Benutzer:PhOSNSG

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Zwei inhaltliche Schwerpunkte:

  1. Religionsfreiheit
  2. Ist die Lektüre „Nathan der Weise“ für den Deutschunterricht heutzutage noch sinnvoll zu besprechen.


Inhaltsangabe:

  • Das Drama spielt in Jerusalem. Die Handlung beginnt mit Nathans Rückkehr von einer Geschäftsreise. Er erfährt von Daja, seiner Haushälterin, dass seine Tochter Recha von einem Tempelherren aus dem brennenden Haus gerettet worden ist.
  • In dieser Zeit regiert in Jerusalem Sultan Saladin. Er will sich auf Empfehlung seines Schatzmeisters Al Hafi von Nathan Geld leihen. Er erfindet eine List.
  • Es kommt zu einem Treffen zwischen Saladin und Nathan, in dem Saladin - statt um Geld zu bitten - Nathan fragt, welche Religion die wahrhaftige sei. Es folgt die Ringparabel, bei welcher es um einen Ring geht der von Generation zu Generation weitervererbt wurde. So kam es dazu, dass ein Vater drei Söhne hatte und sich nicht entscheiden konnte wem er den Ring vermachen würde. Also fertigte er noch zwei weitere Ringe an, welche von dem Original nicht zu unterscheiden waren. Die drei Ringe stehen dabei für die drei Weltreligionen.
  • Der Tempelherr verliebt sich in Recha und Nathan erfährt von seiner Herkunft. Nathan vermutet eine Verwandtschaft zwischen Recha und dem Tempelherrn.
  • Die Figuren realisieren, dass ein Streit über die „wahre" Religion absolut sinnlos ist und fallen sich in die Arme.


Aktualität:

Was ist an dem Stück so besonders, dass es bis heute noch aufgeführt wird?

Meiner Meinung nach ist die Art der Aufführung nicht mehr Zeitgemäß. Alleine die Botschaft bzw. Hauptaussage des Stückes „Nathan der Weise“ ist aktuell. Und zwar, dass es egal ist welcher Religion man angehört und alle Menschen unabhängig von ihrer Religion gleich sind. Ansonsten finde ich das Stück sehr altmodisch und für die Jugend von heute nicht gut. Ein Grund dafür ist die Sprache, welche heute nicht mehr aktuell ist.


Charakterisierung Nathan der Weise (Szene 1.1):

Nathan der Weise ist ein reicher, jüdischer Kaufmann, welcher aus Jerusalem stammt. Er legt jedoch wenig Wert auf materielle Dinge. Als sein Haus abgebrannt ist reagiert er gelassen und antwortet, dass man ein einfach ein neues bauen könne (Z.17 f.). Er ist überzeugt von der Annahme, dass sein Reichtum von „Natur und Glück" herrührt (Z. 34). Kurz darauf sieht man jedoch wie sehr er seine Tochter liebt und wie wichtig sie ihm ist, als er erfährt dass seine Tochter Recha in dem brennenden Haus war. Es ist deutlich zu erkennen wie erschrocken und besorgt er nach dieser Mitteilung ist (Z.18-26). Später redet er mit Daja über den Retter seiner Tochter, bei welchem er sich unbedingt bedanken und ihn belohnen will (Z. 84 ff.).

Charakterisierung Nathans aus der Sicht Dajas (Szene 1.1):

Nathan ist ein reicher, jüdischer Kaufmann, welcher aus Jerusalem stammt. Er lebt mitmir und seiner Tochter Recha zusammen. Er ist geschäftlich viel unterwegs und bringt mir immer viele Geschenke und Schätze von seinen Reisen mit, um sich mein Schweigen Rechas Herkunft bettreffend zu erkaufen. Nathan ist ein sehr großzügiger und liebensvoller Mann, welcher nur das beste für seine Tochter will.

Für ihn ist der Glaube sehr wichtig und er ist er Meinung, dass alle Religionen die „wahre" sind und dem gleichen Ursprung entspringen.

RECHA. So seid Ihr es doch ganz und gar, mein Vater? Ich glaubt', Ihr hättet eure Stimme nur 170 Vorausgeschickt. Wo bleibt Ihr? Was für Berge, Für Wüsten, was für Ströme trennen uns Denn noch? Ihr atmet Wand an Wand mit ihr, Und eilt nicht, eure Recha zu umarmen? Die arme Recha, die indes verbrannte! 175 Fast, fast verbrannte! Fast nur. Schaudert nicht! Es ist ein garst'ger Tod,verbrennen.Oh! - Ankunft des Vaters nach einer Reise, Recha sieht den Vater wieder. Recha macht Nathan Vorwürfe. Sie wäre fast verbrannt. - Recha übertreibt und dramatisiert als Sie vom Brand erzählt. Recha redet in der 3.Person. Sie möchte dem Vater zeigen, dass in seiner Abwesenheit schlimmes mit seiner Recha hätte passieren können.
NATHAN. Mein Kind! mein liebes Kind! - herzliche liebevolle Begrüßung
RECHA. Ihr musstet über Den Euphrat,Tigris,Jordan; über - wer Weiß was für Wasser all? - Wie oft hab ich 180 Um euch gezittert, eh' das Feuer mir So nahe kam! Denn seit das Feuer mir So nahe kam: dünkt mich im Wasser sterben Erquickung,Labsal, Rettung. - Doch Ihr seid Ja nicht ertrunken: ich, ich bin ja nicht 185 Verbrannt. Wie wollen wir uns freun, und Gott, Gott loben! Er, er trug euch und den Nachen Auf Flügeln seiner unsichtbaren Engel Die ungetreuen Ström' hinüber. Er, Er winkte meinem Engel, dass er sichtbar 190 Auf seinem weißen Fittiche, mich durch Das Feuer trüge - - Recha verwendet rhetorische Fragen - Recha vergleicht die Gefahr des Wassers mit der Gefahr des Feuers. Beide waren Gefahren ausgesetzt, dies stellt Verbundenheit und Gemeinsamkeit mit dem Vater dar. - Labsal = kühles Wasser, Erfrischung für Wanderer als Metapher - Recha glaubt von einem Engel gerettet worden zu sein. Für sie, die daran glaubt war der Engel sichtbar, für Nathan soll er unsichtbar sein. Damit möchte Recha verhindern dass der Vater sagt dass es kein Engel gab.
NATHAN. (Weißem Fittiche! Ja, ja! der weiße vorgespreizte Mantel Des Tempelherrn.) - Es waren keine Engels- Fittiche (Flügel) sondern der Mantel des Tempelherren. Damit zeigt Nathan Vernunft gibt sich rational denkend
RECHA. Er sichtbar, sichtbar mich durchs Feuer trüg',von seinem Fittiche 195 Verweht.-Ich also, ich hab einen Engel Von Angesicht zu Angesicht gesehn; Und meinen Engel. - Recha insistiert, dass es ein Engel sei der sie rettete, für sie sichtbar. Die Sichtbarkeit des Engels und ihr insistieren gibt dem ganzen Geschehen nochmal einen Nachdruck.
NATHAN. Recha wär' es wert; Und würd' an ihm nichts Schönres sehn, als er An Ihr - Nathan schmeichelt ihr, dass sie "es wert [sei]". Dies tut er, damit sich Recha nicht persönlich angegriffen fühlt, obwohl er ihren Standpunkt angreift. Nathan „Vermenschlicht“ den Enge
RECHA (lächelnd). 200 Wem schmeichelt Ihr, mein Vater? wem? Dem Engel, oder euch? - viele Fragen - Recha ist sich unsicher ob der Vater mit ihrer Denkweise übereinstimmt.
NATHAN. Doch hätt' auch nur Ein Mensch - ein Mensch, wie die Natur sie täglich Gewährt, dir diesen Dienst erzeigt: er müsste Für dich ein Engel sein. Er müsst' und würde. - Nathan denkt objektiv. - Des weiteren zeigt er Verständnis für ihre Meinung indem er sie logisch nachvollzieht. "[E]r müsste für [sie] ein Engel sein". In so einer lebensbedrohlichen Situation, so Nathan, würde jeder wie ein Engel erscheinen müssen.
RECHA. Nicht so ein Engel; nein! ein wirklicher; 205 Es war gewiss ein wirklicher! - Habt Ihr, Ihr selbst die Möglichkeit, dass Engel sind, Dass Gott zum Besten derer, die ihn lieben, Auch Wunder könne tun, mich nicht gelehrt? Ich lieb ihn ja. - Recha lässt sich nicht von Ihrer Meinung abbringen, dass sie einen Engel sah. - Glaubt an Gott und Wunder
NATHAN. Und er liebt dich; und tut 210 Für dich, und deinesgleichen, stündlich Wunder; Für euch getan. - Nathan zeigt Verständnis, ist liebevoll. - Er möchte die Tochter nicht verletzen
RECHA. Das hör ich gern. Dienst erwiesen - Fühlt sich verstanden
NATHAN.Wie? weil Es ganz natürlich, ganz alltäglich klänge, Wenn dich ein eigentlicher Tempelherr 215 Gerettet hätte: sollt' es darum weniger Ein Wunder sein? - Der Wunder höchstes ist, Dass uns die wahren, echten Wunder so Alltäglich werden können, werden sollen. Ohn' dieses allgemeine Wunder, hätte 220 Ein Denkender wohl schwerlich Wunder je Genannt, was Kindern bloß so heißen müsste, Die gaffend nur das Ungewöhnlichste, Das Neuste nur verfolgen. - Nathan zeigt sich erneut rational - glaubt nicht an Wunder, stellt diese in Frage. - Nathan vergleicht Recha mit "Kindern, [...] die gaffend nur das Ungewöhnlichste, das Neuste verfolgen."Kinder glauben an Wunder Die Gaffer sind hier eine Metapher für Rechas fehlendes Hinterfragen der eigenen Meinung und Ansichten.
DAJA. (zu Nathan). Wollt Ihr denn Ihr ohnedem schon überspanntes Hirn durch solcherlei Subtilitäten ganz Zersprengen? - Vorwurf an Nathan, man solle das Hirn der noch traumatisierten Recha nicht"zersprengen" . Daja möchte dass Recha erstmals glauben soll, was sie will entweder aus Fürsorge oder Eigennutz ( will das Recha Christin ist)
NATHAN. Lass mich! - Meiner Recha wär' Es Wunders nicht genug, dass sie ein Mensch Gerettet, welchen selbst kein kleines Wunder Erst retten müssen? Ja, kein kleines Wunder! 230 Denn wer hat schon gehört, dass Saladin Je eines Tempelherrn verschont? dass je Ein Tempelherr von ihm verschont zu werden Verlangt? gehofft? ihm je für seine Freiheit Mehr als den ledern Gurt geboten, der 235 Sein Eisen schleppt ; und höchstens seinen Dolch? - Versucht Recha zu erklären das es kein Wunder ist und verwendet dafür rhetorische Fragen - Nathan ist wieder rational. - Nathan entgegnet, dass die Rettung durch einen begnadigten Tempelherren genug wunderlich ist, ein Engel gehe aber zu weit geht. Damit verschiebt Nathan immer mehr das Wunder in Richtung Mensch. - Der Tempelherr ist dem Saladin somit verpflichtet, er konnte für die Freilassung Saladin nur den Dolch und den Ledergurt anbieten und somit konnte er sich nicht freikaufen.
RECHA. Das schließt für mich, mein Vater. - Darum eben War das kein Tempelherr; er schien es nur. - Kömmt kein gefangner Tempelherr je anders Als zum gewissen Tode nach Jerusalem; 240 Geht keiner in Jerusalem so frei - Recha versucht dem Vater zu sagen, dass er ihre Meinung bestätigt. „schließt für mich“, damit möchte Recha sagen, dass es doch ein Engel war, dieser sah nur so aus wie ein Tempelherr. - Fragen: „können“ : Recha beginnt ihr eigenes
Umher: wie hätte mich des Nachts freiwillig Denn einer retten können? Denken zu hinterfragen, "wie [sie] des Nachts freiwillig [.] einer retten k[ann]" .
NATHAN Sieh! wie sinnreich. Jetzt, Daja, nimm das Wort. Ich hab es ja Von dir, dass er gefangen hergeschickt 245 Ist worden. Ohne Zweifel weißt du mehr. - Nathan erkennt eine Wirkung seiner Aufklärung und lobt Recha für ihre "sinnreich[e]" Erkenntnis. - Nathan zieht Daja hinzu um die Existenz des Tempelherr zu bestätigen (Mensch vs. Engel) und möchte noch mehr erfahren
DAJA. Nun ja. - So sagt man freilich; - doch man sagt Zugleich,dass Saladin den Tempelherrn Begnadigt, weil er seiner Brüder einem, Den er besonders lieb gehabt, so ähnlich sehe. 250 Doch da es viele zwanzig Jahre her, Dass dieser Bruder nicht mehr lebt, - er hieß, Ich weiß nicht wie; - er blieb, ich weiß nicht wo: - So klingt das ja so gar - so gar unglaublich, Dass an der ganzen Sache wohl nichts ist. 255 - Daja sagt was sie über den Tempelherr weiß und zeigt Zweifel, welche sie mit „man sagt“ zum Ausdruck bringt. - die Vorgeschichte des Bruders von Saladin
NATHAN. Ei, Daja! Warum wäre denn das so Unglaublich? Doch wohl nicht - wie's wohl geschieht - Um lieber etwas noch Unglaublichers Zu glauben? - Warum hätte Saladin, Der sein Geschwister insgesamt so liebt, 260 In jüngern Jahren einen Bruder nicht Noch ganz besonders lieben können? - Pflegen Sich zwei Gesichter nicht zu ähneln? - Ist Ein alter Eindruck ein verlorner? -Wirkt Das Nämliche nicht mehr das Nämliche? - 265 Seit wenn? - Wo steckt hier das Unglaubliche? - Ei freilich, weise Daja, wär's für dich Kein Wunder mehr; und deine Wunder nur Bedürf . . . verdienen, will ich sagen, Glauben. - Nathan verwendet rhetorische Fragen um Daja zum denken/hinterfragen zu bringen. Warum sollte den nicht ein Mensch (von Saldin begnadigter Tempelherr) Recha gerettet haben sollen? - Nathan glaubt nicht an Dajas zweifel - stellt Daja so dar als würde Sie nur an Wunder glauben.
DAJA. Ihr spottet.
NATHAN. Weil du meiner spottest. - Doch 270 Auch so noch, Recha, bleibet deine Rettung Ein Wunder, dem nur möglich, der die strengsten Entschlüsse, die unbändigsten Entwürfe Der Könige, sein Spiel - wenn nicht sein Spott - Gern an den schwächsten Fäden lenkt. - Nathan beklagt sich das Daja versucht alles mit christliches Wunder zu erklären und dies ihn beleidigt (du meiner spottest).
RECHA. Mein Vater! 275 Mein Vater, wenn ich irr, Ihr wisst, ich irre Nicht gern. - Recha zweifelt langsam an ihrer eigenen Haltung „irrt nicht gerne“. Somit stellt sie es in dem Raum dass Nathan doch recht haben könnte.
NATHAN. Vielmehr, du lässt dich gern belehren. - Sieh! eine Stirn, so oder so gewölbt; Der Rücken einer Nase, so vielmehr Als so geführet; Augenbraunen, die 280 Auf einem scharfen oder stumpfen Knochen So oder so sich schlängeln; eine Linie, Ein Bug, ein Winkel, eine Falt', ein Mal, Ein Nichts, auf eines wilden Europäers Gesicht: - und du entkömmst dem Feu'r, in Asien! 285 Das wär' kein Wunder, wundersücht'ges Volk? Warum bemüht ihr denn noch einen Engel? - Nathan belohnt sie mit einem erneuten Lob, dass sie sich "gern belehren" lässt. Gleichzeitig kann Nathan somit Recha zeigen was sie wirklich gesehen hat (Mensch mit : Stirn, Augenbraun, Nase...) - Nathan übt Kritik an nicht rationalen Verhalten :“ wundersücht'ges Volk?“
DAJA. Was schadet's - Nathan, wenn ich sprechen darf Bei alledem, von einem Engel lieber Als einem Menschen sich gerettet denken? 290 Fühlt man der ersten unbegreiflichen Ursache seiner Rettung nicht sich so Viel näher? - Daja relativiert ihre Haltung, bleibt aber bei der Meinung, dass der Glaube an Engel nicht schaden kann.
NATHAN.Stolz! und nichts als Stolz! Der Topf Von Eisen will mit einer silbern Zange Gern aus der Glut gehoben sein, um selbst 295 Ein Topf von Silber sich zu dünken. - Pah! - Und was es schadet, fragst du? was es schadet? Was hilft es? dürft' ich nur hin wieder fragen. - Denn dein "Sich Gott umso viel näher fühlen" Ist Unsinn oder Gotteslästerung.- 300 Allein es schadet; ja, es schadet allerdings. - Kommt! hört mir zu. - Nicht wahr? dem Wesen, das dich rettete, - es sei ein Engel oder Ein Mensch, - dem möchtet ihr, und du besonders, Gern wieder viele große Dienste tun? - 305 Nicht wahr? - Nun, einem Engel, was für Dienste, Für große Dienste könnt ihr dem wohl tun? Ihr könnt ihm danken; zu ihm seufzen, beten; Könnt in Entzückung über ihn zerschmelzen; Könnt an dem Tage seiner Feier fasten, 310 Almosen spenden. - Alles nichts. - Denn mich Deucht immer, dass ihr selbst und euer Nächster Hierbei weit mehr gewinnt, als er. Er wird Nicht fett durch euer Fasten; wird nicht reich durch eure Spenden; wird nicht herrlicher 315 durch eu'r Entzücken; wird nicht mächtiger durch eu'r Vertraun. Nicht wahr? Allein ein Mensch! - Nathan nimmt es so nicht hin (etliche Ausruhe, rhetorische Fragen) und sagt, dass Daja Gott lästert und nur schaden mit ihrer Art verursacht. - Der naive Glaube ist eine menschliche Eitelkeit („Stolz... nichts als Stolz“). Es kommt nicht darauf an, sich Gott näher zu fühlen sondern gut zu handeln (große Dienste tun). - Nathan appelliert auf ihre Vernunft - Nathan hinterfragt ihre Haltung
DAJA. Ei freilich hätt' ein Mensch, etwas für ihn Zu tun, uns mehr Gelegenheit verschafft. Und Gott weiß, wie bereit wir dazu waren! 320 Allein er wollte ja, bedurfte ja So völlig nichts; war in sich, mit sich so Vergnügsam, als nur Engel sind, nur Engel Sein können. - Daja hält an Ihrer Meinung fest
RECHA. Endlich, als er gar verschwand . . . - Recha unterstützt Daja
NATHAN. Verschwand? - Wie denn verschwand? - Sich untern Palmen 325 Nicht ferner sehen ließ? - Wie? oder habt Ihr wirklich schon ihn weiter aufgesucht? - Nathan möchte den nicht auffindbaren Tempelherr kennen lernen.
DAJA. Das nun wohl nicht.
NATHAN. Nicht, Daja? nicht? - Da sieh Nun was es schad't! - Grausame Schwärmerinnen!- Wenn dieser Engel nun - nun krank geworden! . . . Nathan provoziert mit der Aussage, der Tempelherr der gutes tat, könne wohl krank geworden sein. - Nathan versucht Daja emotional zu beeinflussen. Sie sei eine Träumerei. Mitleid soll sie haben mit dem Tempelherr nicht mit dem Engel.
RECHA. Krank! - Recha hat Angst das es war sein könnte.
DAJA. Krank! Er wird doch nicht! - Daja zeigt Angst
RECHA. Welch kalter Schauer Befällt mich! - Daja! - Meine Stirne, sonst So warm, fühl! ist auf einmal Eis. - Auch Recha zeigt Furcht
NATHAN. Er ist Ein Franke,dieses Klimas ungewohnt; Ist jung; der harten Arbeit seines Standes, 335 Des Hungerns, Wachens ungewohnt - Nathan kann immer mehr seine Argumentation durchsetzen. Es ist kein Engel sondern ein Franke (europäischen Christen wurden als Franken bezeichnen)
RECHA. Krank! krank! DAJA. Das wäre möglich, meint ja Nathan nur - Leichte Panik
NATHAN. Nun liegt er da! hat weder Freund, noch Geld Sich Freunde zu besolden. - Nathan argumentiert. Es ist nicht ein Engel sondern ein Mensch der da liegt, ohne Geld.
RECHA. Ah, mein Vater!
NATHAN. Liegt ohne Wartung, ohne Rat und Zusprach', 340 Ein Raub der Schmerzen und des Todes da! NATHAN. Liegt ohne Wartung, ohne Rat und Zusprach', 340 Ein Raub der Schmerzen und des Todes da!
RECHA. Wo? wo?
NATHAN. Er, der für eine, die er nie Gekannt, gesehn - genug, es war ein Mensch - Ins Feu'r sich stürzte . . . - Der Retter war ein Mensch (Vergangenheit)
DAJA. Nathan, schonet ihrer! - Nathan soll Recha nicht weiter quälen.
NATHAN. Der, was er rettetet, nicht näher kennen, 345 Nicht weiter sehen mocht', - um ihm den Dank Zu sparen . . . - Nathan möchte den Tempelherr danken.
- Nathan möchte den Tempelherr danken. - Vorwurf
NATHAN. Weiter Auch nicht zu sehn verlangt', - es wäre denn, Dass er zum zweiten Mal es retten sollte - Denn g'nug, es ist ein Mensch. . . 350 - Der Retter íst ein Mensch (Präsenz)
DAJA. Hört auf, und seht! - Vorwurf.
NATHAN. Der, der hat sterbend sich zu laben, nichts - Als das Bewusstsein dieser Tat!
DAJA. Hört auf! Ihr tötet sie!
- Vorwurf Das Gespräch geht gerade in die von ihr nicht gewünschte Richtung.
NATHAN Und du hast ihn getötet! - Hättst so ihn töten können. - Recha! Recha! Es ist Arznei, nicht Gift, was ich dir reiche. 355 Er lebt! - komm zu dir! - ist auch wohl nicht krank: Nicht einmal krank! - Nathan holt Recha in das hier und jetzt zurück. - Da Recha von der Vorstellung schockiert ist, ihr Retter könnte krank sein, betont Nathan, es sei "Arznei, nicht Gift, was [er ihr] reiche" . Die Wahrheit kann zunächst wehtun, ist langfristig aber die bessere Wahl als Aberglaube. Nathan gibt zu, dass der Tempelherr "wohl nicht krank" sei.
RECHA. Gewiss? - nicht tot? nicht krank? - Vergewisserung. Recha hat nun Angst um den Menschen.
NATHAN. Gewiss, nicht tot! Denn Gott lohnt Gutes, hier Getan, auch hier noch. - Geh! - Begreifst du aber, Wie viel andächtig schwärmen leichter, als 360 Gut handeln ist? wie gern der schlaffste Mensch Andächtig schwärmt, um nur, - ist er zu Zeiten Sich schon der Absicht deutlich nicht bewusst - Um nur gut handeln nicht zu dürfen - Nathan zeigt somit Recha, dass Gott gutes belohnt. Handeln sei besser als schwärmen. Fordert Recha auf zu verstehen dass "andächtig schwärmen leichter als gut handeln ist" - Nathan übt Kritik aus: viele Menschen verstecken sich hinter dem Glauben um nicht gut handeln zu müssen
RECHA. Ach, Mein Vater! lasst, lasst eure Recha doch 365 Nie wiederum allein! - Nicht wahr, er kann Auch wohl verreist nur sein? Recha begreift („nicht wahr er... kann er „) und ändert ihr Denken. Dies kann als gelungene Aufklärung betrachtet werden.
NATHAN. Geht! - Allerdings. - Ich seh, dort mustert mit neugier'gem Blick Ein Muselmann mir die beladenen Kamele. Kennt Ihr ihn? - Nathan sieht Al-Hafi kommen, wie es sich später herausstellt.
DAJA. Ha! Euer Derwisch. 370
NATHAN. Wer?
DAJA. Euer Derwisch; euer Schachgesell!
NATHAN. Al-Hafi?das Al-Hafi
DAJA.Itzt des Sultans Schatzmeister - Al-Hafi ist Jetzt der Schatzmeister des Sultans
NATHAN.Wie? Al-Hafi? Träumst du wieder? - Er ist's! - wahrhaftig, ist's! - kömmt auf uns zu. Hinein mit euch, geschwind! - Was werd ich hören! 375
Strategisches und sprachliches Vorgehen Gemeinsamkeiten (in fett) und Unterschiede in seiner Strategie und Sprache
Recha (Kind) Saladin (Erwachsener) Tempeherr (Erwachsener)
Nathan, der Recha, die als Christin geboren wurde, weder zur Jüdin noch zu einer Christin erziehen kann, hat seine angenommene Tochter im Geiste des Deismus, der natürlichen Religion, erzogen.


SPRACHE:

  1. rhetorische Strategie
  2. Statt auf Konfrontation: Argumentation und Überzeugung
  3. regt zur Nachdenklichkeit und Erläuterung
  4. verständnisvoll, liebevoll
  5. Weise
  6. regt zur Nachdenklichkeit an
  7. empathisch statt bevormundend


Beispiele :

so sagt Recha sie sei von einem Engel gerettet worden.Nathan antwortet: unaufdringlich, aber bestimmt, stets empathisch statt bevormundend.

- Versucht einen Denkprozesse bei seiner zunächst beharrlich am Wunderglauben festhaltenden Tochter in Gang zu bringt.

- Nathan setzt er darauf, dass sich am Ende die vernunftgeleitete Einsicht durchsetzt, die sich auf natürliches Empfinden ebenso wie Selbstreflexion stützt.

- Demzufolge zielt seine Kritik an Wundern auch nicht darauf, Recha das Staunen über Wunder grundsätzlich auszutreiben, sondern "fast im Gegenteil, möchte man sagen, lehrt er das ›wahre‹ Staunen, nämlich die Fähigkeit, das Dasein selbst, die natürliche Verflechtung der Ereignisse, als ein Wunder zu begreifen.

Nathan schafft es Saladin von religiösen Vorurteilen zu befreien er erzieht ihn durch die Ringparabel, da er bemerkt hat, dass die Frage nach der wahren Religion eine Falle war. Auch Saladin stellt fest, dass seine Vorurteile unbegründet waren und sie werden Freunde.


SPRACHE:

  1. metaphorisch (Ringe = Religionen)
  2. vorsichtig und gewählt
  3. rhetorische Strategie
  4. Weise
  5. regt zur Nachdenklichkeit an


Beispiele:

- Das wesentlichste Detail der Erziehung ist die Ringparabel. Kernaussage „der echte Ring vermutlich ging verloren...so glaube jeder sicher seinen Ring den echten“, die Nathan Saladin auf die Frage „was für ein Glaube, was für ein Gesetz hat dir am meisten eingeleuchtet?“ (III/5. 1840/1) antwortet. Allegorie zeigt dass es die wahre Religion nicht gibt.

- Saladin ist stark beeindruckt „Bei dem lebendigen! Der Mann hat r . echt. Ich muss verstummen.“ (S.74/1991) und begeistert „Herrlich ! Herrlich !“ (S.75/2028).

- Auf die Frage, ob er sich für den Richter über die drei Religionen halte, verneint der Sultan heftig (III/7;S.76). Damit wird klar, dass Saladin einsieht, nicht über andere Religionen richten zu dürfen und Menschen nicht wegen ihrer Konfession zu verachten.

Der Tempelherr wird von ihm dahingehend erzogen, dass er sein Ordensgelübde der Keuschheit seiner Menschlichkeit und Liebe zu Recha hintanstellt.


SPRACHE:

  1. Vernunft basierte Argumentation
  2. geschickte Wortwahl/Formulierungen
  3. rhetorische Strategie
  4. vorerst unterwürfig als kluge Taktik
  5. Weise
  6. regt zur Nachdenklichkeit an


Beispiele:

- Nathan sagt, dass alle Menschen gleich sind und fordert von den Menschen gegenseitige Toleranz

- Der Tempelherrn, ist zu Beginn äußerst antisemitisch. "Ach laß den Vater mir vom Hals, Jud ist Jude" (vgl. V. 776), im Verlauf des Gesprächs mit Nathan (II/5) ändert er seine Meinung immer mehr ins positive, da es Nathan perfekt versteht, ihn durch geschickte Wortwahl und Formulierungen zum Nachdenken zu bringen und er überraschend einsieht, wie recht Nathan mit seinen Beispielen hat. „Bald aber fängt der Jud‘ an mich zu verwirren“ (II/5; 1254/5).Am Ende schämt er sich, „ihn einen Augenblick verkannt zu haben“ (II/5;1316/7) und schlägt vor, „Freunde zu werden“ (Z.1318).