Generationenkonflikt und Klimakrise/Clickbait

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Verlauf der medialen Berichterstattung zum Thema Klimawandel

Die Berichterstattung zu Klimaveränderungen fing bereits in den 1950gern Jahren an und wurde zunehmend intensiviert. Eine Debatte zum Thema Klimaveränderungen, die womöglich anthropogenen Ursprungs sein könnten, fing in den 80ger Jahren an besondere Aufmerksamkeit zu erlangen (Brüggemann et al., 2016).[1] In Deutschland kam es ab 1986 zu intensivierten Diskussionen, als die Presseerklärung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft den Begriff „Klimakatastrophe“ prägte und die Presse als Reaktion darauf mehrere Schockierende Titelseiten mit Weltuntergangs ähnlichen Szenarien, wie dem versinken des Kölner Doms im Meer, veröffentlichte (Spiegel.de, 2017).[2]

In dieser Zeit spielt besonders die Gründung des Weltklimarats „IPCC“ 1988 eine große Rolle, da dieses als ein signifikantes Ereignis in der Klimabewegung verzeichnet wird (Dietz & Garrelts, 2013)[3], ebenso wie die Gründung des NGO-Netzwerkes „CAN“ 1989. Der heute erhaltene Masterframe „anthropogener Klimawandel“ tauchte zunächst in den 1990er-Jahren auf und wurde durch den Zusatz des globalen Ausmaßes ergänzt (Storch et al., 2018).[4] Seit der Bildung dieses Masterframes scheint der Klimawandel in den folgenden drei Jahrzehnten zunehmend mediale Aufmerksamkeit bekommen zu haben und deutete sich bereits Anfang der 2000 als ein neues gesellschaftliches Problem an, nach der Veröffentlichung des Kyoto Protokolls 1997.

Obwohl es Bewegungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel gab und immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Problematik veröffentlicht wurden, schienen die Massenmedien nur bedingt an der Thematik interessiert zu sein. Der Klimawandel wurde selbst nach dem IPCC Bericht von 2007 als ein weit entferntes Phänomen dargestellt, welches für die Gesellschaft in einer entfernten Zukunft mit unbestimmten Folgen womöglich problematisch werden könnte und auch hier zunächst eher entlegene Ökosysteme bedrohen würde, bevor er breite Massen erreicht (Dietz & Garrelts, 2013).[3] Schmidt et al. veröffentlichten 2013 eine Studie, in welcher die mediale Berichterstattung des Klimawandels in den Jahren von 1996 bis 2009 in 27 Ländern analysierte und stellte als zentrales Ergebnis eine Zunahme der Berichterstattung in allen Ländern fest, jedoch war diese Zunahme unterschiedlich ausgeprägt (Storch et al., 2018).[4] Nach der Hitzewelle in Europa 2003, dem Tsunami 2004 und dem Hurricane Kathrina (2005) schien der Klimawandel als eine plausible Erklärung für die sich anhäufenden Katastrophen und gewann zunehmend an gesellschaftlicher und medialer Relevanz. [5]

Im Jahr 2009 erreichte die globale Berichterstattung zum Klimawandel ihren Höhepunkt, als die Vorbereitungen für den Klimagipfel in Kopenhagen getroffen wurden und ein zeitgleicher medialer Skandal bezüglich des E-Mail-Verkehrs führender Wissenschaftler ausbrach. Dem Skandal wurde vorgeworfen inszeniert zu sein, um Aufmerksamkeit zu erlangen, weshalb der Klimagipfel als ein großer Scheiterpunkt von vielen Akteuren angesehen wurde und die Berichterstattung des Klimawandels als „climate fatigue“ bezeichnet wurde (Storch et al., 2018).[4] Nach diesem Rückfall begaben sich Akteure der Klimabewegung in eine Phase intensiver Debatten und versuchten erneut mediale Aufmerksamkeit zu gewinnen. Aus dem Geschehen konnten dennoch relevante Schlüsse gezogen werden, wie dass die Berichterstattung im Kontext bestimmter politischer und globaler Ereignisse zunimmt und in Phasen erfolgt. Nach Phasen intensiver Berichterstattung folgen Phasen des Abfalls. Klimakonferenzen und extreme Naturereignisse sind dabei beispielsweise wirkungsvoller und erlangen mehr Aufmerksamkeit als neu veröffentlichte wissenschaftliche Berichte (Brüggemann et al., 2016).[1] Ebenfalls ist ein Wandel in der Kommunikation der Klimathematik vorgenommen worden in Richtig der Klimagerechtigkeit.

"Die durch das Scheitern des Kopenhagener Klimagipfels entstandene Krise der Klimabewegung scheint ein wichtiger Fixpunkt für diese intensive Phase der Framing-Arbeit zu sein. Der Fokus der Bewegung wurde vom Thema Klimawandel auf das Thema Klimagerechtigkeit verschoben. Bei dieser Verschiebung wurde die Perspektive der Klimabewegung auf zweifache Weise erweitert. Zum einen hat sich die Sicht auf das Problem, welches die Bewegung lösen möchte, verbreitert. Die Klimagerechtigkeit als Frame ermöglicht Handlungen, welche durch lokalere Kanäle und aktivere Weise betrieben werden können, als es beim Frame des Klimawandels möglich war. […] Deshalb bringt der Frame der Klimagerechtigkeit die Klimabewegung zurück zu ihren radikalen Wurzeln. Die Ziele der Bewegung können nun durch konkrete Aktionen auf der lokalen Ebene zu realisieren versucht werden. Zudem ist der Klimagerechtigkeits-Frame in Aussage und Anspruch breiter als der Frame Klimawandel. Er erlaubt es der Klimabewegung, mit anderen Bewegungen zu kooperieren, deren Frames und Ziele Übereinstimmungen mit den ihren aufweisen.“ (Dietz & Garrelts, 2013, S.45).[3]

Ebenfalls wurde ein Übergang auf die Kommunikation der Klimathematik im Internet verlegt. Dies hatte zum einen den Vorteil, dass sich homogene Meinungsgruppen zusammenschließen konnten und sich austauschen konnten, auf einer für jeden öffentlich zugänglichen Weise. „Gemeinsam hat die Onlinekommunikation mit den klassischen Medien, dass es eine Zunahme an Aufmerksamkeit im Zeitverlauf“ ergeben (Storch et al., 2018, S.247).[4]

„Außerdem fluktuiert die Intensität der Onlinedebatte stark, wie auch die traditionelle Medienberichterstattung. Und auch in der Onlinesphäre spielen traditionelle Medien eine wichtige Rolle, so ist der Guardian auch auf Twitter eine der wichtigsten Informationsquellen zum Klimawandel. Ergebnisse verschiedener Studien weisen jedoch auch darauf hin, dass in der Onlinekommunikation im Vergleich zur traditionellen Medienberichterstattung Haltungen größere Aufmerksamkeit zukommt, die den Klimawandel abstreiten, sodass das Bild des Klimawandels online von der klimawissenschaftlichen Sichtweise abweicht.“ (Storch et al., 2018, S.247).[4]

Insgesamt lassen sich deshalb trotz der Verlegung des Mediums immer noch die gleichen Annahmen über Kontinuität und Intensivität zu der Berichterstattung wie in den Printmedien festhalten und übertragen, besonders im Hinblick auf die gleichbleibenden Nachrichtenfaktoren.

  1. 1,0 1,1 Brüggemann, M., I. Neverla, I. Hoppe, und S. Walter. 2016. „Klimawandel in den Medien.“ CliSAP Working Paper. https://climatematters.blogs.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/2016/08/Working-Paper_Klimawandel_in_den_Medien.pdf
  2. SPIEGEL-Titel - die stärksten Cover von 1977 bis 1986. (2017, Januar 23). spiegel.de. https://www.spiegel.de/fotostrecke/die-besten-spiegel-cover-von-1977-bis-1986-fotostrecke-144417.html
  3. 3,0 3,1 3,2 Dietz, M. & Garrelts, H. (2013). Die internationale Klimabewegung: Ein Handbuch (Bürgergesellschaft und Demokratie (39)) (German Edition) (2013. Aufl.). Springer VS.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Storch, H., Meinke, I. & Claußen, M. (Hrsg.). (2018). Hamburger Klimabericht – Wissen über Klima, Klimawandel und Auswirkungen in Hamburg und Norddeutschland. Springer Spektrum, 251. https://doi.org/10.1007/978-3-662-55379-4
  5. Schäfer, Mike S. & Neverla, Irene. (2010). Das Medienklima - Relevanz und Logik der Medienberichterstattung über den anthropogenen Klimawandel. Mitteilungen DMG / Deutsche Meteorologischen Gesellschaft, 3, Seite 9, Abb. 1. https://doi.org/10.5167/uzh-94261