Benutzer:LiFNSG

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Seminar: Nelly-Sachs-Gymnasium Neuss

Meine Projekte: Erzählungen

Mein Arbeitsschwerpunkt:

Betreut durch: MaFlo

Inhaltsangabe Sommerhaus, später:

Die Erzählung "Sommerhaus, später" von Judith Hermanns, erschienen im Jahr 1998 und handelt von einer gescheiterten Beziehung zwischen eines Taxifahrers und der Ich-Erzählerin. Der Ort des Geschehens ist in Berlin und Canitz.

Die Erzählung startet abrupt mit einem Anruf von Stein, indem er der Ich-Erzählerin von seinem gekauften Haus erzählt und sie begeistert zu einer Besichtigung abholen will. Stein ist ein Taxifahrer und führte in der Vergangenheit eine dreiwöchige Beziehung mit der Ich-Erzählerin.

Nach dem Telefonat holt Stein die Ich-Erzählerin ab und sie fahren gemeinsam zu dem gekauften Haus. Während der fahrt zum Haus hören sie Musik, wie auch früher in ihrer Beziehung. Ganz im Gegenteil zu der Ich-Erzählerin ist Stein sehr begeistert von dem sehr heruntergekommenen Sommerhaus und berichtet ihr schon über seine Zukunftspläne damit. Er schlägt der Ich-Erzählerin vor ihre Clique und sie aufzunehmen. Die Ich-Erzählerin lässt sich allerdings nicht beeinflussen und beide fahren zurück.

Nach einiger Zeit verschwindet Stein und berichtet der Ich-Erzählerin mit Briefen über die Hausrenovierung. Eines Tages kommt ein Brief für sie, indem ein Zeitungsartikel ihr darüber berichtet, dass ein frisch verkauftes Gutshaus in Canitz abgebrannt sei. Auf diese Nachricht reagiert die Ich-Erzählerin nur mit dem Wort: "Später".


Charakterisierung Stein (Ausschnitt Seite 144-154):

Die Erzählung "Sommerhaus, später" handelt von zwei Hauptcharakteren, welche eine kurze Beziehung führten.Einer der Protagonisten ist der Taxifahrer Stein, welcher im folgenden charakterisiert wird.

Auffällig ist, dass Stein anfangs der Fahrt zum Sommerhaus sehr nervös ist(vgl. S.144: "antwortet nicht"; "unkonzentriert"; "fuhr über rote Ampeln"). Dies hängt mit den hohen Erwartungen an die Meinung der Ich-Erzählerin über das Haus zusammen. Zudem lässt sich daraus schließen, dass Stein die Meinung der Ich-Erzählerin, bzw.. die Ich-Erzählerin wichtig ist.

Im Verlaufe der Fahrt wechselt die Nervosität zu Euphorie und Vorfreude über das Haus(vgl. S.146: "Stein freut sich"; "jovialer Herzlichkeit"). Stein wird sicherer und überzeugter von seinem Kauf und strahlt diese Sicherheit über Freude aus.

Diese Sicherheit macht sich erneut anfangs der Hausbesichtigung bemerkbar(vgl. S.147: "Es ist doch mein Haus!"). Trotz des verfallenen Aussehens bittet er die Ich-Erzählerin ihm zu folgen.

Bei der Hausführung, welche er der Ich-Erzählerin gibt, kann man wieder erkennen, dass ihm die Ich-Erzählerin wichtig ist(vgl. S.149:"Stein leuchtete, zeigte, beschrieb...). Er will der Ich-Erzählerin alles perfekt machen und das Haus möglichst gut bewerben, um sie möglicherweise für sich zu gewinnen.

Bei der Hausführung wird Stein übereuphorisch(vgl. S.150: "mach euch hier 'nen Salon und 'n Billardzimmer und...). In dieser Situation will Stein zu viel und geht einen Schritt zu weit, weswegen er seinem Ziel, die Ich-Erzählerin zurückzugewinnen, nun auch wieder weiter entfernt ist.

Gegen Ende dieser Szene ist Stein enttäuscht über die Reaktion der Ich-Erzählerin(vgl. S.152:"Spielt keine Rolle. Ich wollt's dir nur zeigen."). Durch sein Verhalten hat er genau das Gegenteil bewirkt und die Ich-Erzählerin verschreckt.

Abschließend lässt sich über Stein sagen, dass es sich hierbei um einen dynamischen Charakter handelt. Er versucht sich zu verändern, um die Ich-Erzählerin zurückzugewinnen jedoch ohne Erfolg.


Figurenkonstellation:

In der Erzählung „Sommerhaus, später“ von Judith Hermann steht die Beziehung zwischen den Hauptrollen Stein und der Ich-Erzählerin im Mittelpunkt. Die beiden Charaktere sind Mitglied einer Clique, mit der sie regelmäßig Drogen konsumieren.

Diese „Drogenpartys“ finden unter anderem im Berliner Umland Angermünde statt, wo sie sich respektlos gegenüber den Einheimischen verhalten(vgl. S.143). Durch den Vandalismus und Reiz der Provokation verhält sich die Clique klischeehaft und spiegelt die rücksichtslosen Städter auf dem Lande wieder. Innerhalb weist die Clique allerdings auch sozialverhalten auf, was man bei der Szene auf dem Eis, in der ein Mitglied der Clique beinahe ertrinkt, erkennen kann(vgl. S.154). Typisch für Gruppierungen, weist auch diese Clique eine starke Abgrenzung nach außen, jedoch einen starken Zusammenhalt innerhalb der Clique auf.

Die Ich-Erzählerin als Teil der Clique verhält sich ebenfalls cliquenkonform. Sie grenzt sich sowohl nach außen, als auch nach innen stark ab. In einigen Zügen ist sie noch extremer, als die Clique. Sie weißt eine noch stärkere Ich-Bezogenheit als die Clique und extreme Gleichgültigkeit, in Bezug auf das soziale Verhalten auf. Die extreme Ich-Bezogenheit macht sich zusätzlich in der Abwertigkeit der Landbevölkerung gegenüber bemerkbar(vgl. S.147).

Ebenfalls Teil der Clique, jedoch in seinem Verhalten konträr ist der Taxifahrer Stein. Im Gegensatz zu der Ich-Erzählerin und der Clique weist Stein eine Offenheit sowohl nach außen, als auch nach innen auf. Anders als die anderen führt er sich auch respektvoll ländlicher Bevölkerung gegenüber auf(vgl. S.146).

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass in diesem Fall der Name Programm ist. Stein ist kein willkommenes Mitglied der Clique, welches durch sein anderes Sozialerhalten und seiner Offenheit gegenüber anderen dargestellt wird. Insgesamt sind seine Charakterzüge allerdings nicht mit einem Stein zu vergleichen. Seine Bemühungen um die Ich-Erzählerin und seine Pläne für die Zukunft sprechen in dem Fall gegen einen Vergleich mit einem Stein. Die Ich-Erzählerin ist passend zu ihrem Namen eine sehr Ich-Zentrierte Persönlichkeit. In ihren Handlungen stellt sie ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt und achtet nicht auf Gefühle anderer.


Das Sommerhaus:

In der Erzählung spielt das Sommerhaus eine zentrale Rolle, was direkt an dem Titel bemerkbar wird(vgl. S.139).

Die Ich-Erzählerin hat allerdings einen schlechten ersten Eindruck über das Haus. Sie beschreibt es als zerfallen und instabil und möchte das Haus anfangs nicht betreten(vgl. S.148: „Das ist es noch fünf Minuten“; „als würde es plötzlich zusammenfallen“). Das Haus ist ein großes Gutshaus „aus rotem Ziegelstein, es hatte ein skelettiertes Giebeldach mit zwei hölzernen Pferdeköpfen zu beiden Seiten“(vgl. S.148). Zudem ist die Veranda unsicher und in den Wänden sind große Risse. Außerdem ist das Haus von innen voller Müll(vgl. S.149: „über Mülltüten und Schrott“) und die Ich-Erzählerin hat kein Vertrauen in das Haus(vgl.S.149: „Komm da raus! Es stürzt zusammen!“).

Dennoch hat das Haus seinen Charme und ist beeindruckend (vgl.S.148: „Das Haus war ein Schiff.“). Das Haus hat einen historischen Wert und scheint auch für die Ich-Erzählerin etwas besonderes zu sein(vgl. S.148: „Das Haus war schön. Es war das Haus. Und es war eine Ruine.“).

Für Stein ist dieses Haus allerdings noch viel mehr. Das Haus symbolisiert den Wunsch Steins auf eine gemeinsame Zukunft mit der Ich-Erzählerin. Dies zeigen mehrere Indikatoren. Der Fakt, dass Stein die Ich-Erzählerin mit zu der Besichtigung nimmt zeigt, dass ihm ihre Meinung darüber am wichtigsten ist(vgl.S.139). Zudem zeigt die angesprochene Größe des Hauses, dass Stein in diesem nicht alleine wohnen will. Auch sein Verhalten während der Autofahrt zum Haus, bzw. im Haus lässt darauf schließen, dass er es ihr bestmöglich präsentieren möchte, um sie zu einem Einzug zu überzeugen. Die indirekten Einladungen durch die Briefe bestätigen das Ganze(vgl.S.155).

Im letzten Brief an die Ich-Erzählerin ist ein Zeitungsartikel, welcher sie über das Abbrennen des Sommerhauses informiert(vgl.S.155f). Dadurch, dass Stein dieses Haus als Chance nutzen wollte, um mit der Ich-Erzählerin eine gemeinsame Zukunft zu haben, diese ihn allerdings ignorierte, kann man davon ausgehen, dass er sein eigenes Haus abgebrannt hat. Mit dieser Aktion zeigt er, dass er mit der Ich-Erzählerin abgeschlossen und nun die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft aufgegeben hat.

Die Ich-Erzählerin reagiert auf diesen Brief geschockt(vgl. S.156: „stand zehn Minuten stumpfsinnig vor dem Herd“). Sie hat mit dieser Reaktion Steins nicht gerechnet und ist überrascht. Da sie diesen Brief einfach zu den anderen in eine Schublade legt, könnte man davon ausgehen, dass auch sie abgeschlossen hat und ihr die Beziehung, bzw. Stein gleichgültig sei. Allerdings reagiert sie auf diesen Brief nur mit dem Wort „später“. Dies zeigt, dass sie doch nicht angeschlossen hat, sondern vielmehr etwas aufschiebt. Sie geht davon aus in der Zukunft zu Stein zurückzukehren und möglicherweise mit ihm zusammenzuleben.

Das Haus ist in dieser Erzählung sowohl als Utopie, als auch als Scheitern einer Existenz, bzw. Scheitern einer einseitigen Beziehung zu verstehen. Wie bereits erwähnt steht das Haus stellvertretend für den Wunsch Steins auf eine gemeinsame Beziehung mit der Ich-Erzählerin. Utopisch scheint dieser Traum allerdings nur, aufgrund der Feigheit der Ich-Erzählerin(vgl.S.156: „Später.“). Im Gegensatz zu Stein traut sie sich nicht den nächsten Schritt zu machen, weswegen Stein letztendlich vermutlich sein eigenes Haus in Brand setzt. Dadurch, dass dieser zweite Schritt nicht getan wird, wird bestätigt, dass es nur eine Utopie, also eine Wunschvorstellung war. Erst das Abbrennen des Hauses steht für das Scheitern der einseitigen Beziehung. Dadurch wird, wie bereits erwähnt, ein klarer Schlussstrich gezogen und aus Steins Sicht die gemeinsame Zukunft zerstört.