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Bewertung der individuellen Verantwortung der Nebenfiguren für den Aufstieg des Arturo Ui
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''Leitgedanken:''
 
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* ''Missbrauch oder Missachtung der eigenen Macht/Verantwortung?''
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Im Gesamtbild tragen alle Nebenfiguren in gewisser Weise mehr oder weniger dazu bei, das Arturo Ui an die Macht kommt. Allerdings passiert dies bei den einzelnen Figuren auf unterschiedliche Art und Weise, wie zum Beispiel durch Unachtsamkeit, zum eigenen Schutz, aus Unbewusstheit oder aber auch zum eigenen Vorteil im persönlichen oder wirtschaftlichen Bereich. Außerdem repräsentieren die Nebenfiguren des Dramas die Weimarer Gesellschaft, denn jede einzelne Figur spiegelt einen Teil dieser Gesellschaft wieder.  
 
Im Gesamtbild tragen alle Nebenfiguren in gewisser Weise mehr oder weniger dazu bei, das Arturo Ui an die Macht kommt. Allerdings passiert dies bei den einzelnen Figuren auf unterschiedliche Art und Weise, wie zum Beispiel durch Unachtsamkeit, zum eigenen Schutz, aus Unbewusstheit oder aber auch zum eigenen Vorteil im persönlichen oder wirtschaftlichen Bereich. Außerdem repräsentieren die Nebenfiguren des Dramas die Weimarer Gesellschaft, denn jede einzelne Figur spiegelt einen Teil dieser Gesellschaft wieder.  

Version vom 19. Februar 2022, 15:47 Uhr

Benutzer:ZoHNSG

Schule: Nelly-Sachs-Gymnasium

Seminar: Nelly-Sachs-Gymnasium Neuss

Meine Projekte: Dramenanalysen

inhaltliche Schwerpunkte:

• es besteht ein Religionskonflikt zwischen Judentum, Christentum und Islam —> Verhältnis der drei monotheistischen Religionen

• Nathan der Weise ist ein Drama der Aufklärung, welches auf Kommunikation basiert, wobei Vernunft die Grundlage des menschlichen Handelns bildet

Inhaltsangabe:

Das Drama spielt in Jerusalem, während der Kreuzzüge, Ende des 12. Jahrhunderts. Zu diesem Zeitpunkt herrschte ein großer Religionskonflikt zwischen den drei Weltreligionen Judentum, Christentum und dem Islam. Nachdem Nathan von seiner Geschäftsreise heim kommt, erfährt er von der Gesellschafterin Daja, dass es zu Hause einen Brand gab und seine Adoptivtochter Recha vom Tempelherrn aus Deutschland gerettet wurde. Recha glaubt sie habe ein Engel gerettet und möchte sich bei ihrem Retter persönlich bedanken, jedoch gegen den Willen Nathans, welcher anschließend den wahren Retter aufsucht. Ein Treffen mit dem Tempelherrn scheint anfangs allerdings unmöglich aufgrund der unterschiedlichen Religionen. Letztendlich tritt nach einem Gespräch mit Nathan nach der Frage Saladins, welche Weltreligion denn nun die Wahre sei, die Ringparabel über die drei Brüder hervor und mit der Weitergabe des Adressbuches an den Klosterbruder stellt sich ebenfalls heraus, dass die Hauptpersonen Recha und der Tempelherr Geschwister sind. Demnach zeigen sich dort überraschende Verwandtschaftsverhältnisse.

Zusammenfassend kann man folgende Kernaussagen für das Drama formulieren: Alle drei Weltreligionen können in einer Familie aufgefunden werden, alle Religionen sind quasi miteinander verwandt, weil sie einen gemeinsamen Ursprung haben. Jede Religion ist die wahre.

Hat das Drama heute noch Aktualitätsbezug:

Das Stück wird auch heute noch aufgeführt, denn es hat eine bedeutende Message durch die dort genannte Ringparabel, die bis heute noch einen Bezug zur Menschheit hat. Auch heute sind Religionskonflikte noch präsent und es wird weiter darüber diskutiert, ob es eine Rangfolge der Religionen gibt, obwohl wir uns im 20. Jahrhundert befinden und dementsprechend schon viel mehr über den Mensch und seinen Glauben wissen. Somit dient das Drama auch heute noch zur Aufklärung mit Hilfe von Vernunft und Toleranz.

Charakterisierung Nathan anhand der Szene 1.1:

Die Hauptfigur Nathan ist Jude und ein sehr reicher Geschäftsmann, der wenig Wert auf materielle Dinge legt und zu Beginn des Dramas von einer Geschäftsreise aus Babylon nach Hause zurückkehrt (Vgl. V.2ff.). Er ist sehr fleißig und genau in seiner Arbeit, weshalb er sich genug Zeit nimmt, diese zu erledigen. Er lebt außerdem mit seiner Ziehtochter zusammen (Vgl. V.30f.), die er liebt und sich um sie sorgt (Vgl. V.20ff, V.27f.). Dies lässt sich daran erkennen, da er sich direkt nach ihr erkundigt, als er erfährt, dass sie in einem brennenden Haus war und in Lebensgefahr schwebte (Vgl. V.20ff.). Außerdem wohnt bei ihnen die Gesellschafterin Daja, die sich um Recha kümmern soll und zu der Nathan befehlend ist (Vgl. V.53f, V.57), woran sich zeigt, dass Nathan ein sehr selbstbewusster und eigenständiger Mann ist. Als Nathan von seinem abgebrannten Haus erfährt, ist ihm dies nicht weiter wichtig, sondern er schlägt vor, ein neues Haus zu bauen (Vgl. V.17f.). Den Retter seiner Tochter (den Tempelherrn) aus dem brennenden Haus möchte er ebenfalls reich belohnen (Vgl. V. 92ff.), was erneut seine Großmütigkeit und auch Ehrlichkeit betont (Vgl. V.50). Des Weiteren ist Nathan ein gläubiger Jude (Vgl. V.53). Er ist nicht gerade naiv, er verhält sich überlegt und versetzt sich in andere Personen hinein, was für Empathie spricht (Vgl. V. 128ff.). Gegen Ende der ersten Szene wird deutlich, dass Nathan ebenfalls tolerant gegenüber anderen Religionen ist, da er den christlichen Retter Rechas suchen und herbringen möchte, welcher ja kein Jude ist (Vgl. V.160f.). Dies ist ebenfalls ein Beleg dafür, dass Nathan ein entschlossener und zielstrebiger Mann ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Nathan ein reicher Geschäftsmann mit Verstand und einem großen Vermögen ist, dem er allerdings keinen zu großen Wert zuschreibt, da er materielle Dinge nicht als sehr wichtig ansieht. Er ist ein ebenfalls ein sehr liebevoller Vater mit großem Herz, sorgt sich um seine Tochter und ist offen gegenüber anderer Weltreligionen, was ebenfalls eine positive Veranlagung beziehungsweise Eigenschaft ist.

Charakterisierung Nathans aus der Sicht von Daja:

Nathan ist laut Daja ein sehr beschäftigter und reicher Geschäftsmann, der sehr häufig und oft längere Zeit von zu Hause weg ist (Vgl. V.1ff.). Sie lobt jedoch seine Großmut (Vgl. V.55), welche ebenfalls mit viel Ehrlichkeit in Verbindung steht. Allerdings hält Daja es für ungut und nicht richtig, dass Nathan Recha als „seine“ Recha bezeichnet (Vgl. V.28ff.), da dies sehr besitzergreifend ist. Sie ist sich ihrer Unterlegenheit gegenüber Nathan stets bewusst und zweifelt auch nicht daran (Vgl. V.54ff.), jedoch möchte Nathan Dinge häufig mit Geschenken und materiellen Gütern lösen (Vgl. V.52ff.) , weshalb Daja oft nicht „normal“ mit ihm über Dinge oder Probleme reden kann, ohne unterbrochen zu werden.

Somit lässt sich sagen, dass auch Nathan als Mensch nicht perfekt ist und positive sowie negative Seiten hat (Vgl. V.169), Daja jedoch generell weiß mit ihrer Unterlegenheit Nathans umzugehen und ihn trotzdem für seine Großmut, seine Ehrlichkeit und seinen liebevollen Umgang mit seiner Tochter Recha zu schätzen.

Kommentar zu einer anderen Charakterisierung: (LoGNSG)

Deine Charakterisierung ist dir gut gelungen, du hast immer zu erkennen gegeben, woher du die Informationen hast, mit Belegen gearbeitet und auch viele Eigenschaften der Hauptfigur Nathan herausgearbeitet. Nur solltest du bei den Textbelegen aufpassen anstatt Zeilenangaben, Versangaben zu verwenden, da es sich hier ja um ein Drama handelt.

Inhaltliche und Sprachliche Analyse des Gesprächs zwischen Nathan und Recha (1.2):

Die Szene handelt von einem Gespräch zwischen Nathan, Recha und schließlich auch noch Daja. Anfangs treffen Nathan und Recha aufeinander und Recha erwartet eine Begrüßung ihres Vaters, nach all dem, was passiert ist (Vgl. V.169ff.). Anschließend erzählt sie ihm, sie habe ein wirklicher Engel gerettet und dass Gott dafür gelobt werden müsse (Vgl. V.186ff.). Nathan behauptet jedoch, dass jeder Retter ihr in solch einer lebensbedrohlichen Lage als Engel habe erscheinen müssen (Vgl. V.201ff.). Anschließend lehrt Nathan Recha des Wunderglaubens (Vgl. V.214ff.), wobei er aber von Daja unterbrochen wird, welche es für unsinnig hält Recha mit solchen „Subtilitäten“ zu überfordern (Vgl. V.225ff.). Recha schließt darauf, dass ihr Retter kein Tempelherr war, sondern dieser nur so schien (Vgl. V.237ff.), woraufhin Nathan Daja erklären lässt, dass der Tempelherr gefangen als Retter hergeschickt wurde, da er vom Saladin begnadigt wurde (Vgl. V.246ff.). Anschließend beginnt Recha ihr eigenes Denken zu hinterfragen, „wie hätte mich Nachts freiwillig denn einer retten können“ , wodurch das Gespräch mit Nathan sie des Wissens über Wunder gelehrt hat (Vgl. V.242ff. und V.277). So erläutert Nathan ebenfalls, dass es nicht darauf ankomme, sich Gott näher zu fühlen (Vgl. V.291f.), sondern stets gut zu handeln. Somit lehrt Nathan Recha des Wunderglaubens und diese lernt daraus, indem sie die Ablehnung des naiven Wunderglaubens zeigt und ihr eigenes Denken hinterfragt.

Nathan tritt hier als Lehrer und Erzieher auf, denn er lehrt Recha. Dabei stellt er viele rhetorische Fragen (Vgl. V.256), um Recha Wunder und gewisse Handlungen zu verdeutlichen. Er stellt ebenfalls viele Vergleiche an (Vgl. V.203). Mit all diesen Mitteln gelingt es Nathan Recha von ihren Vorstellungen abzubringen, sie zu lehren und darüber weiter nachzudenken. Recha gibt nach, lässt dies zu und sieht schließlich ein, dass ihre Überlegungen nicht nur dazu dienen sollten, um Gott näher zu sein, sondern um menschlich zu Handeln.

Schreiben und Leben - Brecht und Lessing im Vergleich

Vergleicht man Brecht und Lessing im Hinblick auf ihre Schreibsituation, so findet man einige Gemeinsamkeiten und Unterschiede, wie die beiden ihr persönliches Leben literarisch verarbeitet haben.

Beide Autoren waren in ihrer Freiheit des Schreibens eingeschränkt, da sie unter persönlich belastenden Umständen litten, weshalb ihre geschriebenen Dramen auch als Provokation dienen. Ebenfalls von Bedeutung war die Aufklärung ihres Publikums über politische Ereignisse und besonders bei Brecht über politische Machtverhältnisse, um ihr Publikum zum selbstständigen Denken und zur Herstellung von Leidenschaft anzuregen, aber auch zu unterhalten. Brecht war jedoch der Meinung, dass nicht alle Menschen moralisch gleich "gut" sind und besagt die Gesellschaft muss gut sein, erst dann ist man selber gut. Er setzt ebenfalls den Gebrauch des Verstandes als Voraussetzung voraus. Lessing jedoch ist der Meinung, dass alle Menschen gleich "gut" sind und man selbst gut sein muss, um die Gesellschaft zu verändern. Dies spiegelt sich auch in seinem Drama wieder, welches eine dynamische Handlung im Sinne der moralischen Entwicklung der Figuren beinhaltet. Er möchte sein Publikum Leidenschaft fühlen lassen und die Fähigkeiten fördern, welche zur Aufklärung dienen. Im Gegensatz zu Lessing, stellt Brechts Drama ein statisches Bild des Ist-Zustandes zu seiner Lebenszeit dar, welche die Exilsituation und den Verlust der Heimat wieder spiegelt. Brechts "Episches Theater" wird durch viele Verfremdungseffekte gestaltet und seine Antwort auf Lessings Utopie ist, der Fehler liege in der Realität im Menschen selbst. (ZoHNSG)


Bewertung der individuellen Verantwortung der Nebenfiguren für den Aufstieg des Arturo Ui

Leitgedanken:

  • Dramentitel (Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui)
  • Missbrauch oder Missachtung der eigenen Macht/Verantwortung?

Im Gesamtbild tragen alle Nebenfiguren in gewisser Weise mehr oder weniger dazu bei, das Arturo Ui an die Macht kommt. Allerdings passiert dies bei den einzelnen Figuren auf unterschiedliche Art und Weise, wie zum Beispiel durch Unachtsamkeit, zum eigenen Schutz, aus Unbewusstheit oder aber auch zum eigenen Vorteil im persönlichen oder wirtschaftlichen Bereich. Außerdem repräsentieren die Nebenfiguren des Dramas die Weimarer Gesellschaft, denn jede einzelne Figur spiegelt einen Teil dieser Gesellschaft wieder.

Ein Beispiel dafür ist O´Casey, der Leiter der Ermittlungen gegen Dogsborough. Er vertritt die Justiz als Richter und repräsentiert somit die Judikative.

Hook hingegen ist ein Gemüsehändler, der den Leiter des Reichstages, also die Regierung in der Weimarer Republik darstellt und somit die Legislative repräsentiert.

Des Weiteren gibt es noch Ignatius Dullfeet, der die Presse aufgrund seiner öffentlichen Meinung darstellt, da er sich im Drama gegen Ui wendet.

So haben auch alle weiteren Nebenfiguren eine bestimmte Rolle, welche auf die Weimarer Gesellschaft zurückzuführen ist. Der Titel des Dramas zeigt, dass der Aufstieg Uis auch aufgehalten beziehungsweise gestoppt werden kann, somit wird er ja wiederum auch in gewisser Weise angetrieben, was zum Teil durch die Nebenfiguren passiert.


Betreut durch: MaFlo