse falsifiziert oder verifiziert.

Methode

Die gewählte Erhebungsmethode ist die wissenschaftliche Befragung durch einen bereits bestehenden Fragebogen. Anders als Befragungen im Alltag, kennzeichnen sich wissenschaftliche Befragungen durch systematische Vorbereitungen, Zielgerichtetheit und theoriegeleitete Kontrolle (Atteslander, 2008).[18] Es handelt sich hierbei um ein quantitatives Verfahren, welches durch seine standardisierte Auswertungsweise einen hohen Grad an Objektivität, Reliabilität und Validität bietet. Die Analyse kann dadurch zu jedem Zeitpunkt unabhängig vom Testleiter wiederholt werden. Die Daten der Probanden*innen werden unter den gleichen Bedingungen erhoben. Ferner kann durch diesen Fragebogen ein vielfältiges Meinungsbild von Probanden*innen erhoben werden. Der Online-Fragebogen stellt ein weniger hohes Risiko für das Problem der Sozialen Erwünschtheit dar, da die Probanden*innen vor der Bearbeitung nicht über den Forschungsgegenstand Bescheid wissen (Thielsch & Weltzien, 2012).[19]

Die Methode des Online-Fragebogens über „SoSci Survey“ hat zum Vorteil, dass die Befragten eigenständig den Fragebogen ausfüllen und dadurch keine Beeinflussung des Testleiters auf die Probanden*innen stattfindet. Im Gegensatz zum Paper-Pencil Fragebogen bietet der Online-Fragebogen die Möglichkeit, leichter eine hohe Reichweite zu erzielen (Thielsch & Weltzien, 2012, a.a.O.). Bei der Erhebung der Daten wurde der Online-Fragebogen über soziale Netzwerke, wie Facebook, WhatsApp, Xing, LinkedIn oder E-Mail an den Bekanntenkreis und Umgebung weitergeleitet. Den Probanden*innen wurde im Vorhinein zugesichert, dass die erhobenen Daten vertraulich behandelt werden und nur zum Zwecke einer hochschulinternen Forschung dienen. Außerdem wird die Datenauswertung erleichtert, da die Daten digital gespeichert werden und somit die zeitaufwändige, eigenhändige Übertragung der Daten in SPSS wegfällt (Thielsch & Weltzien, 2012). Zugleich zeigt sich die Datenerfassung quantitativer Forschungen als ökonomischer und zeitsparender (Bortz & Döring, 2006).[20]

Der Fragebogen basiert auf der Untersuchung von Bradley, Babutsidze, Chai und Reser (2020). Da die Bearbeitung des gesamten Fragebogens zu viel Zeit beansprucht hätte, wurde dieser gekürzt. Zudem wurden Items ausgespart, die länderspezifisches Wissen zu Australien und Frankreich untersuchten. Der für die vorliegende Arbeit modifizierte Fragebogen besteht aus 26 Items und baut auf folgenden acht Konstrukten auf: Naturverbundenheit und psychologische Anpassung, Ökologisches Selbstbild, Risikowahrnehmung, Wirksamkeit der Handlung, Umweltbewusstes Verhalten, Direkte persönliche Erfahrungen und Wahrgenommene Betroffenheit der Region. Zudem wurden sozio-demographische Daten zum Geburtsjahr, Geschlecht, Bildungsstand, Besitz von Kindern, beruflichen Umgang mit Kindern und Gehalt abgefragt (Statistisches Bundesamt, 2020).[21]

Für die Bewertung des Fragebogens ist es nach der Betrachtung der Ergebnisse von hoher Bedeutung, die Reliabilität des Fragebogens zu prüfen. Dazu dient der Cronbachs Alpha-Wert, welcher Werte von − ∞ bis 1 annehmen kann.
Ein Wert größer als α= .6 wird als fragwürdig eingestuft. Der Cronbachs Alpha Wert größer als  α= .7 ist akzeptabel und ein Wert von α= .8 wird als gut oder hoch beschrieben (Blanz, 2015).[22] Bei der Berechnung der internen Konsistenz wurden die Cronbachs Alpha Werte für die  sieben zuvor beschriebenen Konstrukte berechnet. Die Werte variierten zwischen α= .66 und α= .85.

Um die interne Konsistenz zu bestimmen, wurde Cronbachs Alpha für die Subskala Naturverbundenheit und psychologische Anpassung mit insgesamt drei Fragen berechnet. Die interne Konsistenz war hoch mit einem Cronbachs Alpha Wert von α = .79. Das Konstrukt Ökologisches Selbstbild mit einer Frage hat einen Wert von α = .75. Einen Cronbachs Alpha Wert von α= .84 zeigt die Subskala Risikowahrnehmung mit insgesamt sechs Fragen auf. Die interne Konsistenz des Konstrukts Wahrgenommene Betroffenheit hat einen Cronbachs Alpha Wert von α = .71 mit insgesamt zwei Fragen. Die Subskala Wirksamkeit der Handlung nimmt einen Cronbachs Alpha Wert von α = .66 an mit einer Frage. Zudem wurde für die Facette Umweltbewusstes Verhalten ein Cronbachs Alpha Wert von α =.69 mit insgesamt fünf Fragen berechnet. Einen Cronbachs Alpha Wert von  α= .82 hat das Konstrukt Direkte persönliche Erfahrungen mit insgesamt drei Fragen erzielen können. Die Skalen Umweltbewusstes Verhalten sowie Wirksamkeit der Handlungen weisen einen fragwürdigen Cronbachs Alpha Wert auf. Dies wirkt sich auf die Messschärfe der Items aus und es kann dazu führen, dass nicht alle Ergebnisse zuverlässig sind. Diese Probleme zeichnen sich auch in der Untersuchung von Bradley, Babutsidze, Chai und Reser (2020) innerhalb der französischen Stichprobe ab.

Stichprobe

Insgesamt haben 98 Probanden*innen an der Untersuchung teilgenommen. Davon waren 32 Personen männlich, 65 weiblich und eine Person hat keine Angabe getroffen. Die Probanden*innen waren im Alter von 38 bis 78 Jahren und wurden von der Arbeitsgruppe unter der Generation der Baby-Boomer zusammengefasst. 67 der Probanden*innen haben eigene Kinder und 31 Personen haben keine Kinder. Die Hälfte aller Probanden*innen (50 %) haben ein Studium abgeschlossen. Insgesamt arbeiten 19 Probanden*innen beruflich mit Kindern und 79 ohne Kinder. Beide Gruppen haben ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 50 000 bis 74 999 Euro. Von den Teilnehmenden mit Kindern waren 20 männlich, 46 weiblich und eine Person hat keine Angabe zu dem Geschlecht getroffen. 32 (47,76 %) der Probanden*innen mit Kindern haben ein Studium abgeschlossen. 16 der Probanden*innen mit Kindern arbeiten beruflich mit Kindern zusammen. 51 Teilnehmende haben hingegen beruflich nichts mit Kindern zu tun. Bei den Teilnehmenden ohne Kinder waren 12 männlich und 19 weiblich. Die Probanden*innen ohne Kinder haben zu 54,84 % ein abgeschlossenes Studium. Drei der 31 Teilnehmenden ohne Kinder arbeiten beruflich mit Kindern zusammen.

Ergebnisse

Die folgenden Ergebnisse resultieren aus der beschriebenen Stichprobe. Die erhobenen Daten wurden mit PSPP ausgewertet, sowie graphisch dargestellt.

Abbildung 1. Besorgnis Allgemein. Quelle: eigene Darstellung

Insgesamt haben sich von den 98 Teilnehmenden 38 Probanden*innen als sehr besorgt eingeschätzt und 46 gaben an, ziemlich besorgt über die Folgen des Klimawandels zu sein. Bezogen auf die Besorgnis ist kein Unterschied zwischen den Baby-Boomern mit Kindern und ohne Kinder zu erkennen.

Abbildung 2. Verschmutzungsarten. Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 3. Wohnsituation. Quelle: eigene Darstellung


Die Probanden*innen gehen eher davon aus, dass sich der Klimawandel auf ihre Gesundheit und Umgebung auswirkt als auf ihre wirtschaftliche und finanzielle Lage. Die Baby-Boomer mit und ohne Kinder unterscheiden sich nicht wesentlich in ihren Einschätzungen. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Teilnehmenden die Verschmutzungsarten Luftverschmutzung, Grundwasserverschmutzung, Erdbodenverschmutzung, Lärmbelästigung und Lichtverschmutzung als Gefahr einschätzen. Die meisten sind bei einem Mittelwert von 5 also besorgt. Die Meinungen der Probanden*innen gehen bei den meisten Verschmutzungsarten nicht weit auseinander. Eine Ausnahme bildet das untergeordnete Item „Lichtverschmutzung“ mit einer Standardabweichung von 1,31. Bei der Aufgabe, die derzeitige Wohnsituation zu beschreiben, gaben 46,94 % an, ländlich zu wohnen. 34,69 % beschreiben ihre Wohnsituation als vorstädtisch und 18,37 % als städtisch. Bei dem Vergleich der beiden Probanden*innengruppen hat sich ergeben, dass mehr als die Hälfte (52,24 %) der Baby-Boomer mit Kindern ländlich wohnen. 35,82 % wohnen vorstädtisch und nur 11,94 % städtisch. Die Verteilung der Baby-Boomer ohne Kinder zwischen den drei Optionen ist relativ ausgewogen. Zehn Probanden*innen wohnen städtisch, zehn vorstädtisch und elf ländlich.

Die Hälfte der Probanden*innen geht davon aus, dass der Klimawandel hauptsächlich durch menschliches Verhalten verursacht wird. Auch die Beantwortung einer anderen Aussage spiegelt diese Meinung wider. Der Mittelwert von 2,18 mit einer Standardabweichung von 0,96 beschreibt die Ansicht der Probanden*innen, dass der Mensch für die globale Erwärmung und den Klimawandel verantwortlich sei. Jedoch sind sie der Auffassung, dass ihre Handlungen einen positiven Einfluss darauf hätten, wie sie über den Klimawandel denken und fühlen.

Abbildung 4. Gefährdung der Region durch Naturkatastrophen. Quelle: eigene Darstellung

Die Probanden*innen mussten zudem die Anfälligkeit für die Gefährdung der Region durch Naturkatastrophen einschätzen. Anhand des Mittelwertes von 3,5 und einer Standardabweichung von 1,07 ist zu erkennen, dass die Probanden*innen ihre Region als eher gefährdet einschätzen. Dennoch stufen 54,08 % aller Teilnehmenden ihre Region als eher nicht gefährdet bis nicht gefährdet ein. Zwischen den Baby-Boomern mit und ohne Kindern ist kein Unterschied zu erkennen.


Abbildung 5. Diskussionspartner/Baby-Boomer mit und ohne Kinder. Quelle: eigene Darstellung

Die Probanden*innen teilen ihre Gedanken und Gefühle zum Klimawandel manchmal mit anderen Menschen, was sich an dem Mittelwert von 1,82 und der Standardabweichung von 0,79 abzeichnet. Hier gibt es einen Unterschied zwischen den Kinderlosen Baby-Boomern und den Baby-Boomern mit Kindern. Baby-Boomer-Eltern sprechen häufig mit anderen über ihre Gedanken und Gefühle zum Klimawandel, hingegen tut das nur jeder vierte Baby-Boomer ohne Kinder. Diese Gedanken zum Klimawandel werden von den Probanden*innen zu 87,76 % mit Freunden und engen Familienangehörigen, zu 33,67 % mit Personen aus der ähnlichen Altersgruppe, zu 21,43 % mit Mitgliedern der lokalen Gemeinschaft und zu 14,29 % mit Fremden diskutiert. Fast alle (95,52 %) Baby-Boomer mit Kindern sprechen mit der Familie und Freunden über das Thema Klimawandel. Die Baby-Boomer ohne Kinder hingegen diskutieren nur zu 70 % mit der Familie und Freunden über den Klimawandel. Jeder zweite Baby-Boomer-Kinderlose spricht mit Menschen aus der ähnlichen Altersgruppe über den Klimawandel. Bei Baby-Boomern mit Kindern ist es nur jeder Vierte.

Abbildung 6. Rezeption von Medienberichten. Quelle: eigene Darstellung
Tabelle 1. Mittelwerte und Standardabweichung Baby-Boomer mit und ohne Kinder zum Thema Medienrezeption. Quelle: eigene Darstellung

Täglich schauen 19,4 % der Baby- Boomer mit Kindern Medienberichte, in denen über den Klimawandel und die damit verbundenen Risiken diskutiert wird. Die Probanden*innen ohne Kinder schauen nur zu 12,9 % Medienberichte zum Thema Klimawandel. Einmal pro Woche setzen sich Baby-Boomer mit Kindern zu 44,78 % mit Medienberichten zum Thema Klimawandel auseinander. Bei Baby-Boomern ohne Kinder sind es nur 35,48 %. Durchschnittlich rezipieren Baby-Boomer mit Kindern einmal pro Woche Medienberichte zum Thema Klimawandel. Hingegen schauen Baby-Boomer ohne Kinder durchschnittlich einmal im Monat Medienberichte zum Thema Klimawandel.

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass sich die Probanden*innen als Teil der Natur sehen. Sie gehen davon aus, dass ihr eigenes Wohlergehen mit dem Wohlergehen der Umwelt verbunden ist und erkennen und schätzen zugleich die Intelligenz anderer Lebewesen an. Es lässt sich ein Unterschied zwischen Baby-Boomer mit und ohne Kinder in den folgenden beiden Items erkennen: Der Mittelwert bei dem Item „Ich fühle mich oft mit der Natur verbunden“ liegt bei Baby-Boomern mit Kindern bei 2,43 mit einer Standardabweichung von 0,92 und bedeutet somit, dass diese Einstellung zutrifft. Hingegen äußern sich die Baby-Boomer ohne Kinder der Aussage nur eher zustimmend zu dieser Aussage, was sich an dem Mittelwert von 2,68 mit einer Standardabweichung von 1,22 abzeichnet. Allerdings deutet die höhere Standardabweichung darauf hin, dass sich die Baby-Boomer ohne Kinder weniger einig sind und die Meinungen weiter streuen. Die gleiche Einstellung der zwei Probandengruppen spiegelt sich auch in dem Item „Mein eigenes Wohlergehen ist mit dem Wohlergehen der Umwelt verbunden.“ wider. Der Mittelwert der Baby-Boomer mit Kindern liegt bei 2,25 mit einer Standardabweichung von 0,91. Bei den Baby-Boomern ohne Kinder ist der Mittelwert 2,74 bei einer Standardabweichung von 1,15.

60,2 % der Probanden*innen halten sich für jemanden, der sich mit Umweltfragen beschäftigt. Über die Hälfte (54,08 %) sind der Meinung, dass es ein wichtiger Teil von ihnen ist, umweltfreundlich zu sein. Hingegen identifizieren sich nur 37,76 % der Teilnehmenden mit den Zielen von Umweltgruppen wie zum Beispiel Greenpeace oder Friends of the Earth. Es zeichnen sich in diesen Aussagen keine Unterschiede zwischen Baby-Boomern mit und ohne Kindern ab.

Abbildung 7. Kauf eines umweltschonenden Kühlschrankes. Quelle: eigene Darstellung

Ein Item stellt die Teilnehmenden vor die Aufgabe, einen neuen Kühlschrank zu erwerben. Dabei sollen sie sich zwischen einem Kühlschrank, der den durchschnittlichen Anforderungen in Preis, Größe, Haltbarkeit, Geräuschpegel und Stromverbrauch entspricht und einem umweltfreundlicheren Modell entscheiden. Es soll das Ausmaß in Prozent des Preises des durchschnittlichen Kühlschrankes angegeben werden, welches die Probanden*innen bereit wären, mehr zu zahlen. Dabei variieren die Antwortmöglichkeiten von 0 %, 5 %, 10 %, 25 %, 50 %, 75 % 
und 100 % oder mehr. Der Mittelwert von 3,69 deutet darauf hin, dass die Teilnehmenden bereit wären, bis zu 25 % mehr für einen umweltfreundlicheren Kühlschrank auszugeben.

37 von den 67 Probanden*innen mit Kindern würden sich als umweltfreundlich bezeichnen. 18 von diesen 37 geben an, dass sie bereit wären, 25 % mehr als den eigentlichen Kaufpreis für einen umweltfreundlichen Kühlschrank zu bezahlen. Die Probanden*innen, die angeben, nicht umweltfreundlich zu sein, wären auch nicht dazu bereit, mehr Geld für ein umweltfreundlicheres Modell auszugeben.  

16 von den 31 Probanden*innen ohne Kinder würden sich ebenfalls als umweltfreundlich bezeichnen. Sechs von den 16 Probanden*innen geben an, dass sie bereit wären, 25 % mehr als den eigentlichen Kaufpreis für einen umweltfreundlichen Kühlschrank zu bezahlen. Die drei Teilnehmenden, die meinen, dass Umweltfreundlichkeit kein Teil von ihnen ist, würden durchschnittlich 45% mehr für einen umweltfreundlichen Kühlschrank ausgeben. Durch die Diskrepanz, welche aus der unterschiedlichen Beantwortung entsteht, geht die Arbeitsgruppe davon aus, dass die Frage von den drei Teilnehmenden missverstanden wurde.

Abbildung 8. Nutzung ÖPNV. Quelle: eigene Darstellung
Abbildung 9. Nutzung Auto. Quelle: eigene Darstellung

Die Probanden*innen nutzen privat am häufigsten das Auto und gehen zu Fuß. Öffentliche Verkehrsmittel werden sowie das Fahrrad eher selten genutzt. Beruflich hingegen nutzen die Teilnehmenden nur das Auto. Alle anderen Verkehrsmittel werden selten oder eher selten genutzt. Trotz der Tatsache, dass sich 55 % der Probanden*innen mit Kindern als umweltfreundlich bezeichnen, nutzen nur 9 % dieser Probanden*innen privat die öffentlichen Verkehrsmittel immer bis häufig. Darüber hinaus fahren 43,24 % dieser Probanden*innen immer bis häufig mit dem Auto. Vier von den 16 Baby-Boomern ohne Kinder, die sich als umweltfreundlich bezeichnen, nutzen öffentliche Verkehrsmittel immer bis häufig. Trotzdem fahren 37,5% häufig bis immer mit dem Auto. Die Fahrzeuge der Probanden verbrauchen am meisten den Kraftstoff Super (62,24 %) und Diesel (34,69 %), jedoch gibt es wenige Teilnehmende, die einen Hybrid- oder Elektromotor besitzen (7,14 %). Die vier Probanden*innen, die ein Elektroauto besitzen, haben Kinder. Von den Baby-Boomern ohne Kinder haben vier Probanden*innen kein Auto.

Die Teilnehmenden neigen mittlerweile dazu, ihren Konsum beziehungsweise ihre Konsumgüter bezüglich ihrer Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Dies kann aus dem Mittelwert 2,33 und der Standardabweichung von 0,87 abgeleitet werden. Zudem haben sie eher ihre Art und Weise geändert, wie sie über die Ernsthaftigkeit von Umweltproblemen denken, welche durch den Klimawandel ausgelöst worden sind. Dies stellt der Mittelwert 2,8 und die Standardabweichung von 1,14 dar.

Der Mittelwert von 2,68 und die Standardabweichung von 0,96 deutet darauf hin, dass die Teilnehmenden prinzipiell eher dazu neigen, Medienberichten, Artikeln und Diskussionen über die Natur oder die Auswirkungen des Klimawandels Aufmerksamkeit zu schenken. Jedoch haben sie nicht ernsthaft in Betracht gezogen, an andere Orte zu ziehen. Dies zeigt der Mittelwert von 4,66 mit einer Standardabweichung von 1,21. Auch hier finden sich keine Unterschiede in der Einschätzung der Baby-Boomer mit und ohne Kinder.

27 Probanden*innen mit Kindern sind sehr besorgt um das Klima und zeigen dies auch in einem umweltbewussten Verhalten. 88,89 % dieser Probanden*innen schalten Elektronik aus, wenn sie nicht benutzt wird. Sie bemühen sich, so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen und reduzieren den Plastikkonsum. 96,3 % der Teilnehmenden bemühen sich, bereits vorhandene Gegenstände wiederzuverwenden anstatt neue Dinge zu kaufen. Zudem verwenden genauso viele Probanden wiederverwendbare Einkaufstaschen anstelle von Papier-oder Plastiktüten. 74 % verwenden einen wiederverwendbaren Getränkebehälter und bemühen sich, den Konsum von Rindfleisch zu reduzieren. Zudem kaufen sie lokale/biologische Lebensmittel ein oder bauen eigene Lebensmittel an. 92,59 % bemühen sich, ihre Menge vom erzeugten Abfall zu reduzieren und 81,48 % recyceln. Ein ähnliches Bild vermittelt sich bei den 31 Probanden*innen, die ziemlich besorgt sind, wider. Exemplarisch für die Probanden*innen, die nicht sehr besorgt um den Klimawandel sind, haben nur 33 % angegeben, dass sie um einen geringen Wasserverbrauch bemüht sind. Die Baby-Boomer ohne Kinder ergreifen ähnliche, aber insgesamt weniger Maßnahmen, um ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. 90,91 % sind darum bemüht, den Plastikkonsum zu reduzieren. Alle nutzen wiederverwendbare Einkaufstaschen anstelle von Papier-oder Plastiktüten. 81,82 % sind bemüht, ihre Menge von erzeugtem Abfall zu reduzieren und bemühen sich, bereits vorhandene Gegenstände wiederzuverwenden anstatt neue Dinge zu kaufen. 72,73 % verwenden einen wiederverwendbaren Getränkebehälter und schalten Elektronik aus, wenn sie nicht benutzt wird.

Die Probanden*innen benennen keinen Grund als zutreffend, weshalb sie mehr Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels ergreifen sollten.

Abbildung 10. Bemühungen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Quelle: eigene Darstellung

Abseits der Korrelation mit der allgemeinen Besorgnis zeichnen sich signifikantere Unterschiede zwischen den Baby-Boomern mit und ohne Kindern ab. Diese Unterschiede zeigen sich in den Bemühungen bezüglich der Maßnahmen, die sie ergreifen, um ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Dreiviertel (74,63 %) der Baby-Boomer-Eltern bemühen sich, so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen. Hingegen achten bei den Baby-Boomer-Kinderlosen nur 54,84 % darauf, möglichst wenig Wasser zu verbrauchen. 64,18 % der Baby-Boomer mit Kindern verwenden einen wiederverwendbaren Getränkebehälter, bei den Baby-Boomern ohne Kinder sind es sogar 77,42 %. Bei den Baby-Boomern mit Kindern geben 61,19 % an, sich zu bemühen, die Rindfleischmenge, die sie essen, zu reduzieren. Bei den Baby-Boomern ohne Kinder sind es hingegen nur 48,39 %. Der letzte Unterschied zeigt sich bei dem Kauf von lokalen/biologischen Lebensmitteln oder dem Anbau von eigener Nahrung. 71,64 % der Baby-Boomer mit Kindern und 58,06 % der Baby-Boomer ohne Kinder bemühen sich, diese zu erwerben.

Im Durchschnitt verdienen die Teilnehmenden zwischen 50.000 € - 74.999 €, was sich an einem Mittelwert von 3,29 mit einer Standardabweichung von 1,33 ablesen lässt. Die Standardabweichung weist jedoch darauf hin, dass die Probanden unterschiedlich viel verdienen.

Tabelle 2. Korrelationsmatrix Skalen. Quelle: eigene Darstellung

Wie an Tabelle 2 zu erkennen ist, bestehen zwischen 2 x 2 Skalen deutliche Zusammenhänge. Zwischen den Skalen Ökologisches Selbstbild und Naturverbundenheit besteht ein mittlerer Zusammenhang mit einem Wert von 0,61. Ferner ist ein starker Zusammenhang zwischen den Skalen Risikowahrnehmung und direkter persönlicher Erfahrung mit einem Wert von 0,93 zu erkennen.

Tabelle 3. T-Test Skalen. Quelle: eigene Darstellung

Um die Hypothesen verifizieren oder falsifizieren zu können, dient die Berechnung der Signifikanz durch den T-Test. Von einem signifikanten Unterschied wird gesprochen, wenn sich ein Wert unter 0,05 ergibt. Anhand der in Tabelle 3 aufgeführten Werte, ist deutlich zu erkennen, dass keine Skala einen Wert von unter 0,05 erzielt. Somit kann H0 verifiziert werden. Es ergeben sich keine Unterschiede zwischen Baby-Boomern mit und ohne Kinder. Dies bedeutet, dass H1 und H2 falsifiziert werden.

Diskussion

Die Risikowahrnehmung des Klimawandels hat medial in den letzten Jahren mehr an Präsenz gewonnen. Trotzdem unterscheiden sich Menschen in ihrer Wahrnehmung des Klimawandels und dessen Auswirkungen. Dabei lassen sich auch Unterschiede innerhalb einer Generation feststellen. Die Arbeitsgruppe hat sich bei ihrer Untersuchung auf die Unterschiede in der Generation der Baby-Boomer fokussiert. Hierbei wurde analysiert inwiefern Baby-Boomer mit und ohne Kinder in ihren Meinungen variieren. Im folgenden Teil werden die Ergebnisse interpretiert und diskutiert.

Hinsichtlich der Besorgnis über die Folgen des Klimawandels haben sich keine Unterschiede zwischen den Baby-Boomer- Kinderlosen und Baby-Boomer-Eltern abgezeichnet. Insgesamt sind die Probanden*innen sehr bis ziemlich besorgt über die Folgen des Klimawandels. Die Befragten sind sich über die Folgen des Klimawandels bewusst und nehmen an, dass sich der Klimawandel negativ auf ihre Gesundheit und ihre Umwelt auswirkt.

Bei ihren Einkäufen neigen die Teilnehmenden dazu, Produkte bezüglich ihrer Nachhaltigkeit zu prüfen. Dies zeichnet sich auch in ihrem alltäglichen Verhalten ab. Das umweltbewusste Verhalten der Baby-Boomer mit und ohne Kinder unterscheidet sich geringfügig. Der größte Unterschied besteht in der Bemühung, so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen. Nur circa die Hälfte der Baby-Boomer-Kinderlosen bemüht sich darum, bei den Baby-Boomern mit Kindern sind es deutlich mehr (74,63 %), die sich um einen geringeren Wasserverbrauch bemühen. Dies kann darauf zurückzuführen sein, dass innerhalb von Haushalten mit Kindern ein generell höherer Wasserverbrauch entsteht. Durch dieses Bewusstsein versucht die Familie, Wasser zu sparen. Die Bemühung, den Wasserverbrauch zu reduzieren, entspringt einem finanziellen und/oder ökologischen Motiv.

Ein weiterer Unterschied liegt bei dem Kauf von lokalen/ ökologischen Lebensmitteln oder dem Anbau von eigenem Obst und Gemüse. Die Baby-Boomer mit Kindern achten eher darauf, lokale oder ökologische Lebensmittel zu erwerben. Das könnte daraus resultieren, dass Eltern Wert darauf legen, ihre Kinder gesund zu ernähren.

95,52 % der Baby-Boomer mit Kindern sprechen mit der Familie und Freunden über den Klimawandel. Hingegen diskutieren nur 70,97 % der Baby-Boomer ohne Kinder mit Angehörigen und Freunden über das Thema. Jede*r zweite Baby-Boomer-Kinderlose tauscht sich mit Personen aus der ähnlichen Altersgruppe über den Klimawandel aus und jede*r Fünfte ist dazu bereit, mit Fremden über das Thema zu diskutieren. Daraus könnte sich ableiten lassen, dass Baby-Boomer mit Kindern mehr von den Meinungen ihrer Kinder als von den Meinungen ihrer eigenen Kohorte geprägt werden. Da Baby-Boomer ohne Kinder zudem auch mit Mitgliedern der lokalen Gemeinschaft und Personen aus der ähnlichen Altersgruppe über den Klimawandel diskutieren, kann daraus geschlossen werden, dass auch sie von den Meinungen der Kinder und von umweltbewussten Menschen beeinflusst werden. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass die Meinungen der Baby-Boomer mit und ohne Kinder nicht so stark voneinander abweichen.

Zudem ergaben sich Unterschiede bezüglich der Wohnsituation. Die Hälfte der Baby-Boomer-Eltern leben ländlich, dagegen wohnt nur ein Drittel der Baby-Boomer ohne Kinder auf dem Land. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass Familien eher ländlich als städtisch wohnen, damit sie ihren Kindern ein verkehrssicheres, ruhiges und sauberes Wohnumfeld bieten können (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, 2009).[23] Ferner könnte es erklären, weshalb die Probanden*innen häufig das Auto nutzen. Auf dem Land ist die Verkehranbindung für den öffentlichen Nahverkehr nicht so sehr ausgeprägt und sie müssen somit auf das Auto zurückgreifen. Auch der Faktor, dass die Kinder von den Eltern mit dem Auto zu Freizeitaktivitäten gefahren werden müssen, könnte ausschlaggebend dafür sein, dass das Auto von den Probanden*innen viel genutzt wird. Jedoch zeigt die Häufigkeit bezüglich der Nutzung des Autos bei den Baby-Boomer-Kinderlosen einen nahezu gleichen Wert auf, weshalb eine weitere Untersuchung herangezogen werden sollte, um die Motive für die Nutzung des Autos herauszufinden.

Das größte Risiko sehen die Probanden*innen beider Versuchsgruppen bei der Luftverschmutzung, der Grundwasserverschmutzung und der Erdbodenverschmutzung. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass darüber viel in den Medien berichtet wird und die Probanden*innen auch unmittelbaren Konsequenzen dieser Verschmutzungen ausgesetzt sind. Aus der Untersuchung geht hervor, dass die Probanden*innen allgemein viele Medien konsumieren und jeder Fünfte sogar täglich Medienberichte, in denen über den Klimawandel und die damit verbundenen Risiken diskutiert werden, rezipiert. Allgemein unterscheidet sich der Konsum von Medienberichten zum Klimawandel zwischen den beiden Probanden*innengruppen. Aus der Studie geht hervor, dass Baby-Boomer mit Kindern mehr Medienberichte zum Klimawandel verfolgen als Baby-Boomer ohne Kinder. Daraus lässt sich schließen, dass Baby-Boomer mit Kindern mehr Interesse an der Entwicklung des Klimawandels haben und sich vermutlich mehr informieren.

Der mittlere Zusammenhang zwischen den beiden Skalen Naturverbundenheit und ökologisches Selbstbild (0,61) beschreibt eine Tendenz, dass eine höhere Naturverbundenheit mit einem stärkerem ökologischen Selbstbild einhergeht. Naturverbundene Menschen beschäftigen sich mit Umweltfragen und identifizieren sich zum Teil mit Umweltgruppen. Anhand des starken Zusammenhangs zwischen den Skalen Risikowahrnehmung und direkte persönliche Erfahrung (0,93) lässt sich sagen, dass mehr direkte persönliche Erfahrungen mit einer erhöhten Risikowahrnehmung einhergehen. Durch die eigene Betroffenheit durch Verschmutzungen oder Naturkatastrophen wird das Risiko des Klimawandels weniger distanziert, also bewusster wahrgenommen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Probanden*innen sich als umweltbewusst beschreiben würden. Zudem wissen sie über die Auswirkungen und das Ausmaß des Klimawandels Bescheid und sehen sich auch in der Verantwortung, etwas zu verändern. Die subjektive Risikowahrnehmung ist bei den Probanden*innen hoch ausgeprägt. Die Probanden*innen identifizierten sich mit keinem Grund, warum sie nicht mehr Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels angehen würden. Dies könnte ein Indikator dafür sein, dass die Probanden*innen der Ansicht sind, schon alle für sie möglichen und umsetzbaren Maßnahmen zu ergreifen. Wichtig herauszustellen ist es, dass sich die Annahme aus der Theorie bestätigt hat. Menschen mit höherem Einkommen nehmen das Risiko als weniger gering wahr als Menschen mit geringerem Einkommen. Dies lässt sich aus dem Korrelationskoeffizienten von -0,22 ableiten.

Der in der Theorie beschriebene Konflikt innerhalb einer Generation geht aus der Untersuchung nicht hervor. Die Meinungen der Probanden*innen zeigen keine signifikanten Unterschiede auf. Sie teilen ähnliche politische Ansichten und vertreten gemeinsame Interessen. Dies zeigt sich auch in ihrem Engagement und ihrem Verhalten.

Die Prüfung der Hypothesen ergab, dass H1 nicht verifiziert werden konnte. Zwischen Baby-Boomern mit und ohne Kinder lässt sich kein Unterschied in der Verantwortung für die Bekämpfung des Klimawandels feststellen. Auch die H2 kann nicht verifiziert werden. Es gibt geringe signifikante Unterschiede zwischen den Baby-Boomern mit und ohne Kinder bezüglich der Ergreifung von Maßnahmen, um den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken. Jedoch sind diese nicht ausschlaggebend genug, um die Hypothese zu verifizieren.

Da es keinen signifikanten Unterschied zwischen Baby-Boomer-Kinderlosen und Baby-Boomer-Eltern in der Risikowahrnehmung als auch in der Übernahme von Verantwortung zur Bekämpfung des Klimawandels gibt, kann H0 verifiziert werden. Dies bedeutet, dass der generationsinterne Konflikt nicht besteht. Baby-Boomer mit und ohne Kinder haben ähnliche Auffassungen und ein gleiches Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Klimawandel. Das Zuschreiben von Egoismus von Baby-Boomern ohne Kinder ist somit widerlegbar. Auch sie sehen sich genauso in der Verantwortung, Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu ergreifen. Die Vermutung aus der Literatur, dass Eltern von ihren Kindern in ihrer Meinung beeinflusst werden, kann nicht bestätigt werden.

Ausblick und Limitation

Um noch aussagekräftigere Ergebnisse zu erzielen, wäre eine Überarbeitung folgender Items zu empfehlen. Das Item „Mit wem diskutieren Sie über den Klimawandel?“ bietet vier Antwortoptionen zur Auswahl: „Mit Freunden und engen Familienangehörigen.“, „Mit Mitgliedern der lokalen Gemeinschaft.“, „Mit Personen aus der ähnlichen Altersgruppe.“ Und „Mit Fremden.“. Hier wäre eine Differenzierung zwischen engen Familienangehörigen und Freunden ratsam gewesen, um besser beurteilen zu können, mit wem sich die Probanden*innen tatsächlich austauschen. Zusätzlich hätte sich aus der Differenzierung ein stärkerer Unterschied zwischen den Baby-Boomern mit und ohne Kindern in ihren Gesprächspartnern ableiten können. Außerdem wäre es sinnvoll, die Gründe für die Nutzung der entsprechenden Transportmittel zu erfragen. Daraus hätten sich eindeutigere Ergebnisse abzeichnen lassen können. Zudem wäre eine gezieltere Frage im Hinblick auf das generelle Ergreifen von Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels sinnvoll, um die aufgestellten Hypothesen final verifizieren zu können.

Fazit

Insgesamt ist die subjektive Risikowahrnehmung des Klimawandels bei den Probanden*innen stark ausgeprägt. Die Teilnehmenden denken, dass der Klimawandel eine Gefahr für ihre Gesundheit und Umgebung darstellt. Es ergeben sich keine signifikanten Unterschiede in der Risikowahrnehmung zwischen den Baby-Boomern mit Kindern und den Baby-Boomern ohne Kindern. Aus den Einstellungen leitet sich in vielen Bereichen auch ein entsprechendes umweltbewusstes Verhalten ab. Die Probanden*innen ergreifen viele Maßnahmen, um den Klimawandel und seinen Auswirkungen entgegenzuwirken, jedoch sehen sie keinen Grund, ihren Handlungsspielraum zu erweitern. Es besteht kein Konflikt innerhalb der Generation der Baby-Boomer. Sowohl Baby-Boomer mit Kindern als auch Baby-Boomer ohne Kinder sind über die Auswirkungen des Klimawandels informiert und sich bewusst, dass sie aktiv gegen den Klimawandel vorgehen sollten. Ferner kann nicht bestätigt werden, dass Baby-Boomer von ihren Kindern in ihrer Meinung zum Klimawandel beeinflusst werden.

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Anhang

Datei:Fragebogen Risikowahrnehmung 2020.pdf