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Seminar: Nelly-Sachs-Gymnasium

Meine Projekte: Nelly-Sachs-Gymnasium Neuss

Mein Arbeitsschwerpunkt: —————

Betreut von: Benutzerin:MaFlo


Inhaltsangabe Sommerhaus, später

Die Erzählung "Sommerhaus, später", von Judith Herrmann erschien im Jahr 1998 und handelt von einer Frau, die aus der Ich-Perspektive über ihr Leben und die Beziehung zu einem Taxi-Fahrer berichtet. Die Erzählung spielt in Berlin und in Canitz.

Die Ich-Erzählerin bekommt einen Anruf von ihrem Ex-Freund Stein, da er ein Haus in Canitz gekauft hat und es mit ihr besichtigen möchte. Deshalb holt er sie mit seinem Taxi ab und sie fahren zu dem Haus.

In einem Rückblick erzählt die Ich-Erzählerin von ihrer zwei Jahre zurückliegenden Beziehung. Sie lernen sich bei einer Taxifahrt kennen, woraufhin Stein für drei Wochen bei ihr einzieht, da er keine eigene Wohung hat. Nach den drei Wochen zieht Stein abwechselnd zu den Freunden von der Erzählerin, schläft mit ihnen und fängt so an, sich in die Freundesgruppe zu integrieren.

Bei der Fahrt und während der Besichtigung erzählt Stein viel über das Haus und schildert seine Bemühungen. Er bietet der Erzählerin an, mit ihren Freunden und ihm in das Haus zu ziehen. Die Erzählerin gibt keine Antwort darauf und wartet, dass Stein sie ausdrücklich bittet in das Haus zu ziehen.

Ein paar Wochen nach der Besichtigung verschwindet Stein und schickt der Erzählerin wöchentlich Postkarten. Der letzte Brief enthält einen Zeitungsartikel, indem steht, dass das Haus abgebrannt und der Besitzer verschwunden ist.


Charakterisierung Ich-Erzählerin

Die Ich-Erzählerin in der Erzählung "Sommerhaus, später", ist neben Stein die Protagonistin und weist somit einige Charakterzüge auf.

Sie lebt in einer Wohnung in Berlin. In dem Haus lebt ebenfalls ihre Freundesgruppe, mit der sie viel Zeit verbringt. Der zweite Protagonist Stein lebte für drei Wochen in ihrer Wohnung. In dieser Zeit haben die Ich-Erzählerin und Stein eine Beziehung geführt.

Die Ich-Erzählerin ist eine sehr nachdenkliche Person. Sie denkt sowohl an ihre momentanen Umstände, wie auch an die Vergangenheit (S.144/145). Dabei empfindet sie eine Ambivalenz der Gefühle gegenüber Stein. Einerseits sehnt sie sich nach Berührungen von ihm (S.146), andererseits schreckt sie zurück, wenn Stein ihre Nähe sucht (S.150). Sie schwelgt in den schönen Erinnerungen von früher mit Stein (S.144).

Die Ich-Erzählerin kennt Stein gut ("Ich sah dass er es bereute", S.145), ist aber trotzdem schnell genervt von ihm und seiner Art mit Menschen umzugehen (S.146). Außerdem ist ihr Steins Art unangenehm ("Ich spürte, wie ich rot wurde", S.146).

Sie ist nicht nur schnell von Stein genervt, sondern auch von ihrer Umwelt, zum Beispiel von der Kälte oder den anderen Autofahrern (S.144).

Zusammenfassend ist die Ich-Erzählerin eine Persönlichkeit mit sehr durchwachsenen Charakterzügen. Sie ist in dem einen Moment sehr misstrauisch und eher negativ gestimmt, während sie sich im nächsten Moment über Steins enthusiasmus freut (S.147).

Die Ich-Erzählerin ist ein eher dynamischer Charakter, da sie zu Beginn der Erzählung eher negativ Stein gegenüber gestimmt ist und zunächst keine Lust hat, das Haus mit ihm zu besichtigen. Am Ende hofft sie allerdings, dass Stein sie auffordert in das Sommerhaus zu ziehen. Während der Erzählung durchlebt sie also einen Prozess, indem sich ihre Ansichten verändern.


Figurenkonstellation

In der Erzählung "Sommerhaus, später" kommen zum einen die zwei Protagonisten Stein und die Ich-Erzählerin vor, sowie der Rest der Clique, die eher nebensächlich sind.

Die Clique fährt in das Berliner Umland, um da Drogen zu nehmen und in fremde Gärten zu gehen, obwohl weder die Einheimischen die Clique mögen, noch andersherum. Sie Verhalten sich dort sehr respektlos, provozieren und vandalieren. Das entspricht dem Klischee der rücksichtslosen Städter auf dem Land.

Man kann also sagen, dass nur innerhalb der Clique ein Sozialverhalten und Zusammenhalt herrscht, während sie sich nach außen stark abgrenzen und kein Sozialverhalten aufweisen.

Die Ich-Erzählerin ist ein Teil der Clique und verhält sich Cliquenkonform. Im Vergleich zu dem Rest der Clique hat sie allerdings eine noch stärkere Ich-Bezogenheit in Bezug auf ihr soziales Verhalten. Sie grenzt sich sowohl nach außen, wie auch nach innen ab, ist ihren Freunden gleichgültig und der Landbevölkerung abwertend gegenüber.

Zusammenfassend kann man die Ich-Erzählerin also als eine ich-zentrierte Persönlichkeit bezeichnen. Sie handelt so, wie es für sie am besten ist, besitzt keinerlei Empathie und ist auch nicht sehr hilfsbereit.

Stein könnte man als "Klotz" der Clique bezeichnen. Er ist beständig und verändert sich im Laufe der Erzählung nicht. Außerdem macht er häufig das, was der Rest der Clique auch macht und ist trotzdem kein richtiger Bestandteil der Clique.


Das Sommerhaus: Utopische Idylle und Ort der gescheiterten Existenz

Das Traumhaus von Stein stellt sich in der Realität für die Ich-Erzählerin anders dar, als erwartet. Es ist ein „großes, zweistöckiges Gutshaus aus rotem Ziegelstein“ (S.148). Mit der Aussage „Das Haus sah aus, als würde es jeden Moment lautlos und plötzlich in sich zusammenfallen“ (S.148) und „Ich schob angewidert die Ranken beiseite“ (S.149), verdeutlicht sie, dass es nicht das Haus ist, was sie erwartet hat. Dass Steins Haus eine Ruine ist (S.148), wird durch die Schilderung der nicht vorhandenen Scheiben und Türen deutlich (S.144/149). Außerdem hat das Haus eine Veranda („die windschiefe Veranda wurde nur noch vom dichten Efeu zusammengehalten“, S.148) und einen Garten (S.150). Trotz ihrer negativen Einstellung dem Haus gegenüber, sagt sie „Das Haus war schön. Es war das Haus“ (S.148). Sie denkt also trotzdem, dass das Haus zu Stein passt.

Stein hat auf seine Postkarten an die Ich-Erzählerin und seine indirekte Einladung, in das Haus zu ziehen, keine Antwort bekommen. Deswegen könnte es sein, dass er in seinem „Traumhaus“ nicht ohne die Ich-Erzählerin leben möchte und somit das Haus abgebrannt hat. Dagegen würde sprechen, dass er sehr viel Arbeit in das Haus gesteckt hat und glücklich über seinen Kauf war.

Ich denke allerdings, dass er das Haus abgebrannt hat, da er eventuell über die Ich-Erzählerin hinweg kommen wollte und somit nicht alleine in dem Haus leben möchte, da er die ganze Erzählung über versucht hat, die Ich-Erzählerin zurück zu gewinnen.

Als die Ich-Erzählerin den Artikel über den Hausbrand liest, zeigt sie keine Reaktion. Sie starrt auf den Brief und "stand zehn Minuten stumpfsinnig vor dem Herd herum" (S.156). Ich denke, dass die Ich-Erzählerin über die Neuigkeit nachdenkt und nicht weiß, wie sie damit umgehen soll. Da sie zu keinem Schluss kommt und nicht weiß, ob und wie sie reagieren soll, sagt sie "später" (S.156). Somit verdeutlicht sie, dass sie sich erst später, oder gar nicht mit dem Problem auseinandersetzen will.

Das Haus ist eine "Utopische Idylle" für Stein, da er sich vorstellt, wie er mit der Ich-Erzählerin zusammen in dem Haus lebt. Er möchte alles nach ihren individuellen Präferenzen gestalten, weshalb es ihn nicht stört, dass das Haus eine Ruine ist. Andererseits könnte das Haus für die gescheiterte Beziehung von Stein und der Ich-Erzählerin stehen, da sie größtenteils von Stein ausging und die Ich-Erzählerin nicht sehr großes Interesse gezeigt hat. Das würde wiederum für eine "gescheiterte Existenz" stehen. Zusammenfassend steht das Haus also sowohl für eine Utopische Idylle, wie auch für eine gescheiterte Existenz, die dazu führt, dass keiner in das Haus einzieht und es abbrennt.