Benutzer:AnnSNSG

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-Seminar: Nelly-Sachs-Gymnasium Neuss

-Projekt: Erzählungen

-Arbeitsschwerpunkt: Analyse des offenen Endes

-Betreut von: Benutzerin:MaFlo


,,Das Haus in der Dorotheenstraße" - Inhaltsangabe

Gottfried Klausen lebt mit seiner Frau Xenia in dem Haus in der Dorotheenstraße in Berlin. Er ist ein sehr geschätzter Wirtschaftsjournalist, dem seine Karriere sehr wichtig ist. Als er gebeten wird, eine Vertretung in London zu übernehmen, willigt er ein. Er glaubt seine Frau werde ihm folgen, sobald er eine größere Wohnung gefunden hat. Auf eine Empfehlung hin besucht Gottfried Klausen die berühmte Shakespeare Company und schaut sich das Theaterstück ,,The Tragedy of Othello, the Moor of Venice" an, indem es um einen Mann geht, der sich lieber umbringt, als die angebliche Untreue seiner Frau zu hinterfragen. In den nächsten Tagen versucht er seine Frau mehrmals ohne Erfolg zu erreichen. Als ihm dies dann gelingt, machen sie einen Termin aus, an dem Xenia nach London fliegen soll, um zusammen eine mögliche gemeinsame Wohnung zu besichtigen. Doch Xenia tritt den geplanten Flug nicht an. Als Gottfried Klausen daraufhin versucht, sie zu erreichen, meldet sich eine Männerstimme am Telefon. Er beschließt, möglichst schnell nach Berlin zu fliegen und die Situation zu klären, was jedoch durch einen Vulkanausbruch in Island verhindert wird. Als er dies seiner Frau mitteilen möchte, meldet sich erneut eine Männerstimme am Telefon und er hört seine Frau im Hintergrund lachen. Gottfried Klausen lässt sich nach dem Theaterstück, welches er sich noch ein zweites Mal anschaut, verunsichern und vermutet die Untreue seiner Frau. Die Aufforderung ,,put out the light" geht ihm nicht mehr aus dem Kopf und er vernachlässigt sogar seine Arbeit. Er möchte raus aus London und möchte sich nach Island versetzen lassen, um dort über den Ausbruch des Vulkans Grimvötn zu berichten. Die Erzählung bricht daraufhin ab und der Erzähler deutet an, dass Gottfried Klausen seiner Frau etwas antut.


Deutungshypothese: Klausen flüchtet nach Island

Vergleich der gewählten Deutungshypothese mit der Figurencharakterisierung

,,Das Haus in der Dorotheenstraße" ist eine Novelle mit einem offenen Ende. Dieses kann man somit unterschiedlich deuten. Im Folgenden wird das offene Ende hinsichtlich meiner Deutungshypothese, dass Klausen nach Island flüchtet, statt sich mit dem Problem zu konfrontieren, mit Hilfe seiner Figurencharakterisierung, analysiert und anschließend belegt beziehungsweise widerlegt.

Gottfried Klausen ist der Protagonist der Novelle und verheiratet mit seiner Frau Xenia. Er ist ein erfolgreicher Wirtschaftsjournalist, dem seine Karriere sehr wichtig ist. Die Beziehung zu seiner Frau erscheint im Gegensatz dazu immer eher zweitrangig und scheint für Klausen eine untergeordnete Rolle zu spielen. Dies zeigt unter anderem die Tatsache, dass Klausen sich nach London versetzen lässt, ohne dies vorher mit seiner Frau zu besprechen (S.75).

Gottfried Klausen ist ein ein Rationalist und Pragmatiker. Er handelt logisch, vernünftig und genau (S.74). In seinem Beruf als Wirtschaftsjournalist geht er voll und ganz auf, da seine übliche Routine für ihn mit Sicherheit und Ordnung verbunden ist. Gegenüber Gefühlen verhält er sich ablehnend und zurückhaltend. Dies zeigt unter anderem die Beziehung zu seiner Frau, welche nicht wie ein eheliches Verhältnis sondern eher wie ein Resultat aus einer Gewöhnung erscheint (S.73-75).

Als Klausen seine Frau nicht erreichen kann, ist er zwar verwirrt aber vorerst gelassen und versucht sich die Situation zu erklären (S.82). Als sich jedoch eine fremde Männerstimme am Telefon meldet, ist Klausen verunsichert und es ist ihm nicht möglich den Sachverhalt logisch aufzuklären (S.87). Auf diese Situation reagiert er mit Verunsicherung und Verlust des Selbstvertrauens (S.88). Klausens Warnvorstellungen setzten ein und statt sich mit dem Problem zu konfrontieren, möchte er sich nach Island versetzen lassen und somit aus der Situation flüchten (S.91).

Klausen kann man demnach ziemlich deutlich dem Archetyp Weise zuordnen. Er ist fleißig, exakt und wissbegierig was seinen Beruf angeht (S.74). Fakten und Wahrheit ist für ihn wichtig, was auch bei seinem ersten Theaterbesuch deutlich wird, da ihm das Theaterstück "Othello" aufgrund von fehlenden Fakten vollkommen unglaubwürdig erscheint (S.77). Auch der Archetyp Herrscher ist bei ihm zu erkennen, da sein Streben nach Kontrolle enorm ist und schon fast wie ein Zwang erscheint. Dies zeigt sich besonders wenn Klausen keine Kontrolle über eine Sache hat, da er sich dann vollkommen untypisch verhält. Ein Beispiel dafür ist, dass Klausen, aufgrund der emotionalen Situation in der er sich befindet, sogar seine Arbeit vernachlässigt, was dem Entsetzen seines Chefredakteurs nach, scheinbar nicht seinem eigentlichen Arbeitsstil entspricht (S.90-91).

Zu Beginn der Novelle wird der Archetyp Weise sehr deutlich. Das unterschiedliche Verhalten von Klausen während des Verlaufs der Novelle, ist darauf zurückzuführen, dass Klausen sich zu Beginn in einer, für ihn gewohnten Situation befindet, in der seine gewöhnliche Art deutlich wird (S.75). In den letzten beiden Kapiteln ist dieser Archetyp aufgrund der emotionalen Situation, in der Klausen sich befindet, nicht mehr zu erkennen. Der Archetyp Herrscher steht für streben nach Kontrolle und Macht und für die Ziele Erfolg und Wohlstand. Auch diesen Archetyp kann man Klausen definitiv zuordnen. Diese Verhaltensweisen zeigen sich größtenteils in seinem Verhältnis zu seiner Arbeit (S.74), wobei der Aspekt der Kontrolle beziehungsweise des Kontrollverlustes auch in seiner Beziehung zu Xenia eine große Rolle spielt.

Auch der Aspekt, dass Klausen auf einem anderen Weg nach Berlin hätte kommen können, wie zum Beispiel mit dem Schiff spielt eine große Rolle bei der Analyse seiner Figur. Dadurch zeigt sich, dass Klausen, nachdem ihm klar geworden ist, dass er die Situation vermutlich nicht aufklären kann, die Situation nicht mehr klären möchte, aus Angst, dass sich der Vorgang vom Telefon, wiederholen könnte (S.87).

Zieht man das Instanzenmodell von Sigmund Freund mit ein zeigt sich, dass das ,,Über-Ich" bei Klausens handeln eine entscheidende Rolle spielt. Er achtet Gebote und Verbote und strebt nach Perfektion und Anerkennung. Er versucht seine Bedürfnisse und Wünsche, und somit das ,,Es" in Freunds Modell, zu unterdrücken, welche ihn lediglich in seinem Traum einholen (S.79). Statt also auf einem anderen Weg nach Berlin zu kommen und mit Xenia zu sprechen wandert er vermutlich nach Island aus und versucht weiterhin sein „Es“ zu unterdrücken. Während der gesamten Novelle zeigt sich außerdem, dass es ihm nicht wirklich gelingt das „Über-Ich“ und das „Es“, also seine Arbeit und sein Eheleben richtig zu einem „Ich“ zu vereinen.

Abschließend lässt sich sagen, dass meine Deutungshypothese, dass Klausen nach Island flüchtet durchaus möglich ist, da es Klausen nicht gelingt eine Lösung für sein Problem zu finden und mit flucht reagieren könnte.


Analysiere Kapitel 5 schriftlich hinsichtlich der angewendeten erzählerischen Mittel; formuliere einen Funktionszusammenhang bezüglich der Gesamtintention der Erzählung

Die Novelle „Das Haus in er Dorotheenstraße“ wurde von Hartmut Lange geschrieben und ist 2013 erschienen. Sein Text ist in sechs Abschnitte gegliedert, von denen der fünfte im Folgenden, hinsichtlich der erzählerischen Mittel, analysiert wird.

In dem fünften Abschnitt der Novelle geht es um die Vermutung Klausens, dass Xenia, ihm gegenüber, untreu ist.

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Klausen, aufgrund seines Berufs, in London. Einige Tage zuvor hörte er eine Männerstimme am Telefon, als er seine Frau Xenia angerufen hat. Er wollte nach Berlin fliegen, um die Situation mit seiner Frau zu klären.

Zu Beginn des fünften Kapitels erfährt Klausen, dass er aufgrund eines Vulkanausbruchs nicht nach Berlin fliegen kann. Er denkt nach seiner Rückkehr vom Flughafen über das Telefonat nach, doch unterlässt es, sich auf einem anderen Weg Klarheit zu verschaffen, weil er Angst hat, der Vorgang könnte sich wiederholen. Stattdessen überlegt er, welche Erklärungen es für die Männerstimme am Telefon geben könnte. Dabei kommt er zu dem Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt. Einige Tage später ist Klausen im Theater und schaut sich zum zweiten Mal „The Tragedy of Othello, the Moor of Venice“ an, welches er jedoch frühzeitig verlässt. Anschließend sucht Klausen einen Pub auf, um alles zu überdenken.

Die Geschichte von einem Er-/Sie Erzähler erzählt. Er berichtet also aus der 3. Person und vermittelt nur das, was er erzählen will oder kann. Über sich selbst erzählt er nichts. Der Erzählstandort ist die Außensicht, da er unbeteiligt und nicht innerhalb der erzählten Welt ist. Außerdem nimmt er die Figur aus der Nähe wahr. Er vermittelt ebenfalls die Innenperspektive, wodurch Klausens Gedanken und Gefühle deutlich werden (S.87, Z. 9-16)

Bezüglich des Erzählverhaltens lässt sich feststellen, dass der Erzähler neutral ist und somit lediglich ein unbeteiligter Beobachter des Geschehens ist.

Zudem werden während des Ausschnitts mehrere Darbietungsformen genutzt. Es beginnt mit einer Erzählerbeschreibung (S.87, Z. 1-8), durch die die Situation durch den Vulkanausbruch detailliert beschrieben wird. Darauf folgt eine erlebte Rede von Gottfried Klausen, durch die sein Gedankengang wiedergegeben wird (S.87, Z. 15-16). Als nächstes folgt erneut eine Erzählerbeschreibung. Der Erzähler versetzt sich dabei in die Perspektive von Klausen und geht einen möglichen seiner Gedankengänge durch (S.87/88). Dadurch kann sich auch der Leser gut in Klausens Situation hineinversetzen. Auch das Ende des Ausschnitts ist, bis auf das Wort ,,Nein“ von Klausen, eine Erzählerbeschreibung beziehungsweise ein Erzählerbericht. Die direkte Rede von Klausen, zeigt dass er sich klar gegen das Sitzen bleiben im Theater entschlossen hat und sich somit nicht erneut mit den Gefühlen konfrontieren möchte (S.88, Z.18). Dadurch, dass fast der gesamte Ausschnitt aus der Sicht des Erzählers geschildert wird, erfährt man relativ wenig von der Figur Klausen und seiner Gefühlslage.

Die Erzählzeit ist deutlich kürzer als die erzählte Zeit, da es während des Ausschnitts einen Zeitsprung gibt (S.88, Z. 8). Die Abfolge des Geschehens ist chronologisch und somit einfach zu folgen, wodurch sich der Leser gut in die Situation hineinversetzten kann. Die meisten Ausschnitte sind gerafft (S.88, Z.11ff). Der Fortgang wird somit oft nur ziemlich knapp vom Erzähler geschildert, wodurch der Leser die Möglichkeit hat, viel selber zu interpretieren. Wenn es um die Gefühle Klausens geht, die in diesem Kapitel im Vordergrund stehen, ist die Erzählung Zeitdeckend, wodurch der Vorgang realistisch und bedeutsam wirkt (S.87, Z.9-16).

Im Gesamtzusammenhang betrachtet ist das fünfte Kapitel ein sehr bedeutsames Kapitel für die Novelle. In diesem gibt es einen retardierenden Moment, da Klausen im Theater zu dem Entschluss kommt, dass die Tötung eines Wehrlosen nicht der richtige Weg ist (Z.11-17) und er in einen Pub gehen möchte, um die ganze Situation mit Xenia nochmal zu überdenken (S.89, Z.3ff). Zudem wird in diesem Kapitel das Problem der fehlenden Kommunikation zwischen ihm und Xenia sehr deutlich. Klausen erscheint dadurch kommunikativunfähig, wenn es um seine Beziehung geht, da viele Dinge zwischen ihm und seiner Frau unausgesprochen bleiben.