Generationenkonflikt und Klimakrise/Aufmerksamkeit II: Wie beeinflusst der Klimawandel unsere Gewohnheiten?

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1. Einleitung

Allgemein fallen große Unterschiede in den Einstellungen und Meinungen bezüglich gesellschaftlich-sozialer Themen als auch moralischer Fragen zwischen den unterschiedlichen Generationen und Gesellschaftsschichten auf.

Besonders bezüglich des Themas „Klimawandel“ scheint es Differenzen in den Ansichten zwischen jüngeren und älteren Generationen zu geben. Diese geraten vor allem durch die „OK-Boomer“- Debatte[1] in den Mittelpunkt, welche im Oktober 2019 ihren Ursprung auf der Social-Media Plattform Twitter fand und sich besonders gegen die sogenannten „Babyboomer“, also die zwischen 1946 und 1964 geborenen Personen richtet. Diese werden von jüngeren Generationen oft als konservativ und veränderungsunwillig angesehen.

Jüngeren Generationen wird von Personen älteren Alters nicht selten Naivität, Gutgläubigkeit und Verweichlichung vorgeworfen, wobei logische Argumente von deren Seite ohne große Überlegung abgeblockt werden. Die Phrase „OK Boomer“ stellt hierbei eine pauschale Erwiderung auf solche Aussagen dar, um sowieso nicht zielführende Gespräche abzublocken.[2]

Im Zuge des voranschreitenden Klimawandels und dessen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt lassen sich allgemein bereits einige Veränderungen im Umgang mit der drohenden Klimakrise feststellen. Mittlerweile sind auffällige Abwandlungen des Alltags vieler Einzelpersonen beobachtbar, wie unter anderem der kontinuierlich sinkende Fleischkonsum und die Bereitschaft zur Mülltrennung.

In der vorliegenden Arbeit wird in erster Linie herausgestellt, ob sich gewisse Verhaltensänderungen aufgrund der Klimaproblematik bereits zu Gewohnheitsmustern entwickelt haben und zudem unter anderem herausgestellt, ob signifikante Unterschiede im Verhalten älterer und jüngerer Generationen festzustellen sind.

Um dies zu erforschen wurde in einer eigens konzipierten Studie ermittelt, ob sich das veränderte Verhalten mittlerweile als Gewohnheit etabliert hat und somit wie der Klimawandel unsere Gewohnheiten beeinflusst.

2. Theoretischer und empirischer Hintergrund

Im Folgenden wird auf den theoretischen, sowie den empirischen Hintergrund der Studie eingegangen, wobei zuerst die empirischen Befunde betrachtet werden und anschließend ein Überblick über die hier durchgeführte Studie geliefert wird. Daraufhin werden die Fragestellungen und Hypothesen, welche hinter der Arbeit stehen, herausgearbeitet und begründet.

2.1 Empirische Befunde und Definitionen

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES[3] geht davon aus, dass ca. 25 Prozent der Arten in den meisten Tier- und Pflanzengruppen, was bis zu einer Million Arten einschließt, heute bereits vom Aussterben bedroht sind. Der von dem IPBES veröffentlichte Bericht zeigt außerdem, dass dieses Aussterben in direktem Zusammenhang mit dem sehr hohen Verbrauch an Ressourcen und dadurch bedingten Mengen an Müll, der immensen Luftverschmutzung, dem Einsatz von Düngemitteln und anderen vom Menschen verursachten Missständen steht. [4]

Eine Auswertung der IÖW-Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamts von 2018 zeigt, dass insgesamt viel mehr Menschen den Zustand der Umwelt bei den Befragten vor Ort und in Deutschland als schlechter als im Jahr 2016 empfinden, was darauf hindeutet, dass die Befragten weltweite Probleme wie Klimawandel und Artensterben inzwischen im unmittelbaren Umfeld erfahren und politischen Handlungsbedarf sehen. Jedoch sticht hier außerdem hervor, dass das Thema Umweltschutz von den jüngeren Teilnehmern generell kritischer betrachtet wird, als von älteren Personen. Auch lässt sich ein höheres Interesse bei etablierteren Milieus feststellen als bei prekären. Der Umweltschutz taucht wohl unter anderem deshalb als eines der Top-Themen unter jüngeren Generationen auf, da deren Zukunftsaussichten durch den Klimawandel bedroht sein könnten. [5]

Es lässt sich beobachten, dass auch abgesehen von der „Fridays for Future"-Bewegung, in der Gesellschaft eine steile Trendentwicklung gegen den Klimawandel, die Plastikflut und die Massentierhaltung stattfindet. So ernähren sich in Deutschland in etwa acht Millionen Menschen vegetarisch und 1,3 Millionen Menschen vegan. Täglich kommen schätzungsweise in etwa 2.000 Vegetarier/-innen, sowie 200 Veganer/- innen hinzu. Weltweit beläuft sich die Anzahl der vegan oder vegetarisch lebenden Menschen auf in etwa 1 Milliarde. Die hohen Verkaufszahlen der veganen Alternativprodukte ist laut „Proveg International“ auf die Aufgeschlossenheit der jungen Konsumenten/-innen zurückzuführen. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens „Mintel" kauft fast jeder Fünfte der 16- bis 24-jährigen Fleischalternativen.[6]

Als Gewohnheiten bezeichnet man allgemein Verhaltensweisen, die in einem stabilen Kontext ausgeübt werden, ohne viel darüber nachzudenken oder abzuwägen. Diese basieren meist auf Entscheidungen, welche einmal bewusst getroffen wurden. Die alltägliche Konfrontation mit neuen, komplexen Abläufen erfordert Bewusstsein, Aufmerksamkeit und Konzentration, weshalb das menschliche Gehirn danach strebt, möglichst viele seiner Aufgaben zu routinisieren.[7]

Wie lange es dauert neue Gewohnheiten zu bilden und diese beizubehalten ist sich die Wissenschaft nicht einig. Während eine Studie zeigt, dass sich Gewohnheiten im Schnitt innerhalb eines Zeitraums von 66 Tagen bilden,[8] wird in einer anderen Studie am Beispiel neuer Fitnessstudio-Kunden festgestellt, dass diese sechs Wochen lang mindestens vier Mal die Woche Sport ausüben mussten, um eine Gewohnheit zu bilden.[9] Es scheint demnach nicht nur der Zeitraum, sondern besonders die Anzahl der Wiederholungen der neuen Verhaltensweise entscheidend zu sein.

Außerdem gibt es keine allgemein gültigen, objektiven Kriterien, welche das Vorliegen einer Gewohnheit bestimmen,[10] weshalb es nahezu unmöglich ist mit Sicherheit auszumachen, ob eine Person nun bereits eine Gewohnheit aufgestellt hat oder nicht. Aufgrund dieser ungenauen Messweisen kann man bestimmte Verhaltensweisen wohl eher als „mehr" oder „weniger" gewohnheitsmäßig zu bezeichnen.


2.2 Überblick über die vorliegende Studie

In der vorliegenden Hausarbeit soll anhand der vorangehenden Studie herausgestellt werden, inwiefern in der Gesellschaft unter dem Aspekt der wachsenden Klimaproblematik, bereits Veränderungen in den Gewohnheiten stattgefunden haben, welche dem Klimawandel entgegenwirken können. Außerdem soll geprüft werden, ob Differenzen in den Ergebnissen auf kausale Zusammenhänge mit Alter, Geschlecht oder Bildungsstand der Studienteilnehmer/-innen zurückführbar sind.

Die einander gegenübergestellten Alters-, Geschlechter- und Bildungsgruppen stellen hiermit die unabhängigen Variablen in dieser Forschungsfrage dar, während deren Handlungs- und Denkweisen, sowie ihr Interesse an der Thematik die abhängigen Variablen sind. Es wird unter anderem abgefragt, inwieweit sich die jeweilige Person mit dem Thema bereits auseinandergesetzt hat, sowie ob und wie diese ihre Gewohnheiten aufgrund dessen angepasst hat. Außerdem werden deren Gründe für das individuelle Verhalten genauer beleuchtet und herausgestellt, ob es sich bei veränderten Verhaltensweisen bereits um Gewohnheiten handelt.

Da keine allgemein gültigen Kriterien vorliegen, welche für die Entwicklung einer Gewohnheit sprechen, werden die Verhaltensweisen in der vorliegenden Studie je nach der individuellen Wahrnehmung der Probanden in Gewohnheiten oder keine Gewohnheiten eingestuft.


2.3 Fragestellung und Hypothesen

Aus den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen lassen sich grundsätzlich vier gerichtete, jedoch unspezifische Hypothesen ableiten, die in dieser Studie untersucht werden sollen. Die allen Hypothesen zugrunde liegende Annahme ist, dass Unterschiede im Denken und Verhalten der Teilnehmer mit deren demographischen Daten kausal zusammenhängen.

  1. „Je jünger eine Person ist, desto intensiver beschäftigt diese sich mit dem Thema Klimawandel.“
  2. "Je jünger eine Person ist, desto früher hat sie angefangen ihr Verhalten zu verändern."
  3. "Jüngere Personen geben öfter an, bereits Verhaltensweisen angepasst zu haben um dem Klimawandel entgegenzuwirken."
  4. „Je höher der Bildungsstand einer Person ist, desto intensiver beschäftigt sie sich mit dem Thema Klimawandel.“
  5. „Je höher der Bildungsstand einer Person ist, desto wahrscheinlicher ist sie bereit ihre Gewohnheiten an die momentanen Umweltbedingungen anzupassen.“
  6. „Frauen beschäftigen sich generell intensiver mit dem Thema Klimawandel als Männer.“
  7. "Je höher der Bildungsstand einer Person ist, desto früher wurde das Verhalten an die Umweltbedingungen angepasst."


3. Methoden

Im Folgenden wird auf den methodischen Teil der Studie eingegangen, worunter die Erstellung des Fragebogens, die Stichprobe, sowie die Planung und Erstellung der Items fällt.

3.1 Erstellung des Fragebogens

Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine quantitative Umfrageforschung, welche mithilfe eines eigens entwickelten Fragebogens online auf der Umfrage-Website SoSci Survey angelegt und durchgeführt wurde. Die grundlegenden Vorteile, die eine Online-Durchführung bietet, sind die erleichterte Durchführung und Anwendung, wobei einerseits den Befragten der größtmögliche Komfort bei der Beantwortung der Fragen und andererseits auch eine größere Übersichtlichkeit bei der Auswertung des Tests geboten wird. Außerdem wird durch das Abrufen der Umfrage per Link eine größere Anzahl an Personen erreicht, woraus eine große Diversität der Probanden/-innen resultiert. Aufgrund der Anonymität und der freiwilligen Teilnahme an der Studie, kann mit einem aufrichtigem Antwortverhalten und einer geringeren sozialen Erwünschtheit gerechnet werden, was insgesamt zu einer erhöhten externen Validität führt. Es werden außerdem sowohl Zeitverzögerungen als auch organisatorische Probleme vermieden. Ein weiterer positiver Effekt dieser Art der Umfrage ist die Kosteneffizienz. Dieses Verfahren bietet durch seine standardisierte Auswertungsweise einen hohen Grad an Objektivität, Reliabilität und Validität.

3.2 Stichprobe

Die Teilnehmer/-innen der Studie setzen sich aus 35 Frauen, 16 Männern und einer Person, welche sich keiner der beiden Gruppen zugehörig fühlt, zusammen. Zwei der Befragten geben außerdem kein Geschlecht an. Die Umfrage wurde über einen Link geteilt, welcher sowohl auf Instagram sämtlichen Nutzern der Plattform bereitgestellt, als auch an Personen unseres Bekanntenkreises weitergeleitet wurde.

Der Fragebogen sollte Personen aller Altersgruppen zur Verfügung gestellt werden, weshalb ab achtzehn alle Altersgruppen vertreten sind, wobei die Gruppe der achtzehn bis 25 Jährigen am stärksten repräsentiert wird. Die anderen Gruppen, also die der 26 bis 40 Jährigen, die 41 bis 60 Jährigen und die Personen über 60 Jahre sind weitaus schwächer vertreten. Selbst mit der Gruppe, die keine Angaben zum Alter gemacht haben, nehmen sie nur ein Viertel der gesamten Gruppe ein. Ursache dieser Gruppenverteilungen ist unter anderem, dass der Link nur über Instagram abrufbar war und die meisten Follower sich in dem Bereich der achtzehn bis 25 Jährigen befinden, worauf unter dem Punkt "Einschränkungen" noch näher eingegangen wird.

Ebenso waren alle möglichen Bildungsgrade vertreten, wobei die meisten Teilnehmer/-innen die allgemeine Hochschulreife erreicht haben. Viele haben den Abschlussgrad der mittleren Reife, einige haben bereits ein abgeschlossenes Studium oder eine abgeschlossene Ausbildung. Es hat nur eine Person mit Hauptschulabschluss an der Umfrage teilgenommen.

3.3 Erstellung der Items

Um feststellen zu können, ob die Versuchspersonen weitgehend das selbe unter „Gewohnheiten” verstehen, wird zunächst eine individuelle Definition des Begriffs abgefragt. Danach wird ermittelt, inwieweit die Personen sich bereits mit der Klimaproblematik auseinandergesetzt haben. Hierbei lautet die Frage: „Wie intensiv beschäftigst Du dich mit dem Klimawandel?”. Der Proband hat die Möglichkeit sich für eine der unterschiedlichen Antworten zu entscheiden. Im Anschluss daran wird eine Filterfrage eingebaut um den weiteren Verlauf des Fragebogens an das bisherige Verhalten des Teilnehmers/der Teilnehmerin anpassen zu können. Hierfür wurde die Frage gestellt, ob dieser bereits klimafreundliche Veränderungen in dessen Gewohnheiten vorgenommen hat. Er kann hierbei zwischen „Ja” und „Nein” wählen und wird je nach Antwort zu unterschiedlichen, angepassten Fragen weitergeleitet.

Zunächst wird auf den Pfad eingegangen, welcher auf die Antwort „Ja” folgt. Die erste Frage lautet hier „Welche Veränderungen hast Du vorgenommen?” Hier ist eine offene Texteingabe möglich. Anschließend wird der Zeitpunkt der Gewohnheitsänderung abgefragt, was eine genauere Einschätzung des Verhaltens ermöglicht und darauf schließen lässt, ob es sich tatsächlich bereits um eine Gewohnheit handelt. Ebenfalls von Relevanz ist, was den Auslöser für diese Gewohnheitsänderungen darstellt. Dies lässt Rückschlüsse auf die Freiwilligkeit und Motivation hinter diesen ziehen. Um später herauszustellen, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen der Schwierigkeit und der Freiwilligkeit existiert, wird im Anschluss hieran gefragt, wie schwer es dem Probanden/-innen gefallen ist, ihre Gewohnheiten zu ändern. Ebenfalls soll durch die Personen, welche schon Veränderungen vorgenommen haben, eine Einschätzung derer erfolgen, die dies bisher nicht getan haben. Deshalb wird gefragt, welche Gründe hinter der Unwilligkeit, das Verhalten an die Klimakrise anzupassen, vermutet werden. Unter anderem werden hier mögliche Gründe wie „Bequemlichkeit”, „kein Interesse” und „zu umständlich” vorgegeben.

Im Folgenden wird nun auf den zweiten Pfad eingegangen, welcher folgt, wenn auf die vorherige Filterfrage mit „Nein” geantwortet wird. Auch diese Teilnehmer werden hier zunächst gefragt, aus welchen Gründen sie ihre Gewohnheiten bisher nicht verändert haben, was aufgrund derselben Antwortmöglichkeiten ein Abgleichen mit den Vermutungen der gegenübergestellten Gruppe ermöglicht. Ferner wird ermittelt, was für diese ein Anlass wäre dies in Zukunft zu tun, worauf eine offene Antwort möglich ist.

Zum Schluss sollen bei beiden Gruppen Angaben zu deren demografischen Daten machen, worunter Alter, Geschlecht und Bildungsgrad der Person fallen.

4. Ergebnisse

Die erste Frage, nämlich „Was bedeutet „Gewohnheit" für Dich?", wurde am häufigsten mit den Worten „Routine", „Alltag" und „Regelmäßigkeit" beantwortet. Aber auch Adjektive wie „automatisch" und „selbstverständlich" wurden oft genannt. Es lässt sich also erkennen, dass die Probanden alle etwas ähnliches unter der Bezeichnung „Gewohnheiten" verstehen. Desweiteren decken sich die angegeben Begriffe mit der zuvor erwähnten Definition, was eine einheitliche Auswertung gewährleistet.


Bei der Auswertung der Frage „Wie intensiv beschäftigst du dich mit dem Thema Klimawandel?" stellt sich heraus, dass sich vier Personen jeden Tag mit dieser Thematik auseinandersetzen. Mit einer Anzahl von 24 Personen geben die meisten Personen hier „jede Woche" an, während 15 Probanden/-innen sich alle paar Wochen damit beschäftigen. Nur elf Teilnehmer/-innen geben hier „selten" oder „gar nicht" an.

Auf die Filterfrage „Hast du bereits klimafreundliche Veränderungen in deinen Gewohnheiten vorgenommen?" antworten 50 Personen mit „Ja" und nur vier mit „Nein".

Ja

Jenen Personen, welche auf vorangegangene Frage mit „Ja" geantwortet haben wird zunächst die Frage gestellt, welche Veränderungen diese konkret vorgenommen haben. Mit am meisten werden hier Veränderungen in der Ernährungsweise, wie ein vegetarischer Lebensstil und generell verminderter Konsum tierischer Produkte, sowie der Kauf hochwertigerer Lebensmittel und Mülltrennung angeführt.

Veränderungen

Hierauf folgt die Frage zu welchem Zeitpunkt der/die Teilnehmer/-in angefangen hat seine/ihre Verhaltensweisen anzupassen, worauf die Mehrheit mit 24 Angaben auswählt, diese seit mehr als zwei Jahren verändert zu haben. Dreizehn Personen haben ihr Verhalten seit etwa einem Jahr geändert, während sieben Probanden/-innen „vor 6 Monaten" angeben, dreimal „vor 3 Monaten" und einmal „vor weniger als 1 Monat" ausgewählt wird.

Anschließend wird festgehalten, wie schwer es den Teilnehmer/-innen gefallen ist, deren Gewohnheiten zu ändern. Die Mehrheit, mit 33 Personen gibt hier an, dass es ihnen leicht gefallen sei, dreizehn gaben den mittleren Schwierigkeitsgrad an und zwei, dass ihnen diese Veränderung schwer gefallen sei.

Als Auslöser für diese Gewohnheitsänderungen sehen die meisten, also 43 der Befragten in deren persönlichen Einstellung, 25 Personen geben ihr persönliches Umfeld als bedeutenden Faktor an. Nur drei der Probanden/-innen nennen auf der anderen Seite den gesellschaftlichen Druck als Grund für diese Umstellung, was ein großes Maß an intrinsischer Motivation und somit Handeln aus eigener Überzeugung aufzeigt.

Auf die Frage „Warum glaubst du, dass es anderen schwer fällt, ihre Gewohnheiten für das Klima zu ändern?", welche gestellt wird um diese Ergebnisse anschließend mit den Antworten und Begründungen der gegenübergestellten Gruppe zu vergleichen, wird in erster Linie „Bequemlichkeit" vermutet, gefolgt von „kein Interesse" und „zu umständlich".


Nein

Diejenigen Personen, welche zuvor angaben keine ihrer Verhaltensweisen geändert zu haben um dem Klimawandel entgegenzuwirken antworten auf die Frage, welche Gründe das hätte dreimal mit "Bequemlichkeit" und je einmal mit "umweltfreundliche Alternativen sind zu teuer", "zu umständlich" und "sonstige".

Gründe für eine diesbezügliche Verhaltensänderung wären laut diesen Teilnehmer/-innen "Energie sparen", "wenn es einem das Leben erleichtert", "der Nutzen" und "besser", wobei bei letzteren Aussagen nicht ganz klar ist, was die Personen hiermit aussagen möchten.


Korrelationen

Die Annahme „Je jünger eine Person ist, desto intensiver beschäftigt diese sich mit dem Thema Klimawandel" konnte wider Erwarten nicht belegt werden. So liegt der Asymptotisch E Signifikanzwert, welcher mithilfe des Chi-Quadrat-Tests ermittelt wurde bei ,951.


Obwohl ursprünglich davon ausgegangen wurde, dass jüngere Personen früher angefangen haben ihr Verhalten zu ändern, konnte auch dies nicht bestätigt werden. Der Signifikanzwert ist ziemlich hoch und liegt hier bei ,963.


Angenommen wurde ursprünglich, dass jüngere Personen öfter angeben würden, bereits deren Verhaltensweisen angepasst zu haben um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Der Signifikanzwert liegt hier bei ,584. Da viel mehr Personen der Altersgruppe 18-25 an der Umfrage teilnahmen haben hier natürlich einige mehr mit "Ja" geantwortet, jedoch wurde dies auch in den anderen Altersgruppen sehr oft angegeben.


Die Hypothese "Je höher der Bildungsstand einer Person ist, desto intensiver beschäftigt sie sich mit dem Thema Klimawandel" konnte nach der Auswertung nicht verifiziert werden. Bei der Durchführung des Chi-Quadrat Tests wurde hier ein Asymptotisch E Signifikanzwert von ,213 ermittelt. Zu sehen ist allerdings, dass die Teilnehmer/-innen, die die allgemeine Hochschulreife oder eine Ausbildung abgeschlossen haben, sich zum Großteil jede Woche mit dem Thema "Klimawandel" beschäftigen, während diejenigen mit Mittlerer Reife, und Fachhochschulreife dies zumindest alle paar Wochen tun.

Ergebnis Bildung und intensiv.png

Die Annahme „Je höher der Bildungsstand einer Person ist, desto wahrscheinlicher ist sie bereit ihre Gewohnheiten an die momentanen Umweltbedingungen anzupassen" konnte ebenfalls falsifiziert werden.

Die Hypothese „Frauen beschäftigen sich generell intensiver mit dem Thema Klimawandel als Männer“ konnte ebenfalls nicht bestätigt werden. Hier zeigt sich nach dem Chi-Quadrat Test ein Wert von ,432.

Ergebnis geschlecht und intensiv.png


Die einzige Annahme, welche nach der Auswertung der Studie bestätigt werden konnte, ist folgende: "Je höher der Bildungsstand einer Person ist, desto früher wurde das Verhalten an die Umweltbedingungen angepasst." Hier zeigt sich der bestmögliche Signifikanzwert von ,000, was bedeutet, dass der Grad des Bildungsstands unmittelbar mit dem Zeitpunkt der Änderung korreliert.


Diskussion

In vorliegender Untersuchung werden die sich neu bildenden Gewohnheitsmuster aufgrund der Klimakrise in unserer Gesellschaft betrachtet. Hierbei wurde analysiert, ob das Alter, der Bildungsstand, sowie das Geschlecht ebenfalls Einflussfaktoren für die jeweiligen Gewohnheitsveränderungen sein können.

Im folgendem Teil findet die Interpretation, sowie die Diskussion der Ergebnisse statt.

Das Wort Gewohnheit ergibt bei den Probanden ein einheitliches Bild und kommt der wissenschaftlichen Definition sehr nah. Aufgrund dessen kann davon ausgegangen werden, dass die Probanden/-innen ein richtiges Verständnis für Gewohnheiten haben und ihre eigenen Verhaltensweisen gut einstufen können.

Hinsichtlich der Auseinandersetzung mit dem Thema Klimawandel, zeigt die Mehrheit der Befragten großes Interesse, indem diese angibt, sich wöchentlich mit dem Thema zu beschäftigen.

Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse lässt sich erkennen, dass wegen der fortschreitenden Klimakrise sowohl von jüngeren als auch von älteren Personen viele Veränderungen im Alltagsverhalten der Gesellschaft vorgenommen wurden. Die meisten Probanden/-innen scheinen die Dringlichkeit des Themas zu erkennen und bereit zu sein ihre Gewohnheiten klimafreundlicher zu gestalten. Die Probanden/-innen, welche ihr Verhalten verändert haben, haben ähnliche Gewohnheiten entwickelt. Diese betreffen speziell die Vermeidung von Plastik jeglicher Art, aber auch der Umgang mit tierischen Produkten von der umweltfreundlicheren Anschaffung bis zum Verzehr.

Wie bereits unter "Ergebnisse" zusammengefasst konnte nur eine unserer Hypothesen bestätigt werden, nämlich "je höher der Bildungsstand einer Person ist, desto früher wurde das Verhalten an die Umweltbedingungen angepasst."

Bei der Untersuchung der Ursachen für die neu erlernten Gewohnheiten zeigten sich besonders die persönliche Einstellung der Probanden/-innen und das persönliche Umfeld als große Einflussfaktoren. Da dies intrinsische Motivationsformen sind könnte sich hierdurch erklären lassen, wieso es der Mehrheit leicht gefallen ist neue Verhaltensmuster anzunehmen. Die Teilnehmer/-innen, die sich neue Gewohnheiten angeeignet haben, nehmen an, dass die Kontrollgruppe, die dies nicht getan hat, hauptsächlich aus Bequemlichkeit handelt oder dass von deren Seite kein Interesse an diesem Thema besteht. Dies lässt bei dem Vergleich der Antworten beider Gruppen teilweise bestätigen, da diese ebenfalls angegeben haben ihr Verhalten aus Bequemlichkeit nicht  verändern zu wollen, jedoch stellt sich heraus, dass fehlendes Interesse kein Faktor hierfür ist.

Aufgrund der aktuellen Medienberichterstattung, sowie Aussagen wie "Ok Boomer" oder auch sehr jungen Bewegungen wie Fridays for Future entsteht in der Gesellschaft das Bild, dass jüngere Personen sich aktuell mehr mit dem Thema "Klimawandel" auseinandersetzen, dieses als problematischer ansehen und auch eher bereit sind im Alltag Maßnahmen zu ergreifen, welche das Klima schützen können. Das Alter der Teilnehmer/-innen spielte jedoch wider Erwarten weder bei der Grundfrage, ob bereits Veränderungen im Verhalten beziehungsweise den Gewohnheiten einer Person vorgenommen wurden, noch hinsichtlich des Zeitpunkts der Änderung. Auch die Intensität der Beschäftigung mit dem Thema Klimawandel korrelierte nicht mit dem Alter der Befragten. Deshalb mussten all diese Hypothesen nach der Auswertung der Studie falsifiziert werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Forschungsfrage "Wie beeinflusst der Klimawandel unsere Gewohnheiten?" mit einer von der Versuchsgruppe ausgehenden Bereitschaft, seine Gewohnheiten anzupassen, beantwortet werden kann. Selbstverständlich ist die vorliegende Studie nicht repräsentativ für die Gesellschaft, noch verkörpert sie die Realität, da hierfür deutlich zu wenige Personen befragt wurden und auch die Altersgruppen nicht gleichmäßig abgedeckt wurden. Nichts desto trotz überraschen die Ergebnisse und regen zum Nachdenken an, ob die älteren Generationen nicht doch oft zu schnell in eine Schublade gesteckt werden und man vielleicht mit etwas mehr Offenheit an Menschen herangehen sollte.

Einschränkungen

Auffällig ist, dass es aufgrund der aktuellen Corona-Krise, welche für viele Menschen momentan eine erhöhte Belastung und mehr Stress im Alltag bedeutet, nicht möglich war genauso viele Teilnehmer/-innen zu erreichen wie unter normalen Bedingungen. Der Fragebogen konnte zudem aufgrund der Abstandsregeln und dem sogenannten "Social Distancing" ausschließlich online durchgeführt werden, was die Anzahl der erreichten Personen deutlich verringerte.

Die Studie wurde über die Umfrageseite "SoSciSurvey" erstellt und war über einen Link abrufbar, welcher zuvor an potentielle Teilnehmer/-innen geschickt und auf der Social Media Plattform Instagram gepostet wurde. So konnten zwar einige Personen erreicht werden, jedoch befinden sich diese hauptsächlich im nahen sozialen Umfeld und stellen zum Großteil jüngere Personen und Studenten/-innen dar. Problematisch ist hierbei, dass es schwieriger war die unterschiedlichen Altersklassen in deren Antwortverhalten miteinander zu vergleichen, da sich wesentlich mehr junge Personen auf Social Media Plattformen aufhalten und diese auch geübter im Umgang mit digitalen Medien sind. Aus diesem Grund kann diese Studie nicht als allumfassend oder repräsentativ angesehen werden und bietet nur einen kleinen Einblick in die Thematik.

Es stellte sich heraus, dass viele der insgesamt 54 Teilnehmer/-innen hin und wieder Fragen nicht beantwortet haben, was umgangen hätte werden können, indem in den Einstellungen vor Veröffentlichung des Fragebogens eine Ausfüllpflicht eingerichtet worden wäre.

Auch bei der Auswertung der Ergebnisse gab es einige Probleme, nicht zuletzt aus dem Grund, dass zunächst kein passendes Auswertungsprogramm zur Verfügung stand. Da es aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich war die Computer der Hochschule zu verwenden, auf welchen das Datenauswertungsprogramm "SPSS Statistics" installiert ist, und unsere eigenen nicht leistungsstark genug waren um das Programm auszuführen gerieten wir unter großen Zeitdruck und waren darauf angewiesen eine passende Alternative zu finden, was sich als nicht gerade leicht herausstellte.

Möchte man diese Umfrage erneut repräsentativ durchführen, so wäre es mit etwas mehr zur Verfügung stehender Zeit möglich diese umfangreicher zu gestalten, indem man den Link mehrmals postet und somit mehr Personen online erreicht. Um ältere Versuchspersonen zu erreichen wäre es möglich den Fragebogen auf Facebook oder anderen Plattformen zu veröffentlichen, auf welchen der Altersdurchschnitt der Nutzer etwas höher ist.

  1. Schwan, E. (2017, 9. Februar). Memes. Abgerufen 15. März 2020 von, www.digitalwiki.de/memes
  2. https://www.absolventa.de/karriereguide/berufseinsteiger-wissen/xyz-generationen-arbeitsmarkt-ueberblick#:~:text=Die%20Babyboomer%2C%20geboren%20zwischen%201946,und%20geh%C3%B6ren%20zum%20geburtenreichsten%20Jahrgang.
  3. Weltbiodiversitätsrat (IPBES). (o.D.). Abgerufen 29.06.2020 von, https://www.bmu.de/themen/natur-biologische-vielfalt- arten/naturschutz-biologische-vielfalt/biologische-vielfalt- international/weltbiodiversitaetsrat-ipbes/
  4. Das „Globale Assessment“ des Weltbiodiversitätsrates IPBES (2019, 06. Mai). Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ. Abgerufen 29.06.2020 von, https://www.helmholtz.de/fileadmin/user_upload/IPBES- Factsheet.pdf
  5. Umweltbewusstsein in Deutschland 2018 (Mai 2019). Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Abgerufen 01.07.2020 von, https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/um weltbewusstsein_2018_bf.pdf)
  6. ProVeg e.V. (2019, 11. Januar). Vegan-Trend: Zahlen und Fakten zum Veggie-Markt. Abgerufen, 29.06.2020 von, https://proveg.com/de/pflanzlicher-lebensstil/vegan-trend-zahlen- und-fakten-zum-veggie-markt/
  7. Stangl, W. (2020). Stichwort: 'Gewohnheit'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. WWW: https://lexikon.stangl.eu/6140/gewohnheit/ (2020-07-06)
  8. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ejsp.674
  9. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25851609/
  10. https://www.researchgate.net/publication/230576970_Promoting_habit_formation